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ÖPNV in Oberhausen - Bald muss man öfter umsteigen

30.05.2011 | 14:55 Uhr
ÖPNV in Oberhausen - Bald muss man öfter umsteigen
Die Fahrpläne der Busse ändern sich. Foto: Hayrettin Özcan

Oberhausen.   Busse fahren in Zukunft immer pünktlich, die kräftigen Einsparungen im Liniennetz führen zu einem besseren Angebot des ÖPNV – für das städtische Nahverkehrsunternehmen Stoag beginnt im Juni der Countdown zur Quadratur des Kreises.

Die Busse fahren in Zukunft immer pünktlich, die kräftigen Einsparungen im Liniennetz führen zu einem besseren Angebot des öffentlichen Nahverkehrs  – für das städtische Nahverkehrsunternehmen Stoag beginnt im Juni der Countdown zur Quadratur des Kreises, möchten zumindest die Stoag-Verantwortlichen allen glauben machen. Mal sehen, wie es am Ende in der Praxis wirklich läuft.

Schon ab dem 12. Juni muss die Stoag erstens den politischen Auftrag erfüllen, über 800.000 Euro an Einsparungen zur Haushaltskonsolidierung beizutragen und dennoch den Oberhausenern ein attraktives Bussystem zu bieten. Zweitens gibt die Stoag am 12. Juni auch noch den Startschuss für mehr Pünktlichkeit: Hat ein Bus mehr als zehn Minuten Verspätung, sollen sogar Abonnenten das Fahrgeld in Höhe eines Einzeltickets (2,30 Euro) zurückbekommen, wenn sie sich bei der Stoag beschweren.

Unkompliziert will die Stoag die Beschwerden und Rückzahlungen abwickeln – im Abo-Fall über das Internet, bei Einzelfahrten über die Servicestelle vor Ort. Das soll Kunden zufrieden stimmen. Mit hohen Verlusten aufgrund eventuell zahlreicher Beanstandungen rechnet Vorstand Werner Overkamp nicht: „Wir sind eigentlich selten unpünktlich“, sagt er ein wenig augenzwinkernd. In Krefeld habe man das Pünktlichkeitsversprechen bereits eingeführt, mit guter Resonanz.

Viel umgestrickt

Die Stoag sieht dabei die Chance, mit diesem Bonbon das neue ausgedünnte Netz versüßen zu können. Das Unternehmen bewirbt die Änderungen bald mit viel Informationsaufwand und einer Plakat-Kampagne: So sei der „coole“ Sommerausflug zum Kanal auch künftig mit der Linie 957 möglich, verspricht ein jugendliches Pärchen, ebenso wie es mit der 961 nach wie vor zur Kultur geht – sagt ein älteres Paar vor der Kulisse der Antony-Hütte.

Doch die Stoag musste am Netz nicht wenig umstricken: An 400 Stellen der etwa 700 Haltepunkte in der Stadt werden derzeit die Köpfe ausgetauscht, denn die vertrauten Linien wechseln und erweitern zum Teil ihre Wege und Halteorte. So wird die Linie SB 96 durch die SB 90 ersetzt, die 976 ersetzt die 952. Die 954 und 958 fahren dagegen die Haltestellen der 987 an.

Nur wenige profitieren

Dazu hat man die Taktzeiten herunter geschraubt, der 10-Minuten-Takt bleibt nur bei der SB91 und der Straßenbahnlinie 112 originär erhalten. Trotzdem kommt auch noch auf den Strecken alle zehn Minuten ein Bus, die von vielen Linien abgefahren werden (etwa Hauptbahnhof – Sterkrader Bahnhof); der Fahrplan der verschiedenen Linien wurde entsprechend kombiniert.

Man wird aber künftig öfter umsteigen müssen, räumt die Stoag ein, allerdings würden „in Einzelfällen“, manche Fahrgäste von der Umgestaltung sogar profitieren, heißt es in der Kundenzeitschrift. Auch das alte Nachtnetz hat Einschnitte erfahren. Auf einigen Linien entfallen die Fahrten nach 1.30 Uhr.

