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Opa Popolskis Popsongs

07.05.2009 | 16:12 Uhr
Opa Popolskis Popsongs

Eine polnische Familie enttarnt viele Hits als Plagiate und präsentiert die Originalversionen. Der schräge Musikspaß ist am 20. Mai zu sehen.

Info
Achim Hagemann ist Pawel Popolski

Hinter dem Schnauzbart Pawel verbirgt sich kein Geringerer als Achim Hagemann.

Er wuchs mit Hape Kerkeling in Recklinghausen auf, arbeitete bei einigen unvergessenen Produktionen mit ihm. So saß er bei dem unnachahmlichen „Hurz” am Flügel, einer „Komposition”, die gnadenlos eine durch Komponistenwillkür gezeichnete Neue Musik demaskierte. Auch andere Hape-Titel stammen von ihm, etwa „Das ganze Leben ist ein Quiz” oder „Gisela”. Erfolge feiert Hagemann auch als Filmkomponist.

Es liegt hundert Jahre zurück. Kantor Pjotrek Popolski hatte beim Pfarrfest im polnischen Pyskowice 22 Gläser Wodka auf das Wohl der Jungfrau Maria getrunken. Fröhlich singend radelte er im strömenden Regen zurück in seine Heimatstadt Zabrze. Solchermaßen illuminiert und bei bester Laune ersann er eine kleine Melodie, die alsbald zum Gassenhauer von lokaler Berühmtheit avancieren sollte: „Ei dobrze, dobrze dralla”.

Wie jede populäre Musik kommt auch Opa Popolskis Lied mit vier Akkorden aus. Die Musikwissenschaft hat festgestellt: „Die vier Harmonien dieser genialen Komposition lassen sich als Basis von 90% aller internationalen Hits ausmachen”, so ein polnischer Fachmann.

Das Lied gilt heute in Polen nicht nur als erster Popsong der Musikgeschichte, sondern ebenso als Beginn der unglaublichen Geschichte der Familie Popolski.

Denn nicht nur der Pionier-Opa Popolski, der die kaum vorstellbare Zahl von 128 000 Titeln komponierte, war grundmusikalisch, er vererbte sein Talent auch an die folgenden Generationen, namentlich seine Enkelschar: Pawel, Mirek Janusz und Danusz erwiesen sich ebenfalls als geniale Schöpfer zeitloser Musikklassiker.

Schon im zarten Alter von drei Jahren hatten sie ihre Band gegründet, hatten aber im Plattenbau zu laut geübt, sodass sie in einen Schuppen am Rande der Stadt ausweichen mussten.

Der windige Gebrauchtwagenhändler Olek Priszewinski, der in Schuppen-Nähe einen liegengebliebenen Polski-Fiat abschleppte, hörte die Musik und erkannte sofort das Potential der Band.

Bei ein, zwei, dreizehn Glas Wodka versprach er den Jungs eine goldene Zukunft im Westen. Unter dem Vorwand, die nötigen Kontakte zu knüpfen, entführte er zwei Koffer mit den gesamten Aufnahmen der Band, nicht ohne sich vorher von den gutgläubigen Brüdern die Rechte an ihren Werken übertragen zu lassen.

Den Händler sahen die Popolskis nie wieder, aber ihre Melodien tauchten nach und nach in den westlichen Charts auf. Bald machte in Popolskis Heimat der Satz „Dieter Bohlen hat gestohlen alle Hits aus Polen” die Runde. Doch wenn's nur der gewesen wäre. Tony Marschalls Stimmungssong „Schöne Maid” geht auf einen Soulschmelzer von Opa Popolski zurück. Der Beispiele gäbe es hunderte.

Die geprellten Enkel schlagen seit einiger Zeit zurück. „Der Popolski Show” ermöglicht die Begnung mit den Originalversionen der Hits, und sei es denn als Polka, wenn's der Wahrheitsfindung dient.

Neben den genannten Enkeln sind noch weitere Familienmitglieder an der Tour beteiligt: Andrzej Popolski („Der schöne Andrzej”), Isidor „Isi” Popolski, Tomek Popolski („Der Tiger von Zabrze”) und Dorota Popolski („Die rote Dorota”, da weiß man, was Millöckers Lied meint „Der Polin Reiz ist unerreicht”). Weitere Gäste sind Der Zlotty Singers (Popolskis kennen nur den Artikel „der” – trotzdem: „die” älteste Girlgroup der Welt), Der Dobrze Horns (die trinkfreudigste Bläsergruppe der Welt, mit Henjek und Stenjek, den eineiigen Zwillingen) und die Feuerwehrkapelle von Pyskowice.

Zu sehen ist der schräge Spaß am Mittwoch, 20. Mai um 20 Uhr zum wiederholten Male im Zentrum Altenberg.

Hajo Berns

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