Prozess um aus dem Fenster geworfenes Baby in Oberhausen

Blumen und Kerzen auf dem Bürgersteig an der Mülheimer Straße zum Gedenken an das tote Baby.Zeugen hatten den toten Säugling Ende November vergangenen Jahres in einem Hinterhof gefunden.
Blumen und Kerzen auf dem Bürgersteig an der Mülheimer Straße zum Gedenken an das tote Baby.Zeugen hatten den toten Säugling Ende November vergangenen Jahres in einem Hinterhof gefunden.
Foto: Ulla Emig/WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Fortsetzung im Prozess um totes Baby in Oberhausen. Ex-Freunde und Bekannte sagen aus: Beschuldigte sei lustig und nett, habe aber auch viel gelogen.

Oberhausen.. Eine taffe, alleinerziehende Mutter. Lustig und sympathisch. Eine engagierte und zuverlässige Mitarbeiterin. Schüchtern und hilfsbereit. So beschreiben (ehemalige) Freunde und Bekannte die 26-jährige Oberhausenerin, die sich derzeit wegen Totschlags vor dem Duisburger Landgericht verantworten muss. Sie hat bereits gestanden, im November ihr gerade geborenes Baby aus dem Fenster geworfen und so getötet zu haben.

„Ich kann nichts Schlechtes über sie sagen“, beteuerte der Vater des getöteten Säuglings im Zeugenstand. Nur mit der Erziehung ihrer vierjährigen Tochter sei die Angeklagte wohl überfordert gewesen, mutmaßte er. „Das Kind hat eindeutig die Hosen an und tanzt ihrer Mutter auf der Nase herum.“

Schürze verdeckte den Bauch

Als die junge Mutter von ihrer erneuten Schwangerschaft erfuhr, war sie gerade einmal ein paar Wochen mit dem Zeugen liiert. „Sie hat mir nichts erzählt“, sagte der 35-Jährige. Auch später will er nichts bemerkt haben. Das Paar trennte sich zwar einige Zeit später, aber es sei zwischendurch immer mal wieder zu Treffen gekommen.

Mitte Oktober, also rund anderthalb Monate vor der Geburt, habe er die Angeklagte das letzte Mal gesehen. „Sie war vielleicht ein bisschen mopsig. Aber schwanger? Das habe ich nicht gewusst.“ Dementsprechend geschockt sei er gewesen, als er von der Tat erfuhr. „Ich war fix und fertig. Das nimmt mich auch heute noch sehr mit.“

Sichtlich bestürzt zeigte sich auch die ehemalige Chefin der Angeklagten, die im August vergangenen Jahres eine Lehre zur Bäckereifachverkäuferin angefangen hatte. „Ich hatte im Gefühl, dass das Mädchen vielleicht schwanger sein könnte“, erzählte die Zeugin. Sie habe bei der 26-Jährigen wiederholt nachgefragt. „Aber sie hat mir versichert, ihr Bauch habe sich nach der ersten Geburt nicht richtig zurückgebildet.“ Die weite Bäckerschürze habe wohl auch einiges kaschiert. Den Tränen nahe verließ die 48-Jährige nach ihrer Aussage den Gerichtssaal.

Geburt im Badezimmer

Die Angeklagte mühte sich dagegen, keine Regung zu zeigen. Sie habe das Kind nicht töten wollen, hatte sie bereits beim ersten Verhandlungstag gesagt. Ihr Plan sei es gewesen, den Jungen nach der Geburt in eine Babyklappe zu bringen. Doch dann kam das Kind, als sie gerade bei ihren Eltern war. Zur Welt gebracht hat sie es ganz alleine, im Badezimmer der elterlichen Wohnung. Sie sagte aus, das Neugeborene in der Hoffnung aus dem Fenster geworfen zu haben, dass Kartons den Sturz abfedern. Doch in dem Hinterhof standen keine Kartons.

Mit starrem Gesichtsausdruck verfolgte die junge Frau den gestrigen Verhandlungstag. Stur blickte sie geradeaus. Ab und an huschte ein kurzer, verstohlener Blick in Richtung Zeugen. Nur ein Mal brach es aus ihr heraus. Als der Vater ihrer vierjährigen Tochter aussagte, liefen ihr die Tränen über die Wangen. Ihr Ex-Freund hatte gerade geschildert, was für eine gute Mutter sie eigentlich sei. Und dass sie immer versucht habe, ihren Eltern etwas zu beweisen.

Lügen und Geheimnisse

Er erzählte aber auch, wie verschlossen sie oft gewesen sei. Dass sie Probleme eigentlich nie nach außen trug. Auch von Lügen und Geheimnissen in der Beziehung sprach der Zeuge. Lange habe er den Verdacht gehabt, dass sich seine Freundin mit anderen Männern traf. Auch die Schwangerschaft vor rund fünf Jahren habe sie verheimlicht. Erfahren habe er erst davon, als die Mutter der Angeklagten es ihm erzählte. Da war die junge Frau bereits im vierten Monat.

Der Prozess wird am 11. Juni fortgesetzt.