Bis zum 12. Juni müssen 3.500 Fahrpläne an den Haltestellen ausgetauscht werden - dies erfolgt jetzt bereits schrittweise (siehe Artikel rechts). Um festzustellen, wie weit man von den Änderungen betroffen ist, sollte man nun also Strecken genau studieren. 30.000 Stadtfahr-, 69.000 Pocketpläne liegen demnächst für das Studium aus, 5.000 Traubenzucker verteilt die Stoag außerdem. Nervennahrung gegen möglichen Ärger.

Die Bus-Schule

Verwirrung

Die Umstellung der Stoag-Fahrpläne zum 12. Juni sorgt schon jetzt für Verwirrung bei manchen Kunden. So wollte ein 70-jähriger Rentner wie gewohnt von einer Haltestelle an der Ruprechtstraße mit der Linie 958 zur Stadtmitte fahren. „Aber auf dem Fahrplan an der Haltestelle stand der 958er gar nicht mehr darauf“, wunderte sich der Mann.

Er fragte den Fahrer eines anderen Busses. Der wusste auch von nichts, verwies den Fahrgast an die Stoag. „Ich habe mich dann an der Haltestelle auf die Bank gesetzt und gewartet“, sagt der Rentner. Nach 40 Minuten sei sein Bus, der 958er, dann doch noch gekommen. „Obwohl er doch gar nicht mehr auf dem Fahrplan stand“, staunte der Mann.

Sabine Müller, Sprecherin der Stoag, hat eine Erklärung für das wundersame Verschwinden der Linie 958 vom Fahrplan. „Wir müssen 3.500 Fahrpläne austauschen“, sagt sie mit Blick auf den Stichtag, eben den 12. Juni. Eine so große Tauschaktion sei nicht in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zu verwirklichen. Deshalb hätte die Stoag bereits jetzt damit begonnen, die Fahrpläne auszuwechseln. Auf diesen sei allerdings vermerkt, dass sie erst ab 12. Juni gelten würden. Doch manche Kunden übersähen dies. Müller räumt ein: „Für die Kunden ist es unschön, wenn sie so lange warten müssen und das in der Ungewissheit, kommt mein Bus oder nicht.“ Im Prinzip hätte die Stoag dieses Problem jedes Jahr vor dem Fahrplanwechsel. In diesem Jahr gebe es allerdings besonders viele Änderungen.

Dennis Vollmer

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Kommentare
31.05.2011
21:16
ÖPNV in Oberhausen - Bald muss man öfter umsteigen
von Fassblender | #7

„Wir sind eigentlich selten unpünktlich“
Das ist der beste Spruch. Die Erfahrung lehrt aber das angekündigte Busse und Bahnen auch schon mal kommentarlos einfach nicht kommen. Genial.

31.05.2011
11:47
ÖPNV in Oberhausen - Bald muss man öfter umsteigen
von Charlie84 | #6

Erstaunlich ist, dass ich in Oberhausen beinahe so viel für eine Fahrt zahle wie es in Hamburg der Fall ist, wo ich alle 5 MInuten den Schnellbus oder die U-Bahn kriege. Mal gucken:

Stoag:

Busse: 131
Bahnen: 6


Hochbahn:
Busse: 787
Bahnen: 214

Das mit der Fahrpreiserstattung werde ich jeden Tag in Anspruch nehmen und WETTEN! die Stoag findet immer neue Ausflüchte?

31.05.2011
08:43
ÖPNV in Oberhausen - Bald muss man öfter umsteigen
von SOLO | #5

Man verschlechtert das Angebot (obwohl man es als verbssserung verkaufen will) und wundert sich, dass die Leute nicht mehr mit dem Bus fahren? Das ist die falsche Art zu sparen. In jeder Branche ist man bemüht, die Leistungen und das Angebot zu verbessern. Nur nicht beim ÖPNV und der STOAG. Woanders gehen die Kunden dann zur Konkurrenz. Die ist bei der STOAG leider nur im Individualverkehr zu sehen. Man spart sich kaputt, zumindest was die Serviceleistungen für die Kunden betrifft. An anderen Stellen wird erst gar nicht gespart (wie überall). Durch eine STOAG-Tribüne im Stadion wird die STOAG nicht einen Kunden dazugewinnen. Dieses Geld könnte man sich wirklich sparen. Da die STOAG keine direkte Konkurrenz hat, außer das Auto, braucht sie eigentlich auch nicht soviel Werbung machen. Dieses Geld könnte man in ein besseres Angebot investieren. In anderen großen Städten sieht man auch keine Werbung für ein Unternehmen des ÖPNV. Die überzeugen durch Leistung. Ich denke da an London, Paris und NY (nicht mit Obehausen zu vergleichen, ich weiß). Dort hat die U-Bahn keine Werbung nötig. Die STOAG hingegen versucht ihr immer schlechter werdendes Angebot mit tollen Werbekampanen lobzupreisen.
Die Verantwortlichen bei der STOAG denken zu kurzfristig. Durch den Macher, Herrn Drescher, hat es vor eingen Jahren eine neue STOAG mit vielen Verbesserungen gegeben. Mit Herrn Wehling wurde alles viel schlechter und Oberhausen verfällt in Tiefschlaf. Vielleicht sollte man mal aufwachen als jeden Tag irgendwelche Blumen im Alterheim zu überreichen.

