Pünktlichkeitsversprechen im Nahverkehr endet an der Stadtgrenze

Wenn sich Busse verspäten, die über die Stadtgrenze fahren, zahlt nicht immer die Stoag zurück. Foto: Stephan Glagla
Wenn sich Busse verspäten, die über die Stadtgrenze fahren, zahlt nicht immer die Stoag zurück. Foto: Stephan Glagla
Foto: Stephan Glagla / WAZ FotoPool

Oberhausen..  Seit vier Monaten gilt die Pünktlichkeitsgarantie - wenn ein Bus mehr als zehn Minuten Verspätung hat, bekommt der Fahrgast sein Geld zurück. Überqueren diese Busse aber die Stadtgrenzen, zahlt nicht immer die Stoag zurück.

16 Minuten zu spät fuhr der Bus der Linie 122 an diesem Mittwochabend die Haltestelle Roßbachstraße an. Eine 76-Jährige aus Biefang ärgerte die Warterei so sehr, dass sie am nächsten Tag im Sterkrader Kundenzentrum der Stoag die Erstattung ihres Fahrpreises beantragen wollte.

Immerhin warben die Verkehrsbetriebe mit dieser Pünktlichkeitsgarantie. Doch am Kundenschalter die Überraschung: Weil die 122 ein Mülheimer Bus sei und sich Mülheim nach Auskunft der Stoag-Mitarbeiterin nicht an dem Pünktlichkeitsversprechen beteilige, sollte es auch kein Geld zurück bekommen.

Mülheim, Essen und Duisburg haben andere Software

Erst auf Anfrage der WAZ stellt sich heraus: Anspruch auf die Erstattung des Ticketpreises hätte die Frau durchaus gehabt. „Das war eine falsche Auskunft unserer Mitarbeiterin, Mülheim beteiligt sich an dem Pünktlichkeitsversprechen“, sagt Stoag-Sprecherin Sabine Müller.

Trotzdem hätte die 76-Jährige ihr Geld nicht in Sterkrade zurückbekommen. Und hier wird es kompliziert: Der Kundenservice der Stoag arbeitet mit einem anderen Computersystem als die Verkehrsbetriebe in Mülheim, Essen und Duisburg. Deshalb bekommt man von Oberhausen aus für einige der Linien, die die Stoag zusammen mit den benachbarten Städten betreibt, die Fahrpreise nicht erstattet. Diese Einschränkung gilt aber nicht für alle Linien: Ist die Straßenbahn 112 zu spät, bekommt man sein Geld in Oberhausen wieder, Erstattungen für die von Sterkrade nach Mülheim fahrende 122 muss man aber bei der Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG) beantragen.

Direkt an Verkehrsbetriebe der Nachbarstadt wenden

Gleiches gilt für die Linien: 122, 124, 129, 136 (Mülheim), 185, NE 11 (Essen), 905, 908 und 939 (Duisburg). „Am einfachsten ist, wenn sich Fahrgäste verspäteter Gemeinschaftslinien an die Verkehrsbetriebe der jeweiligen Nachbarstadt wenden“, rät Müller. Grundsätzlich seien die Verspätungen der Linie 122 zurückgegangen. „Im neuen Fahrplan haben wir mehr Pufferzeiten eingebaut“, so die Stoag-Sprecherin.