Pro Familia warnt – Porno-Konsum verwirrt Jugendliche

Jugendliche können auch über ihre Smartphones Pornos schauen. Sie bekommen so ein völlig falsches Bild von Sexualität, warnen Experten.
Jugendliche können auch über ihre Smartphones Pornos schauen. Sie bekommen so ein völlig falsches Bild von Sexualität, warnen Experten.
Foto: dpa
Problem Porno-Konsum: Sexualberater von Pro Familia in Oberhausen begegnen immer wieder jungen Leuten, die ein falsches Bild von Sexualität haben.

Oberhausen.. Frei verfügbare Pornofilme im Internet führen nach Beobachtung der Oberhausener Sexualberatungsstelle Pro Familia jugendliche Betrachter in die Irre. Sie bekämen ein verzerrtes Bild vom tatsächlichen Liebesleben von Paaren.

„Das Porno-Angebot im Internet bricht wie ein Tsunami über die heutigen Jugendlichen herein“, warnt Pro-Familia-Leiter Andreas Müller. Der zunehmende Porno-Konsum verbaue ihnen eine selbstbestimmte Sexualität.

Von Porno-Szenen überflutet

Aufgrund seiner Beratungen zum Thema Sexualität in Oberhausener Schulklassen weiß der Sozialarbeiter: „Etwa 90 Prozent der Jungs haben bereits im Alter von 14 Jahren Pornoerfahrung.“ Wenn sie dann mit 16 oder 17 Jahren den ersten sexuellen Kontakt mit einem Mädchen hätten, seien sie zuvor schon von tausenden Porno-Szenen überflutet worden.

Diese Erfahrung am Bildschirm setze Jugendliche ungeheuer unter Druck. „Sie brauchen Jungen nur zu fragen, wie lang das erigierte Glied eines Mannes ist“, sagt Müller. Da sei dann von 20 Zentimetern und mehr die Rede, so wie es eben in den Sexfilmen zu sehen sei. Tatsächlich seien es im Schnitt 13 Zentimeter.

Der erfahrene Berater glaubt, dass Pornografie die Erwartungen der Jungs, was Mädchen an der körperlichen Liebe schätzen, in verkehrte Bahnen lenke. So mancher glaube nach häufigen Pornokonsum, dass Frauen zu allem bereit und stets verfügbar seien.

Nur Aufklärung hilft

Auch Mädchen konsumieren nach der Erfahrung von Pro-Familia-Beraterin Dr. Christine Gathmann Pornografie. Auf viele von ihnen wirkten die meist wenig liebevollen Sexszenen aber anders als auf Jungs. „Sie ekeln sich vor der Rolle der Frau als Sex-Objekt.“ Andererseits wollten auch Mädchen cool sein und nicht als prüde gelten. Das bringt sie in eine Zwangslage, weil sie den Jungen, den sie mögen, nicht vor den Kopf stoßen wollen.

Das alte Bild von den draufgängerischen Jungs und den zurückhaltenden Mädchen stimme aber nicht, berichten die Pro-Familia-Berater. Es gebe genauso Mädchen, die nur auf das „eine“ aus seien. Und es gebe auch schüchterne Jungs, die erst mal Freundschaft suchten, aus der dann mehr werden könne.

Die Pornografie jedenfalls erschwere für Jugendliche das langsame Herantasten an die Sexualität. „Man meint, schon etwas zu wissen, obwohl man nur künstlich gestellte Szenen abkupfert“, sagt Andreas Müller. Seiner Ansicht nach könnten Eltern nur eines tun: ihre Kinder über Sexualität und Porno-Darstellungen aufklären.

Eltern sind chancenlos

Die Pro-Familia-Berater halten die Eltern für chancenlos, Pornofilme im Internet zu sperren. Das sei bei Kindern noch möglich, nicht aber bei Jugendlichen, weil die sich meist viel besser als Erwachsene mit dem Computer auskennen. Umso wichtiger sei das offene Gespräch der Sexualberater mit den Schulklassen, schlichte Aufklärung also.

84 Klassen vorwiegend von Gesamtschulen besuchten Pro Familia im vergangenen Jahr. Beim Gespräch der Jungen mit Andreas Müller und der Mädchen mit einer der Beraterinnen sind die Lehrer nicht dabei. Alle Fragen sollen offen gestellt werden können. Dafür sollen die jungen Leute sich vor niemandem schämen müssen.