Regierung Brüning unter Druck

Während sich in Berlin eine Krisensitzung des Kabinetts von Reichskanzler Dr. Heinrich Brüning (Zentrum) an die nächste reihte, erhöhten auch vor Ort die verschiedenen Interessenvertretungen mit ih­ren Forderungen den Druck. Auf den Rückgang der Wirtschaft seit 1930 reagierte die Regierung mit Kürzungen und Steuererhöhungen.

So klagte der Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen, Ortsgruppe Oberhausen, im General-Anzeiger (GA) vom 13. Juli über die jüngsten Kürzungen durch die Regierung. Es handele sich um „Ungerechtigkeiten von un­glaub­lichen Ausmaßen, die den Kriegsopfern die Grundlage der Existenz entziehe.“ So hieß es bei einer Versammlung im Hansahof.

Der Verband Ruhrkohlenbezirk des Reichsbundes deutscher Mieter hielt in Oberhausen eine außerordentliche Versammlung ab. Seine Forderung: „Senkung sämtlicher Mieten auf den Vorkriegsstand“, meldete der GA am 14. Juli.

Und vom Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands, Ortsgruppe Oberhausen, wurde folgende Resolution abgedruckt: „Die Versammelten erkennen in dem kapitalistischen System den Grund der katastrophalen Lage Deutschlands. Der Lohn- und Ge­haltsabbau lässt die Arbeitnehmerschaft verelenden und drückt die Kaufkraft auf das Unerträgliche herab, was zur Folge hat, dass die Handwerker- und Geschäftswelt leidet. In der Wirtschaft lagern auf der einen Seite Millionen von Tonnen Lebensmitteln, die wegen der Armut der arbeitenden Schichten nicht gekauft werden können.“

Am 15. Juli meldete sich der Ar­beiterausschuss der rechtsliberalen Deutschen Volkspartei, Ortsgruppe Oberhausen, zu Wort: Er forderte ei­nen Schuldenerlass bei Fortsetzung der eisernen Sparpolitik in Berlin. Allerdings müssten die Lasten gleichmäßig verteilt werden. Weder eine Diktatur von Nazi-Führer Adolf Hitler noch eine von Ernst Thälmann (KPD) löse die Probleme. Beiden fehlten dazu die geistigen Voraussetzungen.