Ohrenschmaus und Augenweide
09.05.2010 | 17:40 Uhr 2010-05-09T17:40:00+0200
Es ist schon erstaunlich: Gerade noch saßen die Zuhörer im Theater an der Niebuhrg, im nächsten Augenblick befinden sie sich bereits in Afrika, nur um wenig später im kleinsten Dorf der Niederlande zu landen. Beim „Ohrenschmaus“, der von der Bismarckschule ausgerichteten „internationalen Oberhausener Erzählgala“, nahmen Geschichtenerzähler aus drei Nationen die Zuhörer mit auf Reisen.
Als Susanne Tiggemann, Marco Holmer und Martin Moffor am Freitagabend in der Niebuhrg auftraten, hörten ihnen die Zuschauer mal interessiert, mal amüsiert, in jedem Fall aber mit steigender Begeisterung zu. Von Anfang an bewiesen die Gäste, dass sie es meisterhaft verstehen, ihre Geschichten vorzutragen: Sie erzählten nicht nur, sie spielten. Da verwandelte sich Susanne Tiggemann in eine zeternde Emscher-Nixe, die dem Angler Ernst Koslowski lautstark zu verstehen gab, dass sie keine Lust habe, ihr Leben in seiner Wanne zu fristen.
Armes Fräulein Eberhardt
Trotz verärgerter Nixe gab’s für den Mann aus dem Ruhrpott ein Happy End: „Immerhin hat Ernst Koslowski tatsächlich eine Forelle aus der Emscher geangelt!“ Weniger Glück hatte Fräulein Eber-hardt. Die verschlief nicht nur die Mondlandung, sondern verlor auch noch ihr Herz an den Mann im Mond.
„Ohne Trommel geht es nicht“, verriet Martin Moffor aus Kamerun und begleitete seine Erzählungen immer wieder mit Musik und Gesang. Auch wenn der Erzähler seit Jahren im Schwabenland wohnt, kann er seine Herkunft nicht verleugnen. Wie er zu seiner Hautfarbe gekommen sei? Auch davon wusste Martin Moffor zu erzählen: Als seine Mutter einige Monate nach seiner Geburt Kakao gekocht habe, sei er versehentlich im Topf gelandet. Selbst die Sonne habe die Schokolade, die seinen Körper bedeckte, nicht schmelzen lassen: „Sie hat mich nur noch schöner gemacht.“ Schön anzuhören waren auch seine Geschichten von Tieren und Menschen, die Abenteuer erleben. So konnte Martin Moffor etwa als kecker Affe oder auch als auch bösartiges und leichtgläubiges Krokodil überzeugen.
Auch der Niederländer Marco Holmer, der bereits auf vielen Erzählfestivals zu Gast war, zog die Zuhörer schnell in seinen Bann. Während ihm in Deutschland früher alles fremd vorgekommen sei, sehe er heute kaum noch Unterschiede. Nur mit der Liebe, da sei es so eine Sache: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihr Angela Merkel so liebt wie wir unsere Königin“, sagte Holmer grinsend. Kein Wunder, dass er gleich mehrere Geschichten von Königinnen und deren Ehemännern – nicht selten deutschen Prinzen – mitgebracht hatte. So erzählte er etwa von einem niederländischen König, der aus Langeweile auszog, einen Drachen zu töten, vorher mit dem Ungeheuer aber erst einmal Kaffee trank.
Den Zuhörern gefiel diese Mischung aus Erzählkunst und Schauspiel, aus „Ohrenschmaus“ und „Augenweide“. Sie bedankten sich bei den Erzählern für den unterhaltsamen Abend mit langem Applaus.

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