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Pinguine und Amazonentanz

06.08.2008 | 18:52 Uhr

KUNST. Die neue Ausstellung des Atelierhauses Ludwigstraße hat viele Facetten. Von Fotografien über Tierbilder bis hin zu reinen Farblandschaften ist alles dabei. Diskussionen sind erwünscht.

Nebeneinander stehen sie, gemalt in eine dunkle, karge Landschaft: Pinguine und ihr Lebensraum faszinieren Brigitte Münch. Sie ist eine der sechs Künstlerinnen und Künstler des Atelierhauses auf der Ludwigstraße. Sie und ihre Kollegen Guido Berndsen, Christian Ermke, Jeremy Do Etse, Jens Jakob und Petra Leipold stellen ihre neusten Werke am kommenden Samstag, 9. August, auf ihrem Atelierfest vor.

Im farblichen Kontrast zu den "dunklen Pinguinen" stehen ihre "lesenden Frauen". Die mit Acrylfarbe und Kohle gemalten Bilder stehen für Lesevergnügen, aber auch für Zurückgezogenheit: "Gerade das ist es doch, was Kunst will. Man soll sich Zeit nehmen und auf das Bild einlassen."

Blut, Alkohol und verwischte Schminke

Kleiner Schockeffekt: Mit Blut, Alkohol und verwischter Schminke spricht Christian Ermke mit seinen Fotografien der Serie "Endstation Catwalk" Tabuthemen an. Ermek will verdeutlichen, dass der Laufsteg (Catwalk) nicht nur Aufstieg, sondern auch manchmal Abstieg bedeuten kann. Auch die Bilder der jungen Geisha mit Schwert und rotem Kimono gehören zu einer seiner neuen Arbeiten: "Die Geisha-Serie reizt mich besonders. Ich habe diese Kultur gewählt, weil sie für Tradition und unfreies Denken steht."

Formlos und frei wirken dagegen die Gemälde von Guido Berndsen, bei denen Farbe im Mittelpunkt steht. Die Lack- und Acrylarbeiten lassen viel Raum für Interpretation; auf lenkende und begrenzende Linien und Formen hat der Künstler bewusst verzichtet wurde.

Ganz anders die farbenfrohen Werke von Jeremy Do Etse: In kräftigem Rot, Blau und Gelb leuchten seine Bilder. "Die Farben und Formen meiner afrikanischen Heimat Togo prägen meine Bilder. Wichtig ist für mich der Mensch und die Gemeinschaft."

Der Mensch ist auch zentrales Element der Kunst von Petra Leipold (Pele). Ihre graphischen Figuren (genannt Memory-Icons) und Muster aus verschiedenen Epochen und Kulturen werden in einen literarischen Kontext eingebunden: "Mit Hilfe von Hermann Hesses Texten stelle ich mit meinen Werken einen bestimmten Charakter oder ein bestimmtes Lebensgefühl dar."

Lebendig werden auch weggeworfene, alte oder zerbrochene Gegenstände in den Kunstwerken von Jens Jakob. Der Ingenieur verbindet seine Fundstücke aus Holz und Metall gerne unter dem Aspekt der Gegensätzlichkeit. "Manchmal reicht ein Teil, das ich auf einer Baustelle gefunden habe, um ein neues Ganzes zu schaffen."

In der Ausstellung liest ab 21 Uhr Gastkünstlerin Birgit Fiolka aus ihrem Roman "Die Amazonentocher". Ein mystischer Waffentanz einer "Amazonen-Tänzerin" mit Säbeln und Spießen begleitet die Lesung.

Das Fest "Kunst und Gegrilltes 4" im Atelierhaus, Ludwigstraße 20, beginnt am Samstag um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Info: Tel: 980 63 43.

JANA KNIGGE

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