Opfer der Messerstecherei gehörte Rockern an

Bei einer Bluttat in der Silvesternacht in Oberhausen stammt mindestens eines der beiden lebensgefährlich verletzten Opfer aus dem Umfeld der Rockergruppe Hells Angels. Es gebe Erkenntnisse, wonach der durch Messerstiche schwer verletzte Mann zumindest früher der Gruppe angehörte, sagte ein Polizeisprecher in Essen gestern. Die Polizei schließt einen Mordversuch nicht aus.

Allerdings sind die Hintergründe der Messerstecherei, bei der in der Silvesternacht zwei Männer in einer Gaststätte an der Nohlstraße lebensgefährlich verletzt wurden, nach wie vor nicht geklärt, sagt die Polizei. Die WAZ erfuhr jedoch aus gut unterrichteten Kreisen, dass die Ursache des blutigen Konfliktes der Streit um eine Frau gewesen sein soll. Eine reine Privatgeschichte also, kein Rockerkrieg.

Der Essener Polizeisprecher Peter Elke bestätigt dann auch: „Es handelt sich nicht um eine Auseinandersetzung im Rockermilieu.“ Statt dessen seien Männer mit türkischem und Männer mit albanischem Hintergrund in Streit geraten. Einer der Männer aus dem türkischen Lager sei ein Hells Angel. Der Hells Angel und einer seiner Kumpel seien durch vielfache Messerstiche lebensgefährlich verletzt worden, mittlerweile jedoch außer Lebensgefahr.

Bislang gebe es keine Hinweise darauf, dass es sich auch bei dem zweiten Opfer um einen Rocker handele. Auch habe die Polizei keinerlei Erkenntnisse, dass in der Gruppe der Albaner Mitglieder der Straßengang „United Tribuns“ oder einer anderen Rockergruppierung gewesen seien, wie einige Zeitungen berichtet hatten. Die Bild-Zeitung hatte gar mit „Rocker-Alarm nach einer Bluttat in Oberhausen“ getitelt. Nach dieser Schilderung soll der beinahe tödlichen Attacke in Oberhausen ein Streit zwischen einem Hells Angel und einem United Tribun in Düsseldorf vorausgegangen sein. Am Wochenende hätten sich deshalb wieder Hells Angels und United Tribuns am Ausgangsort der Fehde in Düsseldorf gegenübergestanden. Weshalb auch die Polizei mit einem Großaufgebot an Beamten ausgerückt sei. „Wir sind immer bei allen Auseinandersetzungen verschiedener Gruppierungen im Gebiet der Rhein-Ruhr-Schiene besonders aufmerksam“, sagt Elke.

Nach wie vor sucht die Polizei nun nach dem oder den Messerstechern. In Essen wurde deshalb eine Mordkommission eingerichtet. „Wir haben auch Vermutungen und erste Hinweise, worum es bei dem Konflikt gegangen sein könnte,“ sagt Elke vorsichtig. Allerdings sei noch nichts gesichert.

Elke rät den Beteiligten des Konfliktes dringend, sich bei der Polizei zu melden, 0201-829-0. Sie könnten helfen zu klären, wer den Streit überhaupt angefangen habe.

Ganz besonders wichtig könnten Aussagen von Zeugen aber für die Täter sein. „Wenn nachgewiesen werden könnte, dass der Streit plötzlich entbrannt ist und die Tat nicht geplant war, könnte das möglicherweise einen großen Einfluss auf die Bemessung des Strafmaßes haben“, sagt Peter Elke.