Polizei: Rocker verhalten sich ruhig

Die Polizei hat durch zahlreiche Kontrollen (im Bild eine Kontrolle im April 2014) den Druck hochgehalten.
Die Polizei hat durch zahlreiche Kontrollen (im Bild eine Kontrolle im April 2014) den Druck hochgehalten.
Foto: Ulla Emig WAZ Fotopool
Was wir bereits wissen
Der Druck der Beamten und der Stadt zeige Erfolg – Hells Angels und Co. ziehen sich zurück. Keine Verbindung mit aktuellen Ereignissen in Düsseldorf.

Oberhausen.. Die United Tribuns sind abgezogen, das hiesige „Chapter“ (Ortsgruppe) der Bandidos ist eingefroren und die Hells Angels sind nach einer Neuorganisation als „Hellgate“ unterwegs: Die Oberhausener Polizei hat die hiesige Rocker-Szene genau im Auge. Nach Einschätzung von Ralf Weyer, Leiter des Kriminalkommissariates 13, zuständig für organisierte Kriminalität, ist es derzeit sehr ruhig -- trotz der Messerstecherei an Silvester, bei der ein Mitglied der Hells Angels schwer verletzt wurde. „Das hatte nichts mit Auseinandersetzungen im Milieu zu tun, wie es in manchen Medien berichtet wurde.“ Die Hintergründe seien privater Natur. „Kein anderer Beteiligter ist der Szene zuzurechnen.“

Der Druck, den Polizei und die Stadt auf die Rockerclubs ausgeübt haben und weiter ausüben, zeige Wirkung, so Weyer. „Die Hells Angels haben sich neu aufgestellt. Die Mitglieder, die wir als besonders gewalttätig einschätzen, haben sich aus Oberhausen zurückgezogen.“ Der Großteil dieser Gruppe von sechs bis sieben Männern habe sich nun in Mönchengladbach angesiedelt. Das Gefährdungspotential der noch aktiven Rocker in der Stadt sei aktuell relativ gering.

Gewalttätige Mitglieder sind abgezogen

Die Bandidos, die mit ihrem Chapter „Del Centro“ ab Ende Oktober 2013 in der Stadt Fuß fassen wollten, sind ebenfalls nicht mehr in Oberhausen aktiv. Das Clubheim, im vergangenen Frühjahr in der ehemaligen Disco „Old Xanadu“ in der Nähe des Sterkrader Bahnhofes eröffnet, wurde aufgegeben. „Der Mietvertrag ist nach unserer Kenntnis gekündigt.“ Die Ursache des Brandes im Heim im August 2014 ist noch ungeklärt.

Die Gruppe sei durchaus im Streit auseinandergegangen – auch weil das gemeinsame Clubleben und Motorradfahrten einen unterschiedlichen Wert besaßen, neue Mitglieder aber teils nicht einmal einen Führerschein hatten. „Es gibt eine neue Generation, die in die Clubs drängt, nicht nur in Oberhausen, sondern insgesamt ist das zu beobachten“, beleuchtet Weyer die Hintergründe. Eine Nachwuchsorganisation, die „Chicanos“, ist ebenfalls nicht mehr in Oberhausen aktiv.

Die „United Tribuns“, ursprünglich in Baden-Württemberg beheimatet, hatten zwischenzeitlich ebenfalls versucht, in Oberhausen eine Organisationsstruktur aufzubauen. „Inzwischen kann man von einem kompletten Rückzug sprechen. Die Mitglieder hatten hier keine Wurzeln, kaum einer lebte in der Stadt.“ Aus Duisburg und Oberhausen seien die Tribuns derzeit nach Bochum weitergezogen, erläutert der Kommissariatsleiter.

Schwerpunktkontrollen und Führerscheinentzug

„Durch unterschiedliche Maßnahmen haben wir diesen Status erreicht.“ So habe die Polizei mit mehreren Schwerpunktkontrollen in und an der Flaßhofstraße sowie bei den damaligen Clubräumen Präsenz gezeigt – das ständige „auf die Finger klopfen“ habe Wirkung gezeigt. Ein weiterer Weg, den Motorradclubs zu begegnen, sei ein Entzug des Führerscheins. „Das ist verwaltungsrechtlich abgesichert. Wer durch Straftaten auffällt und dadurch eine gewisse Aggressivität aufzeigt, der kann seine Fahrerlaubnis verlieren.“ Diese zurück zu erhalten sei schwierig – und kostenintensiv. „Das tut denen weh“, weiß Weyer. Zuletzt wurde bei einem Café, beziehungsweise Internetcafé, das den „Hellgates“ zugerechnet wird, festgestellt, das die betreffenden Räumlichkeiten noch als Wohnraum ausgewiesen waren.

Dennoch dürfe man mit polizeilichen und ordnungsrechtlichen Aktionen nicht nachlassen, so Weyer. „Auch wenn es zu den aktuellen Vorkommnissen in Düsseldorf keine Verbindung gibt, konnte man zuletzt sehen, wie schnell Unbeteiligte zu Schaden kommen könnten.“