Das aktuelle Wetter Oberhausen 18°C
Auslands-Job

Oberhausenerin fotografiert zwischen Wachsfiguren

31.12.2015 | 15:01 Uhr
Oberhausenerin fotografiert zwischen Wachsfiguren
Britischer geht’s kaum: Jana Buchberger

Oberhausen.  Bis März arbeitet Jana Buchberger für Madame Tussaud’s in London. Die 19-Jährige hat sich schnell eingelebt, denn Briten sind „sehr nett“.

Von Kylie Minogue hörte die 19-Jährige entzückt ein Kompliment für ihren weihnachtlichen Pullover. Denn auch die leibhaftige Prominenz macht Madame Tussaud’s gerne ihre Aufwartung. Jana Buchberger arbeitet – kaum dass die kurze Weihnachtspause zuhause in der Walsumermark vorbei ist – wieder im berühmten Wachsfigurenkabinett. Und zwar nicht nur zwischen reglosen Ebenbildern britischer und außerirdischer Berühmtheiten – von der königlichen Familie bis zum finsteren Lord der Sternenkriege, Darth Vader.

Kurzentschlossen zur Vorstellung

Ins Land des Britpop und des „Rip off“ (sprich: der außerirdischen Mondpreise) kam die Abiturientin des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums kurz entschlossen. Nach dem Ende ihrer Schullaufbahn, erzählt Jana Buchberger, „wollte ich Zeit für mich haben“, anstatt sofort nach einer heimischen Lehrstelle Ausschau zu halten. Auf einen ganzen Schwung von Bewerbungs-E-Mails, die sie erwartungsvoll ins Vereinigte Königreich schickte, antwortete zuerst Madame Tussaud’s: Am nächsten Tag sei ein „Assessment“ für die Kurzzeit-Jobs in London. „Die Mail kam am Donnerstag, am Freitag war ich da.“

Hauptattraktion Gruselkabinett
Madame Tussaud’s 200-jährige Tradition

Ohne Napoleon wäre „Madame Tussaud’s“ wohl bis heute eine Touristenattraktion für Paris statt für London. Die Wachsbildnerin Marie Tussaud (1761 bis 1850) hatte 1802 nur eine Ausstellungs-Tournee ihrer Figuren durch englische Städte geplant, doch mit Beginn der napoleonischen Kriege saß sie auf der Insel fest. Seit 1831 hatte Madame sich in der Baker Street eingemietet. Schon damals war die „Chamber of Horrors“ eine Hauptattraktion.

Die erste Filiale eröffnete das berühmteste Wachsfigurenkabinett erst 1970 in Amsterdam. Inzwischen gibt es „Madame Tussauds“-Ableger (die sich ohne Apostroph schreiben) auch in Amerika, Asien und Australien. Die nächste Neueröffnung ist für 2017 in Neu-Delhi angekündigt.

Die einstige Familien-Firma zählt seit 2007 zum britischen Unterhaltungs-Konzern Merlin Entertainments.

Im Oktober, einen Monat nach dem Vorstellungsgespräch, ging’s auch schon los. Jana zählt seitdem für ein halbes Jahr zum Pool der rund 30 Fotografen, die Besucher neben ihren Idolen in Wachs ins Bild setzen. „Mein Freund fotografiert“, sagt die 19-Jährige. Mit der Spiegelreflexkamera hatte sie selbst noch keine praktische Erfahrung. „Aber man lernt schnell, wie man die Leute in Szene setzt.“

Fotografieren darf auch jeder zahlende Gast in der Baker Street und sich fürs Selfie zwischen Charles und Camilla in Pose schmeißen. „Außer in der Chamber of Horrors“, ergänzt die Tussaud’s-Fotografin. Im Gruselkabinett ist nur Gruseln erlaubt, weder Blitzen noch Posieren. In allen anderen Abteilungen der Wachsfiguren-Welt von Windsor bis Bollywood arbeiten die Angestellten teils mit fest installierten Kameras, teils mit Stativ – oder sie fotografieren aus sicherer Hand.

