Oberhausenerin ist noch immer voller Bewegungsdrang

Gertrud Illerich-Tourneur stößt auf ihren 100. Geburtstag an
Gertrud Illerich-Tourneur stößt auf ihren 100. Geburtstag an
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
In Haus Abendfrieden vollendete Gertrud Illerich-Tourneur am Neujahrstag ihr 100. Lebensjahr. Abgesehen von ihrer Schwerhörigkeit erfreut sich die alte Dame bester Gesundheit.

Oberhausen.. So wie Gertrud Illerich-Tourneur möchte wohl jeder gern 100 Jahre alt werden. Einzig die Schwerhörigkeit plagt sie in ihrem hohen Alter. Ansonsten kann die alte Dame noch rege am Leben teilnehmen. Sie ist noch gut zu Fuß. Und ihre Sehkraft ist auch ungebrochen, so dass die tägliche Lektüre der Tageszeitung für sie Pflicht ist.

In ihrem kleinen Apartment im Haus Abendfrieden an der Dieckerstraße drängelten sich jedenfalls gestern die Besucher, um dem Neujahrskind zu gratulieren. Sohn Peter (60) schenkte den Gästen ein und nahm sich danach Zeit, die Lebensgeschichte seiner rüstigen Mutter zu erzählen.

Immer im Marienviertel gelebt

„Sie hat ihr ganzes Leben im Marienviertel verbracht“, erzählt er, sie wuchs als Tochter eines selbstständigen Gärtners mit acht Geschwistern auf, besuchte die katholische Marienschule und durfte dann auf das frühere Lyzeum an der Elsa-Brändström-Straße wechseln. Je­denfalls bis zur Mittleren Reife. Sie hätte wohl auch gern Abitur gemacht und studiert. Aber im elterlichen Betrieb wurde eine kaufmännische Kraft gebraucht. Also begann die junge Frau beim Vater die entsprechende Ausbildung.

„Der Umgang mit Menschen und das Handwerkliche lagen ihr viel mehr“, sagt der Sohn. Außerdem habe die Mutter immer einen ausgeprägten Bewegungsdrang gehabt. Das alles kam voll zur Geltung, als sie als junge Frau den elterlichen Blumenladen an der Mülheimer Straße übernehmen konnte. Bis zum Eintritt ins Rentenalter mit 60 Jahren führte sie dieses Geschäft.

Spät Mutter geworden

Erst mit Ende Dreißig wurde sie Mutter, heiratete den Vater ihres Kindes spät. Ihr Mann, ein Angestellter im öffentlichen Dienst, war sieben Jahre älter als sie. Er starb 1980.

„Meine Mutter konnte sich immer einmal im Jahr Urlaub leisten“, erzählt der Sohn. Für Selbstständige keine Selbstverständlichkeit. „Ansonsten hat sie nur drei Tage im Jahr frei gehabt: Ostern, Pfingsten und Weihnachten.“ Denn auch jeden Sonntag sei der Laden für zwei Stunden geöffnet gewesen.

Leidenschaftlich gern gewandert

Als Gertrud Illerich-Tourneur die Rente durch hatte, besann sie sich auf ihre anderen Interessen. Sie schloss sich einem Chor an, unternahm mit dem Sauerländischen Gebirgsverein zahlreiche Wanderungen, besuchte Sprachkurse bei der Volkshochschule und las eifrig.

Vor sechs Jahren gab sie ihre eigene Wohnung auf und zog ins Haus Abendfrieden, benötigt hier bis heute nur wenig Unterstützung. „Außer der Schwerhörigkeit fehlt ihr nichts“, sagt der Sohn. „Sie geht viel raus und singt im Haus-Chor.“ Und zum Geburtstag habe sie sich Bücher gewünscht. Dass es ein Patentrezept dafür gibt, ein so hohes Alter bei guter Gesundheit zu erreichen, glaubt ihr Sohn nicht. Dazu gehöre vielmehr eine entsprechende Veranlagung und eine große Portion Glück im Leben.