Rat beschließt vor 50 Jahren, die Bahn langsam abzuschaffen

Nur ein CDU-Stadtverordneter enthält sich der Stimme, als der Stadtrat am 5. Juli 1965, vor 50 Jahren, beschließt, den öffentlichen Nahverkehr langfristig von Straßenbahn auf Bus umzustellen. Seit der Kommunalwahl 1964 sind nur noch SPD-Mehrheit und CDU-Minderheit im Stadtrat vertreten. Den Vorsitz dort führt seit 1956 wieder Oberbürgermeisterin Luise Albertz (SPD).

Auslöser für die Entscheidung ist der Neubau der Emschertalbahn-Brücke. 200 000 Mark wollte die SPD einsparen, indem keine Gleise über die neue Brücke verlegt werden. Die dortige Straßenbahnlinie wird gemeinsam mit Mülheim betrieben. Die SPD muss aber einen Rückzieher machen und den Betrag bewilligen, weil der Vertrag über den gemeinsamen Straßenbahnbetrieb erst Ende März 1967 ausläuft. Von da an sollen aber keine größeren Beträge mehr investiert werden.

Die CDU argumentiert stadtplanerisch: 1897 seien die Straßenbahnen entstanden, um die damals noch voneinander getrennten Gemeinden Oberhausen, Sterkrade und Osterfeld zu verbinden. Heute seien die Flächen zwischen ihnen bebaut. Die neuen Wohngebiete könne man besser mit dem Bus anfahren. „In zehn bis 15 Jahren kann man sich in den eng bebauten Stadtbezirken eine Straßenbahn überhaupt nicht mehr vorstellen“, so die CDU.

Allerdings drängt die SPD darauf, Straßen wie die Buschhausener, die Mellinghofener und die Thüringer Straße endlich von den Gleisen zu befreien. Dort ist der Straßenbahnbetrieb schon eingestellt. Nur mit einer neuen Fahrbahndecke sei angenehmer Busbetrieb möglich. Ein weiterer Grund für den Ausstieg: Bis auf sechs moderne Wagen müsste der Fuhrpark erneuert werden.

Zwei Tage nach der Ratssitzung hat der ADAC seine Forderung bekräftigt: Aus seiner Sicht ist die Straßenbahn ein „Verkehrsbehinderungsmittel“. Das Verkehrsmittel sei sehr unfallträchtig, heißt es, komme es dem Autofahrer doch auf der Bebelstraße auf der falschen Seite entgegen. Auch Busse seien in der Lage, den Massenverkehr aufzunehmen.

Differenzierter ist der Standpunkt der Polizei: Bei in den Straßen verlegten Gleisen sei die Bahn in der Tat ein Verkehrshindernis, erklärt ein Oberkommissar. Das trifft vor allem auf die häufigen Gleisbauarbeiten zu. Ganz anders sähe die Sache aus, wenn die Bahn einen ei­genen Gleiskörper hätte. Für den ADAC sind mit der Umstellung praktische Vorteile verbunden. So würden Busse direkt an der Bordsteinkante halten. Der Einstieg sei einfach bequemer.