Fans haben Platz zum Ranschmeißen

Tränen und spitze Schreie – kurz: die heftigsten Reaktionen – beobachtete die junge Oberhausenerin übrigens nicht in der „Horrors“-Abteilung, sondern im Anblick der wächsernen Boygroup „One Direction“. Jana versichert: „Da kreischen nicht nur kleine Mädels“ – sondern auch erwachsene Frauen. Die Inszenierungs-Künstler von Madame Tussaud’s platzierten die Ebenbilder der jungen Iren und Briten so auf eine kleine Tribüne, dass für Fans genug Platz bleibt zum Ranschmeißen.

Im Wechsel mit den Kollegen arbeitet Jana Buchberger auch in der Foto-Abteilung des Souvenir-Shops. Und strahlt, wenn Kunden sie für ihre druckfrischen Bilder loben. Überhaupt seien die Londoner – und nicht nur die Touristen – „sehr nett“ und überraschend geduldig mit fragenden Ausländern. „An meinem ersten Tag hatte ich wirklich Angst.“ Wird sie ihre neuen Kollegen überhaupt verstehen mit ihrem Schulenglisch? Ihre Erfahrung: „Man lebt sich ganz schnell ein.“

Für Kurzzeit-„Auswanderer“
Das Abenteuer London

Der erste Rat der jungen „Londonerin“ für sechs Monate klingt simpel – ist aber besonders wichtig: Ehe man zum Arbeiten nach London reist, sollten Job und Unterkunft gesichert sein. Die britische Hauptstadt ist sehr teuer – auf gut Glück geht dort Garnichts.

Bereits zuhause sollten Kurzzeit-„Auswanderer“ eine Sozialversicherungsnummer beantragen. Die will jeder seriöse Arbeitgeber sehen – „und ein Termin dauert vier Wochen“, weiß Jana Buchberger. Wer mehrere Monate bleibt, sollte zudem ein Konto bei einer Londoner Bank eröffnen, für junge Leute oft gebührenfrei.

Ob Mini-Apartment oder „Flat Sharing“, sprich WG: Jana rät Gleichaltrigen, sich über die Sicherheit ihres Stadtviertels in spe zu informieren, denn „nicht jede Gegend in London ist friedlich“.

Einen guten Griff tat die 19-Jährige auch mit ihrer Unterkunft in Camden, mit dem Bus nur eine halbe Stunde entfernt vom Arbeitsplatz im West End. Für den Komfort des 20-Quadratmeter-Apartments im modernen Studenten-Wohnheim namens „Stay Club“, sagt Jana Buchberger, „habe ich gespart. Mir war wichtig, mein eigenes Reich zu haben.“ Und zwischen der Arbeit und dem lässigen Chic der „Stay Club“-Gemeinschaftsräume gibt’s auch gelegentlich jene Abende, „wenn die Kollegen mich unter ihre Fittiche nehmen“. Die Canary Wharf habe ihr am meisten imponiert – in jenem Teil der Docklands, wo’s an der Themse plötzlich aussieht wie in New York.

Um elf Uhr ist auch in London Feierabend

„Ich hätte ja gedacht, auch London sei eine Stadt, die niemals schläft“, erzählt die unternehmungslustige Oberhausenerin. Auch diese Erfahrung zählt zum Abenteuer der Achteinhalb-Millionen-Metropole: „Um elf Uhr abends ist überall Feierabend.“

Eine Vorentscheidung für ihren weiteren Weg soll die Londoner Zeit aber nicht sein – auch wenn Jana Buchberger inzwischen feststellt, „dass ich vor Schaufenstern stehen bleibe, wenn ich schöne Kameras sehe“. Nur Studieren – womöglich sogar in England – will die 19-Jährige nicht: „Ich bin mehr der Typ, der macht.“

Ralph Wilms

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
Ein Streifzug durch Sterkrade
Bildgalerie
Fronleichnamskirmes
Tausende Besucher in Sterkrade
Bildgalerie
Fronleichnamskirmes
Public Viewing im Ruhrgebiet
Bildgalerie
EM 2016
article
11417988
Oberhausenerin fotografiert zwischen Wachsfiguren
Oberhausenerin fotografiert zwischen Wachsfiguren
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/oberhausen/oberhausenerin-fotografiert-zwischen-wachsfiguren-id11417988.html
2015-12-31 15:01
Oberhausen, Madame Tussaud’s, Wachsfiguren, Fotografie
Oberhausen