Poststreik bedroht Firmen-Existenz in Oberhausen

Die Post bleibt liegen, Briefe zur Auslieferung stapeln sich – und Firmen wie die von Anette Hühnerschulte geraten in Existenz-Angst.
Die Post bleibt liegen, Briefe zur Auslieferung stapeln sich – und Firmen wie die von Anette Hühnerschulte geraten in Existenz-Angst.
Foto: picture alliance / dpa
Was wir bereits wissen
Albert Schmidt-GmbH fürchtet um Aufträge. Nicht alle Rechnungen lassen sich online bezahlen. Wenige Straßen weiter trägt eine Beamtin die Briefe aus.

Oberhausen.. Seit über drei Wochen streiken Mitarbeiter der Post. Seitdem ist der Briefkasten der Albert Schmidt-GmbH in Buschhausen leer. Anette Hühnerschulte und ihr Mann Johannes übernahmen den Traditionsbetrieb vor 34 Jahren. Wenn die Post bei ihnen weiterhin ausbleibt, machen sie sich ernsthaft Sorgen um die Zukunft ihres Unternehmens.

„Es fehlen mir Unterlagen vom Finanzamt, Rechnungen und Kontoauszüge für meine Buchführung“, berichtet sie. „Wir können die vorgegebenen Fristen bei Stadt oder Finanzamt nicht einhalten.“ Rechnungen könnten nicht pünktlich bezahlt werden, sie wisse ja nicht einmal, ob eine Rechnung gestellt worden ist.

Keine Post seit dreieinhalb Wochen

Die Firma Schmidt erledigt Putz- und Stuckarbeiten und ist im Trockenbau tätig. Seit dreieinhalb Wochen sind jedenfalls auf dem Postweg keine entsprechenden Anfragen von Bauherren oder Architekten mehr gestellt worden. „Da besteht die Gefahr, keine Anschlussaufträge mehr zu erhalten“, klagt Anette Hühnerschulte. Schlimmer noch: Weil man nicht reagiert habe, falle man womöglich ganz aus dem Verzeichnis möglicher Auftraggeber heraus, gelte als unzuverlässig. „Das ist für unsere Existenz gefährdend“, so die Unternehmerin. An ihrem Betrieb hängen aber noch acht weitere Ar­beitsplätze.

Was die Geschäftsfrau besonders wurmt, ist, dass nur ihre Adresse, die Beeckerortstraße, nicht mehr von der Post bedient wird. In nur fünf Minuten Entfernung dagegen, an Friesenstraße und Bayernstraße, sei alles in bester Ordnung. „Dort wird die Post von einer Beamtin ausgetragen.“

Trotz Internet-Zeitalter bleibt Papierpost unverzichtbar

Post-Pressesprecher Rainer Ernzer hat volles Verständnis für die Sorgen der Kundin: „Aber wir können die Streikfolgen nur verringern, nicht völlig aus der Welt schaffen.“ So werde schon Personal anders eingesetzt und auf Aushilfen zurückgegriffen. Deshalb gelinge es auch, 80 Prozent der Briefsendungen zuzustellen. Für so schwer Betroffene wie die Firma Schmidt sei das ein schwacher Trost, räumt er ein. Zumal Streik auch noch „höhere Gewalt“ sei und niemand dafür in Haftung genommen werden könne.

Anette Hühnerschulte hat schon umdisponiert, so weit sie kann. Die EVO sei nach langem Hin und Her bereit, ihre Rechnung online zu stellen. Auch auf elek­tronische Kontoauszüge hat sie umgestellt. Bei den Rheinisch-Westfälischen Wasserwerken muss sie das noch beantragen. Auf Papierpost kann sie aber trotzdem im Internet-Zeitalter nicht vollständig verzichten.