Oberhausener wollen Rehe vom Friedhof treiben

Der erste Versuch schlug fehl: Die Rehe flüchteten zwischen den Helfern hindurch.
Der erste Versuch schlug fehl: Die Rehe flüchteten zwischen den Helfern hindurch.
Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Acht Tiere sollen vom Nordfriedhof in Königshardt in den Wald getrieben werden. 60 Helfer bilden eine Kette, um sie zu einer Zaunöffnung zu bewegen.

Oberhausen.. Knapp 60 Menschen bilden eine lange Kette, der Abstand von einem zum nächsten etwa drei Meter. Langsam tastet sich der Tross vorwärts. Auf einmal Schreie, wildes Gefuchtel mit den Armen, lautes Klatschen: Drei Rehe springen in vollem Lauf auf die Menschenkette zu – finden eine Stelle, an der der Abstand zu groß ist und durchbrechen die Phalanx. Alles Lärmen und Fuchteln hat nichts genützt, der erste Versuch, einen acht Tiere umfassenden Sprung (Bezeichnung einer Gruppe Rehe) vom Nordfriedhof in Königshardt zu treiben, ist misslungen.

Schon länger bevölkert das Rehwild den Friedhof. Beschwerden mehrten sich zuletzt, dass Blumen auf Gräbern abgefressen würden (die WAZ berichtete). Nun sollen die Tiere zurück in den offenen Wald. Jäger sowie Mitarbeiter des Ordnungsamts und des Oberhausener Gebäudemanagements sind im Einsatz, um die Rehe durch eine für die Aktion geöffnete Stelle der Umzäunung zu treiben.

Absperrband wird gespannt

„Über Tag sind die Rehe in einer naturbelassenen Friedhofs-Ecke“, sagt die Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Gisela Matten. Mit Heinz Kruck, dem Jagdpächter des Sterkrader Waldes, leitet sie die Aktion. Kruck erklärt auf einem Lageplan das Vorgehen. „Wir gehen quer über den Friedhof. Es könnten noch einzelne Tiere woanders sein.“ Vor dem Areal, auf dem sich die Tiere in der Regel aufhalten, sollen alle verharren. Kruck will Absperrband auf der gesamten Breite der Treiberkette spannen, um ein Hindernis zu bilden.

Zweiter Versuch – alles zurück auf Null. „Wir haben zu große Lücken gelassen und von einer Seite zu früh gedrückt“, sagt Kruck. Also von vorn. Doch auf halber Strecke bricht erneut ein Reh durch – die Helfer sind schwer zu koordinieren. Bis auf die 18 Jäger hat niemand Erfahrung mit Wild. Es geht weiter, das eine Reh muss später rausgetrieben werden. Alles stehen geblieben! Hinter den nächsten Büschen müssten die Rehe sein. Kruck entrollt das Absperrband.

"Rehwild nicht unnötig erschrecken"

Einige Jäger trennen sich in Kleingruppen von der Kette, gehen leise voran. „Wir wollen ruhig vorgehen, das Rehwild nicht unnötig erschrecken“, sagt Gisela Matten. „Die Rehe könnten im schlimmsten Fall kopflos gegen einen Zaun rennen“, ergänzt ihr Mann Hans Matten, der ebenfalls Jäger ist.

Die Kette tastet sich mit dem Absperrband langsam vor. Es ist nichts zu sehen, nichts zu hören. Plötzlich wieder lautes Schreien und Klatschen aus einiger Entfernung. Ein Reh prescht an der Treiberreihe vorbei, schlägt einige Haken, bevor es zurück ins Dickicht springt.

Am Ende gelangt ein Reh ins Freie. Beim dritten Treib-Versuch drei weitere Tiere. Wie es mit den verblieben vier weiter gehen soll, wird nun beraten.