Ohne Zeitung in Oberhausen hat der Tag keinen Schwung

Große Runde im Konferenzzimmer der WAZ Lokalredaktion Oberhausen: Der neue Leserbeirat hat sich konstituiert
Große Runde im Konferenzzimmer der WAZ Lokalredaktion Oberhausen: Der neue Leserbeirat hat sich konstituiert
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Leserbeiräte lieben ihre WAZ, setzen sich aber auch kritisch damit auseinander. Rund 100 000 Leser werden jeden Tag über mehrere Kanäle erreicht.

Oberhausen.. Die hier im Konferenzraum am Tisch sitzen, sind allesamt Überzeugungstäter. „Wenn ich morgens die WAZ nicht gelesen habe, kommt der Tag nicht richtig in Schwung“, sagt Leserbeirat Reinhard Ziemer. Wenn die Zeitung morgens nicht komme – was selten passiere „wir haben eine Super-Zustellerin“ – dann „ziehe ich ein langes Gesicht“, meint auch Wolfgang Stahlke. So etwas geht der Redaktion natürlich runter wie Öl.

Aber Kritik ist genauso erwünscht, „denn wer sich kritisch mit uns auseinandersetzt, der liest uns auch“, sagt WAZ-Redaktionsleiter Peter Szymaniak. Und darauf kommt es ja schließlich an.

Aber warum lesen dann immer weniger Menschen eine Tageszeitung? „Viele frühstücken morgens gar nicht zu Hause, fahren auf den letzten Drücker zur Arbeit los, die haben keine Zeit, die Zeitung zu lesen“, beschreibt Reinhard Ziemer eine veränderte Lese- und auch Familienkultur. „Die Lehrlinge bei uns im Betrieb lesen keine Tageszeitung“, ergänzt Leserbeirat Frank Hollmann, „dafür schleppen sie Computerzeitschriften an“. Dass immer mehr Mediennutzer ihr Leseverhalten nach Spezialinteressen ausrichten, ist ein tatsächlicher Trend.

Berichte zeigen Wirkung

Zu teuer sei die Zeitung einigen, meint Rita Angenendt, was auch Monika Henrichs bestätigt. Wenn gesagt würde, dass der Preis für die Tageszeitung dem Gegenwert einer Tasse Kaffee entspreche, „dann können sich die, die es betrifft, vielleicht auch diese Tasse nicht mehr leisten oder bezahlen lieber diese, damit sie unter Leute kommen“, sagt Henrichs. Ein gutes Produkt und guter Journalismus habe aber auch seinen Preis, gibt der Redaktionsleiter zu bedenken. Hinter einer Tagesteitung stehe eine große Logistik, Druckereien, Papier, Vertriebswege, Zusteller, Journalisten.

Doch trotz verändertem Leseverhalten: Mit den verschiedenen Kanälen, die die Redaktion Oberhausen mit Artikeln und Bildern beliefert (Print-Ausgabe, Online-Auftritt, Facebook, die WAZ-App oder das WAZ-E-Paper) „erreichen wird rund 100 000 Leute täglich“, sagt Peter Szymaniak.

Und die Berichterstattung zeige Wirkung in vielen Bereichen. „Wir verstehen uns als Debattenzeitung“: Die Lokalredaktion bildet die Meinungen in der Stadt ab, nimmt auch selbst Stellung, aber nicht für sich in Anspruch, die Wahrheit gepachtet zu haben. Und diese Debatte wird jetzt auch intensiv mit dem Leserbeirat geführt.

Die Sicht des Lesers stärken

Zwei Jahre lang wird der neue Leserbeirat die WAZ Lokalredaktion Oberhausen nun begleiten. Das heißt konkret: Einmal im Quartal findet ein Treffen mit den Leserbeiräten statt, bei dem aktuelle Themen im Fokus stehen, aber auch die Zeitung selbst. Aus ihrer Sicht als Leser sollen die Beiräte das Blatt bewerten. Welche Themen fehlen? An welcher Stelle war etwas unverständlich? Wo funktioniert die Gestaltung der Seiten nicht? Dies und noch mehr können die Leserbeiräte ansprechen, sie sollen der Redaktion Tipps geben, mahnen – aber auch ein Lob ist ausdrücklich erlaubt. Alles soll dazu dienen, die Zeitung noch besser und leserfreundlicher zu machen.

Die Leserbeiräte können die Redaktion aber auch jederzeit außerhalb der Treffen ansprechen und Hinweise dazu geben, was in ihrem Stadtteil gerade so los ist. Wir versprechen uns davon einen noch direkteren Draht zu den Lesern und den Menschen in dieser Stadt.

An Redaktionskonferenzen teilnehmen, die so genannte tägliche „Blattkritik“ übernehmen, selbst mal ein begleitetes Interview mit einem Vertreter der Stadt führen und vor allem das Stadtgeschehen aus der Sicht eines Lesers zu kommentieren, all das ist den Leserbeiräten möglich. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit!