Rechte tricksen Betreiber des „Haus Union“ aus

Der Montag war kein guter Tag für Thomas und Torsten Helms. In ihrem E-Mail-Postfach landete nämlich ein Schreiben der Antifaschistischen Aktion Oberhausen (Antifa). Die beiden Brüder führen seit mehr als 30 Jahren das Hotel und Restaurant „Haus Union“ gegenüber der Arbeitsagentur. Aber seit knapp zwei Jahren wirft ihnen die Antifa vor, dass in ihren Räumen „in den vergangen Jahren regelmäßig immer wieder Events der extremen Rechten stattfinden“. Und mit ihrem Schreiben wenden sie sich nicht nur an das Hotel selbst, sondern auch an etablierte Parteien und Gewerkschaften, die das „Haus Union“ auch für eigene Veranstaltungen nutzen.

Dass sich jemand gegen Rechts einsetzt, das kann Thomas Helms verstehen. Was er nicht verstehen kann ist, dass niemand mit ihm oder seinem Bruder über die Vorwürfe gesprochen hat. „Bevor jemand solche Sachen in die Welt setzt, sollte er uns einmal fragen.“

Konkret geht es darum, dass Tagungen der Landsmannschaft Ostpreußen NRW und der Partei „Die Freiheit“ im „Haus Union“ über die Bühne gingen. Für das Jahr 2015 seien weitere Veranstaltungen geplant, gibt die Antifa an.

Die Landsmannschaft Ostpreußen NRW mietet seit 30 Jahren Räume bei den Helms. Die Organisation vertritt die Belange der Deutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Ostpreußen vertrieben wurden. Die Antifa bezeichnet sie als „geschichtsrevisionistisch“. Unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes NRW steht sie nicht. Ein Sprecher des Innenministeriums bezeichnet den Verein als unbedenklich.

Parteitag im vergangenen Jahr

Bei der Partei „Die Freiheit“, die vor allem in Bayern aktiv ist, sieht es anders aus. Sie taucht unter anderem im NRW-Verfassungsschutzbericht 2013 auf. Der Vorsitzende der als rechtspopulistisch und islamfeindlich geltenden Partei trat schon auf einer „Hooligans gegen Salafisten“-Demo in Hannover auf. Im Münchener Wahlkampf tat er sich mit Hetzparolen hervor, wie die bayrische Presse berichtete. Vergangenes Jahr mietete sich die Partei zu ihrem Landesparteitag ins Haus Union ein. Allerdings sei das unter falschem Namen passiert, wie die Brüder Helms betonen.

Damit haben sie ein Vorgehen kopiert, das schon die NPD seit längerer Zeit in Oberhausen praktiziert, wie der SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Zimkeit bestätigt. Seine Partei tagt selbst regelmäßig im „Haus Union“ und er kann sich nicht vorstellen, dass die Brüder Helms eine rechte Gesinnung unterstützen: „Wir würden in keinen Räumlichkeiten tagen, in denen Wirte Rechtsex-tremen einen Platz bieten.“

Die beiden Brüder haben schon eine weitere Veranstaltung der Partei „Die Freiheit“ abgesagt. Sie wollten am 21. Januar eine Lesung mit dem Autoren Akif Pirinçci durchführen. Der türkischstämmige Autor hetzt in seinem Buch „Deutschland von Sinnen“ unter anderem gegen Frauen und Zuwanderer.

„Wir können nicht jeden am Telefon fragen, welche Gesinnung er hat oder seinen Hintergrund überprüfen“, sagt Thomas Helms. Rund 2000 Veranstaltungen haben sie jedes Jahr in ihrem Haus. Aber Thomas Helms sagt deutlich: „Ich bin mit Sicherheit kein Rassist, sondern allen Menschen gegenüber offen.“ Selbst ist er mit einer Libanesin verheiratet.