Razzia im Rotlichtviertel

Mit einem Großaufgebot rückte die Polizei am Freitag zur Razzia im Oberhausener Rotlichtviertel an. Viel los war an dem Abend nicht.
Mit einem Großaufgebot rückte die Polizei am Freitag zur Razzia im Oberhausener Rotlichtviertel an. Viel los war an dem Abend nicht.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
An der Oberhausener Flaßhofstraße herrscht eine ungewohnt schüchterne Stille. Die Polizei rückt an. Im Visier hat sie Frauen, die sich gesetzwidrig in Deutschland aufhalten oder gar verschleppt wurden

Oberhausen..  Breitschultrig und dick verpackt stehen die Polizisten vor dem neonpink beleuchteten Panoramafenster und in grellgelben Hauseingängen. Dahinter sitzen etwas verloren Frauen auf Hockern in der typisch „leichten Uniform“ des Rotlichtviertels.

Die Szene an der Flaßhof­straße wirkt ruhig, aber zugleich angespannt. 180 Polizisten haben sich an diesem Abend den Sperrbezirk vorgenommen. Doppelt so viele wie noch beim letzten Einsatz. Sie suchen nach Frauen, die sich hier illegal aufhalten, die womöglich gar verschleppt wurden.

Das Geschäft mit dem Sex eingefroren

Es herrscht eine ungewohnt schüchterne Stille im Oberhausener Freudenviertel. Kaum was los. Die Kälte scheint auch das Geschäft mit dem Sex eingefroren zu haben. Die sehr ruhige, aber massive Polizeipräsenz vor und in den Gebäuden zeigt zudem einschüchternde Wirkung. Die Frauen tun einem fast leid, es sieht auf den ersten Blick so aus als würden sie zu Opfern ihres Berufs.

Der Eindruck täuscht jedoch. Manche sind es offenbar schon längst, denn auch bei dieser Razzia findet die Polizei neun Frauen, die sich illegal in Deutschland aufhalten. Ob sie gegen ihren Willen hier sind oder zur Prostitution gezwungen wurden, bleibt vorerst unklar. „Sie müssten es uns deutlich sagen, nur dann können wir ihnen auch helfen“, erläutert der Oberhausener Polizeisprecher Axel Deitermann das Dilemma für die Beamten. Andernfalls übernimmt die Ausländerbehörde und weist die Frauen aus dem Land. Dann kann es passieren, dass sie erneut eingeschleust werden. Es ist nicht einfach, dem illegalen Menschenhandel einen Riegel vorzuschieben.

Beamtinnen sind zur Sicherheit dabei

Das Vorgehen der Polizisten, die zum großen Teil aus Düsseldorf und Dortmund gekommen sind, ist deshalb bestimmt, aber besonnen: Bei den Überprüfungen sind immer auch weibliche Beamten als Zeugen dabei – das dient ebenso der Sicherheit der Polizisten vor falschen Anschuldigungen. Auch das kommt bei solchen Einsätzen vor. Zudem begleiten mehrere Sozialarbeiter die Razzia.

Sie dürfte schon einige Tage zuvor geplant worden sein. Am Freitag bespricht man gegen 18 Uhr im Präsidium am Friedensplatz noch einmal die Vorgehensweise. Wer um diese Zeit dort vorbeiging, ahnte wohl, dass ein Großeinsatz bevorstand. Nur nicht wohin.

Einsatzwagen riegeln Sperrbezirk ab

Gegen 20 Uhr riegeln die Einsatzwagen mit Blaulicht dann aus verschiedenen Richtungen die Zugänge des Sperrbezirks an der Grenz- und Hermann-Albertz-Straße ab. Mancher Oberhausener am nahen Kiosk und an der Pizzeria schaute mit amüsierter Miene zu: „Wollt ihr zum Puff?“

Abschnitt für Abschnitt, Tür für Tür wird das Freudenviertel durchkämmt: über 200 Zimmer. Auch mögliche seitliche Fluchtwege über Mauern und Garagen Richtung Blumenthal- und Friedensstraße haben die Beamten im Blick. Dann kommt niemand mehr rein und raus.

Keine Fluchtversuche

Heute flüchtet aber niemand. Die Frauen in den Schaufenstern warten beinahe routiniert ab, bis sie überprüft werden. Manche telefoniert, aber Warnungen kommen jetzt eh zu spät. Polizisten und Sozialarbeiter gehen von Gebäude zu Gebäude. Pässe werden gecheckt, auch auf ihre Echtheit.

Jemand trägt auf dem Weg nach draußen sogar einen Computer mit sich. Wurde der Rechner beschlagnahmt? Und welche Daten hofft die Polizei zu finden? Was genau sich drinnen abspielt, bleibt der Öffentlichkeit verborgen.

Rechnete die Polizei mit Widerstand?

Warum das Oberhausener Kriminalkommissariat 11 bei diesem Einsatz eine derart hohe Zahl an Polizisten aus anderen Städten zusammentrommelte, erfährt man nicht.

Beim letzten Mal im Mai 2011 war nur die Hälfte der Beamten im Einsatz. Hat man nun besonderen Widerstand erwartet? Dass ein Teil der Bordelle Mitgliedern der Rockerbande „Bandidos“ gehört, ist ein offenes Geheimnis. Wollte man für alle Fälle gerüstet sein? Oder den kriminellen Menschenhändlern eine klare Kante zeigen? Einige Fragen lässt der Einsatz als Laie betrachtet offen.