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Psychedelisch inspiriert: Klaus Lipp und seine Plakate

11.07.2008 | 17:20 Uhr

Oberhausen. Klaus Lipp sammelt Plakate. Konzertankündigungen, die in der Woodstock-Ära richtige Kunstwerke waren. Eines seiner Idole ist Neil Young. Als der in dieser Woche in Oberhausen gastierte, war sein Fan natürlich dabei.

Klaus Lipp sammelt seit den späten 70er Jahren Plakate.

Es war die sprichwörtliche Liebe auf den ersten Blick: Als Klaus Lipp Ende der 70er Jahre ein paar LP loswerden und in einem Dortmunder Plattenladen mit An- und Verkauf in Zahlung geben wollte, sah er dort an der Wand ein Plakat von 1968. „Ich habe dem Händler meine Schallplatten überlassen und durfte das Plakat mitnehmen”, erinnert sich Lipp. Der Beginn einer großen, bis heute andauernden Sammelleidenschaft.

Buffalo Springfield war von 1966-68 Neil Youngs Band.

 „Ich habe ein besonderes Interesse dafür, was 1966-69 in San Francisco, Los Angeles und New York geschah. Carlos Santana, Buffalo Springfield, Neil Young. Die großen politischen Fragen der Zeit, die Hippie-Bewegung, die zunächst nach England, dann nach Deutschland überschwappte, der Summer of Love 1967.” Das ganze Umfeld der damaligen Bands sei anders gewesen, die kommunenhafte Form des Zusammenlebens. An den Plakaten jener Jahre fasziniert ihn vor allem ihre Nähe zur psychedelischen Kunst. Sein ältestes Exemplar stammt von 1966 aus San Francisco.

 Vergleichsweise einfallslos dagegen ein deutsches Plakat aus demselben Jahr 1966, als „Big Brother And The Holding Company” mit Sängerin Janis Joplin, die Overlanders und Twinkle, die englische Popsängerin in ihrer großen Zeit, in der Stadthalle Bremen gastierten. Und dabei liegt der Unterschied keineswegs nur darin, dass in Deutschland die DIN-Norm galt, in Amerika dagegen die Künstler sich am Durchmesser eines Telegrafenmastes orientiert haben.

 Lipp, der im tiefsten Sauerland in Bad Berleburg geboren wurde und seine berufliche Laufbahn selbst als Patchwork bezeichnet, hat Tischler gelernt. „Nach meiner Ausbildung habe ich versucht, Praxis und Theorie zu verbinden”, so Lipp. Er arbeitete mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen, war in klassischen Jugendhilfeeinrichtungen über Jahre zu Hause, vermittelte in Ausbildungswerkstätten sein Tischler-Know-how.

 „Mir war dabei immer ein anthropologischer Ansatz sehr wichtig, die Anerkennung der menschlichen Individualität”, erläutert Lipp. Eine Lebensstation war Bielefeld, wo er beim Evangelischen Johanneswerk mit jungen Menschen gearbeitet hat.

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Signiert und gefaltet

Als jetzt Neil Young in Oberhausen gastierte, war auch Klaus Lipp in der Arena.

Er wollte ein Plakat signieren lassen. Wie schon vor ein paar Jahren klappte es auch diesmal nicht. Young war nach dem Konzert sofort weg. Immerhin, die Leute vom Management waren von Lipps Plakat-Leidenschaft fasziniert und meinten, dass auch der Meister wohl Gefallen fände. Bei einem der noch ausstehenden Deutschland-Auftritte soll's nun endlich klappen. Übrigens hatte Lipp bei The Who auch mal Pech. Er musste das Plakat dem Sicherheitsteam aushändigen. Prompt kam es gefaltet zurück. Immerhin signiert.

 „Damals gewann der theologische Aspekt in meiner Therapeuten-Tätigkeit große Bedeutung für mich”, verrät Lipp. Der Wegzug von Bielefeld bedeutete das Ende seiner Arbeit mit Jugendlichen.

 Klaus Lipp, der seit 2004 in Oberhausen wohnt und zuletzt als Handelsvertreter für Ernährungs- und Wellnessprodukte tätig war, ist auch ein großer Reisefan, dem Orient sehr zugewandt. „In Marokko, Tunesien und Syrien hatte ich sehr vielschichtige Begegnungen. Marrakesch ist einfach toll. Wer das nicht gesehen hat, hat die Welt nicht gesehen.”

 Dennoch fehlt – ausgerechnet, möchte man sagen – ein großes Reiseziel in der Sammlung: die USA. „Mein großer Traum.”

Hajo Berns (Text), Tom Thöne (Fotos)

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