Orientbar der Grautöne
30.10.2009 | 18:49 Uhr 2009-10-30T18:49:00+0100Mohammad-Ali Behboudi und Autorin Siba Shakib nutzen die Reihe Orientbar für ein Plädoyer gegen eine Schwarz-Weiß-Sicht des Irans.
Unsere Medienwelt ist bisweilen grausam. Kaum sind die Bilder der grün gewandeten iranischen Demonstranten verschwunden, haben sich auch in den Köpfen neue Krisen nach vorn geschoben. Das ist fatal, sagt Siba Shakib, denn der Blick der Weltöffentlichkeit gibt Schutz. Nur wenige Besucher hörten am Donnerstag in der „bar”, was die Autorin und der Oberhausener Schauspieler Mohammad-Ali Behboudi über ihre gemeinsame Heimat zu sagen hatten.
Selbst wenn mehr Gäste gekommen wären – Behboudi hätte sicher trotzdem jedem persönlich Tee angeboten. Die „bar” des Theaters machte er an diesem Abend gewissermaßen zu seinem Wohnzimmer, die Begegnung mit Siba Shakib war ihm eine Herzenssache. Die Idee zu dem Auftritt im Rahmen der Reihe „orientbar” entstand während eines Krankenhausaufenthalts, erzählt Behboudi. Sich von einer Knieoperation erholend, las er Shakibs jüngstes Buch „Eskandar” – und roch statt steriler Laken plötzlich Heimat.
In dem Buch erzählt die Autorin von „Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen” ein Jahrhundert iranischer Historie entlang dem Leben des Jungen Eskandar.
Multimedial und gemütlich
Vorgetragene Passagen wurden Teil dessen, was Behboudi als gemütlichen Multimedia-Abend angelegt hatte – in heimeliger Korbstuhlrunde auf Teppich ließ er seine Schauspiel-Kollegen Elisabeth Kopp und Hartmut Stahnke Artikel zu Politik und Geschichte der Republik lesen, zeigte ausgewählte Fernsehbeiträge.
Vor allem ermunterte Behboudi, dem die westliche Wahrnehmung des Iran „selektiv” erscheint, zum Denken in Grautönen. Wie böse ist Ahmadinedschad wirklich? Wie oppositionell Mussawi? Und warum sind die beiden dort, wo sie jetzt sind? Großer Applaus, als der „Gastgeber” sich schließlich zu Otto Beatus ans Klavier gesellt und auf Persisch das bewegende letzte Liebeslied eines politischen Gefangenen intoniert.
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Nächster Termin: 5. November
Dieses war das zweite Treffen in der „Orientbar”, das dritte folgt bereits am kommenden Donnerstag, 5. November, um 20 Uhr. Raci Helvali, deutsch-türkischer Lyriker aus Oberhausen, moderiert den Abend unter dem Titel „Eine Reise: Omar Khayyam”. Gemeinsam mit dem Künstler Aydin Karahasan und Jugendlichen der alevitischen Gemeinde illustriert er die Blüte persischer Lyrik bis ins Hier und Heute. Der titelgebende Omar Khayyam lebte vor tausend Jahren, er war ein persischer Mathematiker und Astronom, Philosoph und Dichter. Eintritt: 6 Euro.

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