30.05.2011
19:01
ÖPNV in Oberhausen - Bald muss man öfter umsteigen
von Revenge | #4

@Lobotomie
Dem Artikel kann ich es nicht entnehmen, gibts da eine andere Quelle zum Thema Nachtexpress?
Denn sonst ist es nichts neues, da die meisten NEs an Werktagen nur bis 1:30 fahren.

30.05.2011
18:44
ÖPNV in Oberhausen - Bald muss man öfter umsteigen
von Lobotomie_auf_Kassenrezept | #3

@ Revenge

Der Wegfall nach 1:00 Uhr betrifft nur die Werktage in der Woche. Am WE bleibt alles beim Alten, also durchgängiger Verkehr bis 9:00 Uhr.
Man kann eigentlich nur relativieren, um für Oberhausens ÖPNV nicht ganz so schwarz zu sehen. In Duisburg werden die Bushaltestellen z.B. schon um 23:00 Uhr hochgeklappt. Und am Wochenende ist mit NE schon um 2.45 Uhr Feierabend. Dann heißt es bis 5:00 Uhr warten oder Taxi nehmen (Taxikosten Dbg.-Hbf - Walsum Rathaus: € 24.-).

30.05.2011
17:45
ÖPNV in Oberhausen - Bald muss man öfter umsteigen
von Revenge | #2

Es kann nicht sein, dass wir immer weiter zurückkatapultiert werden. Wir hatten vor einigen Jahren mal ein besseres Netz als Beispielsweise in Düsseldorf.
Und das allerdreisteste ist, dass die ganze Sache auch noch mit Fortschritt beworben wird. Genau so wie bei den Nachtexpress-Einsparungen im letzten Jahr, was ja dann zum Glück wieder geändert wurde.

Für Nachtschwärmer wird es bei wegfallenden NE-Linien ab 1:30 Uhr auch jedes Wochenende teuer, da man sich ein Taxi nehmen muss.

Seit etlichen Jahren nichts Positives von der Stoag. Ich bin schonwieder geladen. Soeine Rückverdummung!

30.05.2011
17:06
ÖPNV in Oberhausen - Bald muss man öfter umsteigen
von Lobotomie_auf_Kassenrezept | #1

Bei allem Verständnis für die Sparnöte der StOAG, aber der druckfrische neue Fahrplan versetzt mich stellenweise doch sehr in Erstaunen.
Ich halte zwar nicht viel von der nostalgischen Redensart, daß früher alles besser war. Aber ich habe dennoch einmal den neuen Fahrplan mit dem von 1980/81 verglichen.
Ein haarsträubendes Beispiel betreffend der Hauptachse Holten Markt - Oberhausen Hbf sei hier angeführt:

2011/12:
Schnell(!)busLinie SB 90 Mo.-Fr. ab Holten Markt: 7:37 Uhr
Oberhausen Hbf an 8:14 Uhr
== Dauer: 37 min; Taktung: alle 20 min

1980/81:
Omnibus Linie 950 Mo.-Fr. ab Holten Markt: 7:36 Uhr
Oberhausen Hbf. an: 8:08 Uhr
== Dauer: 32 min; Taktung: alle 10 min

Es ergibt sich also trotz ÖPNV-Trasse eine um 5 min längere Fahrtdauer sowie eine halbierte Taktung gegenüber 1980.
Irgend etwas kann an dem neuen Fahrplankonzept doch nicht so ganz stimmen...

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