Oranje lecker für die Region
30.09.2008 | 19:51 Uhr 2008-09-30T19:51:00+0200Im „Klein Venlo” an der Virchowstraße verkauft eine Ur-Oberhausener Familie holländische Lebensmittel. Frikandellen, Vla, Kibbeling und Brot sind die Renner. Selbst die dubiosen Bitterballen haben ihre Fangemeinde.
„Viele haben ja kein Geld mehr, um nach Holland zu fahren und Lebensmittel einzukaufen. Also bringen wir Holland nach Oberhausen.” Das heißt Frikandel und die typische Fritensaus nebst CurryKetchup, Lakritz, unglaublich süße Kekse, Bitterballen, Kipnuggets, Kibbeling oder Kipsate, natürlich Käse und Wurst und Chocomel. Virchowstraße 7, „Klein Venlo”, holländische Lebensmittel. Heute jährt sich zum ersten Mal der Tag, seit die Ur-Oberhausener Familie Jarczewski den Kunden verkauft, wofür diese sonst über die Grenze mussten. Eigentlich hatte Vater Rüdiger die Idee für seinen Sohn Kevin, der mit dem erlernten Beruf in der Holzverarbeitung wenig glücklich war. Also war der Filius nach der absolvierten Ausbildung mit 19 als Lebensmittelhändler selbstständig, verkaufte zunächst rund neun Monate lang an der Mülheimer Straße 330 all das, was die Oranjes den Moffen so an Gourmetfreuden bescheren. Seit drei Monaten kommen Kunden sogar aus Gelsenkirchen, Essen, Mülheim, Duisburg oder Bottrop, um nur einige Städte aus der Region zu nennen, zur Virchowstraße. Sogar nach Afrika wird geliefert. Mit Ausnahme einiger Getränke und Sachartikel gibt es aber auch ausschließlich holländische Ware. Sie wird nicht in Venlo eingekauft, sondern in Winterswijk. „Venlo ist viel zu teuer, wir sind teilweise billiger als die Discounter hier”, sagt Rüdiger Jarczewski, der mit seiner Frau Klaudia einmal wöchentlich für Kevin den Einkauf macht. Der Filius hat noch keinen Führerschein. Auch im Laden helfen der Bauarbeiter und die Pflegehelferin in einer Wohngruppe von Demenzkranken dem Sohn. Ab neun Uhr wird verkauft, bis 19 Uhr abends, samstags bis 16 Uhr. Mit dem Umsatz sind sie zufrieden: „Der Laden läuft gut.” Der absolute Renner sind natürlich Frikandel, „die sind zum Wochenende komplett weg”, für die vielen Muslime in der Kundschaft übrigens auch aus Geflügel. Auch die vielen Sorten Fla, vor allem Dubbelfla, ergießen sich förmlich über die Ladentheke. Kaum minder gefragt ist das Brot, das einmal wöchentlich frisch gekauft wird. „Wir verkaufen es aber maximal vier Tage, dann wird es verschenkt.” Und erreichen Lebensmittel das Verfallsdatum, kommen sie bei Jarczewskis privat auf den Tisch. Ob Kevin dann noch zugreift? Mehr als die Hälfte der rund 1500 Artikel im Laden hat er eh schon gekostet, meist zigfach.

00:30
Und Genever? Sag an!