Provokante Paradiesvögel bei "Punk im Pott" in Oberhausen

Viele Punker kamen am Oberhausener Hauptbahnhof an, um von dort zur Turbinenhalle weiterzufahren, wo für zwei Tage das Festival „Punk im Pott“ zum 13. Mal stattfindet.
Viele Punker kamen am Oberhausener Hauptbahnhof an, um von dort zur Turbinenhalle weiterzufahren, wo für zwei Tage das Festival „Punk im Pott“ zum 13. Mal stattfindet.
Was wir bereits wissen
"Punk im Pott" heißt das größte Indoor-Punkfestival Deutschlands. Zwischen Weihnachten und Neujahr trafen sich Punk-Fans zum 13-ten mal in der Oberhausener Turbinenhalle zum "Fest nach dem Fest". Verwunderlich für Bahnreisende: Rund 200 der Festivalbesucher nutzen den Hauptbahnhof als Schlafstätte.

Oberhausen.. „Das Fest nach dem Fest“ nennt sich „Punk im Pott“, das größte Indoor-Punkfestival Deutschlands. Und das ist jetzt - wie immer an zwei Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr. In der Turbinenhalle. In Oberhausen. Deshalb wunderten sich gestern Bahnfahrer auch über die vielen provokant-bunt gestylten Gestalten, die sie auf dem Bahnhof antrafen. Rund 200 der, laut Veranstalter, erwarteten bis zu 1500 Punks hatten dort geschlafen. Friedlich. „Wir hatten keine Probleme“, erklärte Polizeisprecher Johannes Paus.

Dennoch hat die Polizei ein Auge auf die Truppe. „Wir sind auf alle Eventualitäten vorbereitet“, versicherte Paus. 2007 hatte es beim Festival Randale gegeben. Auslöser waren damals die Zwangseinweisung eines Gastes in die Psychiatrie und absurderweise eine in der Turbinenhalle in Brand geratene Fritteuse. Feuerwehr und Polizei wurden bei ihren Einsätzen von den Festival-Besuchern attackiert. An den Fahrzeugen der Einsatzkräfte entstand ein hoher Sachschaden. Die Folge: „Punk im Pott“ wurde 2008 vom Ordnungsamt in Oberhausen verboten, fand in Berlin statt.

Sie wollen provozieren

Seit 2009 treffen sich die Punker wieder im Pott. Friedlich. Und wie sind sie diesmal drauf? Sie wollen provozieren, klar. Ein älterer Herr starrt dann auch indigniert einem Typen hinterher, der mit grell-rot gefärbtem Hahnenkamm, behängt mit rasselnden Ketten, ne Pulle Bier in der Hand, grölend durch den Bahnhof läuft. Der Kettenrassler wirkt nun auch sehr rustikal. Gehört wohl eher zu dem etwas älteren Semester - mit geschätzten Mitte 20.

Viele der Punker, die noch am Bahnhof auf einen der Shuttle-Busse zur Turbinenhalle warten, sind sehr jung. Gerade mal 16. Das ist auch Meisters Alter. Meister, stilecht mit Bier, Hahnenkamm und Schottenkaro-Hose, hat sich kurzfristig diesen Namen zugelegt. Er kommt aus Köln. Ist das erste Mal bei „Punk im Pott“. „Wir haben uns gedacht, das macht bestimmt Spaß hier“, sagt er. Meister macht übrigens selber Musik. Spielt Gitarre seit er fünf und in einer Band seit er zwölf ist. „Die Haare mach’ ich mir nicht immer so hoch“, erklärt er noch, „aber solche Klamotten trage ich immer.“

Günstige Ferienwohnung gemietet

Als Meisters Freund Tom (16) verkündet: „Ich höre sonst Pop“, sagt Meister: „Der lügt.“ Auch als einer aus der Gruppe brüllt: „Ich nehme Heroin“, erklären die Übrigen cool: „Das stimmt nicht.“ Wahrscheinlich ist auch Quatsch, was ein weiterer Bierflaschenschwenker in die Runde schreit: „Ich hab’ in der ersten Klasse auf den Sitz gepinkelt.“

Nicht alle Punker haben schon so aufgedreht, nicht alle schlafen am Bahnhof. Jan (22) aus Marburg, Schlagzeuger der Band S.M.D., erzählt ganz sachlich. Man könne auch in der Turbinenhalle übernachten Und: „Ich war letztes Jahr schon bei ,Punk im Pott’. Das war ein cooles Festival.“ „Es ist das einzige große Festival, das im Winter stattfindet“, ergänzt Band-Kollegin Anna. Sie hat sich mit Freundin Sina eine Ferienwohnung gemietet. „Total günstig“, schwärmen beide.