Ohne uns geht es nicht!
29.08.2009 | 08:00 Uhr 2009-08-29T08:00:00+0200Ganz schön selbstbewusst feiert die Friedrich-Ebert-Realschule an der Potsdamer Straße ihr 50-jähriges Bestehen
„Bei der gesetzten Dame ist zwar der Putz ein bisschen abgebröckelt, aber sie ist dennoch quicklebendig, farbenfroh und vielseitig”, Erika Ilgen, Rektorin der Friedrich-Ebert-Realschule, hätte die „FER” kaum treffender beschreiben können.
Gestern feierte die Schule ihr 50-jähriges Jubiläum mit einem großen Festakt, aber wichtiger noch: mit vielen überzeugten ehemaligen Schülern und Lehrern. Denn „ohne uns geht es nicht”, betonte Ilgen und gab den Ball an die vielen Engagierten zurück, die der Schule auch nach ihrer Zeit am FER die Treue halten wie etwa der frühere Schüler Tobias Fleckner, der inzwischen nicht nur Bundeswehrkoch ist und im letzten Jahr Gold auf der Koch-Olympiade holte. Er gestaltete nun mit anderen das Festbuffet. „Viele unserer Schüler sind nun in verantwortlichen Positionen”, betont die Rektorin und die Bilanz der FER kann sich sehen lassen: Keiner ging in diesem Jahr ohne Abschluss von der Schule und 50 Prozent qualifizierten sich für das Gymnasium – „das nennen wir Bildungsgerechtigkeit”, lobte Ilgen.
Die 1000-Schüler-Marke knackte
Vor 50 Jahren startete die Realschule mit rund 500 Schülern und Geschlechtertrennung in den Klassen. Daran erinnert sich auch die ehemalige Lehrerin Dorothea Schröder und meint mit ein wenig Selbstironie: „Ich gehöre zum Inventar der Schule”. Erlebt hat sie, die 1965 von Köln an das wohl nördlichste Ende des Rheinlands versetzt wurde, alles: Die Kostümchen-Phase in den 1960er Jahren, als die Lehrer noch nicht so gekleidet waren wie die Schüler. Die anti-autoritäre Phase des folgenden Jahrzehnts, als die Realschule sich auch zum koedukativen Unterricht bekannte und am Ende der 70er Jahre schließlich die magische 1000-Schüler-Marke knackte.
Damals, am Anfang, war ihr die Revierstadt noch zu laut, zu muffig und zu schmutzig – die offene Art und Herzlichkeit der Menschen muss sie aber überzeugt haben, denn versetzen ließ sie sich nie.
Eine Liebesbeziehung
„The first cut is the deepest”, besingt die Lehrerband zwischen den Reden, glasige gerührt-gerötete Augen sieht man im Publikum – ein bisschen schnulzig ist die Liebesbeziehung zu der rüstigen Fünfzigerin ja schon. Und da ist es gut, dass die Schüler es lieber Krachen ließen: „Hier herrscht Chaos, und Disziplinlosigkeit – ein Alptraum! Wie soll aus diesen Kindern verantwortungsvolle Erwachsene werden?”, tadelte Megan Wagner (9b) in der Rolle des strengen Direktors. Alles nur gespielt, natürlich.
Die Unterstufe erschütterte den Saal mit dem Versprechen „We will rock you” und die Tanz-Gruppe zeigte, was in 50 Jahren außer Erziehung noch musikalisch passierte. Das letzte Wort hatte aber die Band mit dem Song, der die Taschentuch-Industrie wohl reich gemacht hat: „One”.

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