Polizei ermittelt nach Unfall gegen Karussell-Betreiber

Am "Love Express" fehlten Sicherungen für Bolzen, so konnten sich Teile lösen. "Der Fehler geschah beim Aufbau", sagt die Polizei.
Am "Love Express" fehlten Sicherungen für Bolzen, so konnten sich Teile lösen. "Der Fehler geschah beim Aufbau", sagt die Polizei.
Foto: Kerstin Bögeholz/Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Menschliches Versagen ist für den Unfall auf der Fronleichnamskirmes verantwortlich. "Der Fehler geschah beim Aufbau", sagt die Polizei.

Oberhausen.. Ein fehlerhafter Aufbau des „Love Express“ ist die Ursache für den schweren Unfall auf der Fronleichnamskirmes in Sterkrade am Samstag, bei dem vier Personen schwer verletzt wurden. Sie werden weiter behandelt, genaue Informationen erteilen die Krankenhäuser nicht.

„Es gab keine Hinweise auf ein technisches Versagen, der Fehler geschah beim Aufbau“, sagt Polizeisprecher Andreas Wilming-Weber. Demnach sollen Splinte nicht montiert worden sein, die normalerweise als Sicherheitsverschluss der verbauten Bolzen dienen. Diese haben sich durch die vibrierenden Bewegungen des Berg-und-Tal-Karussells schließlich gelöst. Metallstangen sind danach auf die Fahrgäste gestürzt, berichtet der Polizeisprecher.

Polizei befragt weitere Zeugen

Ob sich auch fremde Personen an den Splinten zu schaffen gemacht haben könnten, dazu wollte sich Wilming-Weber aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht äußern.

Kirmes-Unfall Auch zum genauen Ort des Unglücks innerhalb des Karussells macht die Polizei keine Angaben. In den nächsten Tagen verhören die Beamten weiterhin Augenzeugen. Die Untersuchungen auf dem Fahrgeschäft beendete die Polizei dagegen bereits am späten Sonntagabend. Sie ermittelt nun wegen eines Körperverletzungsdelikts.

Schausteller zeigen sich tief betroffen

Viele Schausteller der Sterkrader Kirmes äußerten sich nach dem Unfall tief betroffen und sendeten Genesungswünsche an die drei verletzten Frauen und den einen Mann, die aus Essen und Oberhausen stammen. Selbst erfahrene Karussellbesitzer konnten sich an keinen vergleichbaren Unfall während der Traditionskirmes erinnern, zu der jedes Jahr rund eine Million Besucher pilgern.

Unfall Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbundes, äußerte sich betroffen, sieht aber keine Notwendigkeit, die bestehenden Regeln in der Branche zu verschärfen. „Wir haben in Deutschland die höchsten Sicherheitsstandards der Welt“, sagt er. Diese seien „absolut ausreichend“. Den Betreiber des Fahrgeschäfts, einen Duisburger Unternehmer, kenne er persönlich. Ihm sei nicht bekannt, dass es in der Vergangenheit bereits Unfälle auf dessen Anlagen gegeben habe. „Sollte sich herausstellen, dass es ein Betreiberfehler war, ist das ein Fall für die Justiz“, sagt der Präsident der Deutschen Schausteller.

Fronleichnamskirmes wird am Dienstag abgebaut

Am Samstag sperrte die Polizei die Fronleichnamskirmes unmittelbar nach dem Unfall gegen 21.45 Uhr zwischen Brandenburger Straße und Finanzstraße ab. Diese Sperre wurde am Sonntag wieder aufgehoben. Nach Abschluss der Ermittlungen vor Ort ist auch der Sichtschutz vor dem „Love Express“ wieder verschwunden. Das Karussell soll regulär, wie die anderen Fahrgeschäfte auch, im Laufe des Dienstags abgebaut werden.