Radrennsport bringt ein Viertel in Oberhausen in Feierlaune

Die Gastgeber Birgitt und Martin Auge beim Internationalen Radrennen am Pfingstsonntag vor ihrem Haus in Oberhausen-Dümpten.
Die Gastgeber Birgitt und Martin Auge beim Internationalen Radrennen am Pfingstsonntag vor ihrem Haus in Oberhausen-Dümpten.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Am Rande des Pfingstradrennens lädt Familie Auge seit 31 Jahren zum Fest ein. Anfangs wollten sie nur ihre Garage einweihen.

Oberhausen.. Birgitt Auge hat die Gardine in ihrer Küche zur Seite geschoben. Sie hat nur Zeit für einen kurzen Blick nach draußen, auf die Mühlenstraße, wo gerade ein großer Pulk der Radfahrer vorbei saust, dann muss die Dame des Hauses auch schon die zweite Kaffeemaschine neu auffüllen. Sie und ihr Mann Martin haben den Garten voller Gäste: Seit 31 Jahren laden die Auges Freunde und Nachbarn zum geselligen Beisammensein am Rande des Pfingstradrennens ein.

1931 wurde das Radrennen erstmals in Oberhausen ausgerichtet. Hunderte Radsportler lockt der internationale Wettkampf, den der Radsportverein Blau-Gelb im Drei-Städte-Eck organisiert, jedes Jahr an. Tausende Fans feuern die Radler an – Familie Auge macht daraus ein Fest.

Plaudern unterm Sonnenschirm

Ein gelber Sonnenschirm vor der Garageneinfahrt ist das Erkennungszeichen. Darunter stehen plaudernd zwei Männer am Stehtisch. Neben ihnen cremt ein junger Vater die Arme seiner kleinen Tochter ein: Die Sonne scheint.

Wieder kommt der Lautsprecherwagen vom Radrenn-Sponsor und Möbelhaus „XXXL Rück“ durch die Mühlenstraße gefahren und kurz danach das Hauptfeld der Radfahrer. Vor der Hecke des Vorgartens von Familie Auge haben Beobachter auf einer langen Bank Platz genommen. Sie nehmen nicht immer von den vorbeifahrenden Rennfahrern Notiz. Es gibt viel zu erzählen. Diesmal feuern sie nur einen Nachzügler an.

In der Küche von Birgitt Auge hilft eine Bekannte, den Kuchen servierfertig zu machen. Die Auges wohnen seit 33 Jahren im Eigenheim an der Mühlenstraße. „1984 haben wir unsere Garage gebaut“, erinnert sich die 58-Jährige. „Zur Einweihung gab es ein kleines Fest, das zufällig mit dem Radrennen zusammenfiel. Seitdem feiern wir jedes Jahr zusammen.“ Anfangs habe sie sich daran gewöhnen müssen, so viele Leute in Haus und Garten zu lassen.

Gäste bringen die Zutaten mit

Ehemann Martin macht sich gerade in dieser Garage nützlich, ordnet die Weinflaschen. Ein Bekannter bedient die Zapfanlage. Denn hier ist das große Büfett aufgetischt. Die Getränke und die Grillwürstchen stellen die Gastgeber. Die Zutaten bringen die Gäste mit. Und so reihen sich etliche Schalen mit Salaten, Platten mit Frikadellen und andere Köstlichkeiten aneinander. Der Großvater, der mit dem Enkelkind die Garage betreten hat, er hat es auf den Nachtisch abgesehen, füttert die Kleine mit Erdbeeren und Joghurt.

Auf der Terrasse haben es sich Gäste unter der Markise gemütlich gemacht. Andere sitzen im luftigen Zelt auf dem Rasen. Stefan Wieneke ist eigens aus Frankfurt/Main gekommen, um alte Bekannte wiederzusehen. Er ist in Oberhausen aufgewachsen, hat das Heinrich-Heine-Gymnasium besucht, dann aber in Frankfurt studiert und Arbeit gefunden. „Seit zehn Jahren treffe ich mich hier regelmäßig mit Freunden“, erzählt er.

Aus einer Garage dröhnt laute Musik

Harald Scheidegg (65), ein weiterer Gast, erinnert an das Malheur, dass der Familie Auge im vergangenen Jahr passiert ist. „Da hat ihnen Sturm Ela am Tag nach dem Fest doch glatt das Zelt zertrümmert.“ „Aber mein Schwiegervater hat ein neues Zelt angeschafft“, ergänzt Christoph Laaks (32), der hier eingeheiratet hat.

Auf der Straße rasen die Radler schon wieder vorbei, bevor sie scharf rechts in die Straße Priestershof abbiegen. Auch vor der Gaststätte Frintrop in der Kurve ist viel los. Aus einer Garage gegenüber von Familie Auge dröhnt laute Musik herüber. Junge Leute sitzen beim Bier zusammen. Ein ganzes Viertel ist in Feierlaune.