Pflegenoten: Änderung erwünscht

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Auf Vorschlag des Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Staatssekretär Karl-Josef Laumann (CDU), soll die Veröffentlichung der sogenannten Pflegenoten ab Januar 2016 ausgesetzt werden. Bis zum Jahr 2018 soll dann ein Expertengremium aus Vertretern von Pflegeinstitutionen und Patientenorganisationen ein neues Bewertungssystem erarbeiten. Das bestehende System war wegen seiner mangelnden Aussagekraft durch zu positive Noten in die Kritik geraten. Auch in Oberhausen hatten die ansässigen Dienste und Einrichtungen in der Vergangenheit fast ausschließlich eine sehr gute Bewertung erhalten. Dabei geben aber nicht immer nur tatsächliche Spitzenleistungen Anlass für eine positive Benotung, sondern vor allem die unausgeglichene Gewichtung einzelner Kriterien: Bisher konnten Nachteile in der Pflege etwa durch eine gute Ausstattung ausgeglichen werden.

Bei der Katholisches Klinikum Oberhausen GmbH, die drei Pflegeheime und einen ambulanten Pflegedienst im Stadtgebiet betreibt, sieht man die Änderungen positiv. „Der Schritt ist vollkommen richtig“, sagt Petra Stecker, Gesamtleiterin der stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen der KKO, und schiebt direkt nach: „Eine flächendeckend sehr gute Note kann einfach nicht stimmen.“ Generell ist für sie vor allem die Ergebnisqualität wichtig, also die nachweisbar positive Wirkung der Pflegedienstleitung auf die Patienten. Die Gefahr eines Qualitätsverlustes durch das vorläufige Ende der Noten sieht Stecker indes nicht: „Die regelmäßigen MDK-Prüfungen finden ja auch nach der Aussetzung der Pflegenoten weiterhin statt“, beruhigt die Gesamtleiterin.

Auch bei der Haus Abendfrieden gGmbH begrüßt man den Schritt, das bisherige System aufzugeben. „Der Grundgedanke der Pflegenoten war gut, aber die Umsetzung hat sich selbst überholt“, sagt Abendfrieden-Geschäftsführer Josef G. Bergmann, der sich durch die bisherigen Bewertungsergebnisse der Bewerber auf dem Gesamtmarkt auch immer einem generellen Vertrauensverlust ausgesetzt sah: „Wenn in einer Schulklasse ausnahmslos alle Kinder mit einer Eins benotet werden, dann würde man als neutraler Beobachter doch auch sofort misstrauisch werden, ob da alles mit rechten Dingen zugeht.“ Für sein Haus erhofft sich Bergmann durch die Neuregelung nun eine Verbesserung der allgemeinen Situation: „Hoffentlich gelingt endlich der Schritt zu einer realistischen, weil menschlichen Bewertung. Ich bin überzeugt, dass unsere Einrichtung davon profitieren wird.“

Albert Karschti vom Oberhausener Arbeitskreis Patientenschutz hält von einem Bewertungssystem generell eher wenig. Seiner Meinung nach ist ein grundlegendes Umdenken erforderlich, das die Humanität über die wirtschaftlichen Interessen in der Pflege stellt. „Die Neufassung ist ein guter Ansatz, täuscht aber eigentlich nur über das grundlegende Problem hinweg, welches in der Pflegeindustrie besteht“, sagt Karschti und ergänzt: „Würde endlich flächendeckend der herrschende Personalmangel in der Pflege behoben werden, so wären die Pflegenoten schon bald überflüssig.“ Beim Kreisverband Rhein-Ruhr des Sozialverbandes VdK, steht man dem Vorstoß ebenfalls mit Skepsis gegenüber. Dort prüft man derzeit mögliche Szenarien im Zusammenhang mit der Neuregelung. Aus diesem Grund war man beim VdK-Kreisverband auch noch zu keiner ausführlichen Stellungnahme bereit, wie der Vorsitzende Roland Kaiser erklärt: „Auch wenn wir eine Änderung generell begrüßen, wird mit unserem Landesverband aktuell noch ausführlich über die möglichen Auswirkungen dieses noch sehr abstrakten Vorschlages diskutiert.“