Oberhausener sollen Obdachlosen verprügelt haben

Alle waren da: die fünf Angeklagten mit ihren Anwälten, die Schöffen, Zeugen, Richter und der Staatsanwalt. Nur einer hat gefehlt: der Hauptbelastungszeuge, der dem Gericht hätte erzählen sollen, was in der Nacht zum 2. August 2012 an der Bebel­straße passiert ist. Der junge Obdachlose soll von mehreren Personen zusammengeschlagen, genötigt und bedroht worden sein.

Für die Verteidiger war der Fall klar: Das Opfer habe keinerlei Interesse an einer weiteren Strafverfolgung, zumal er bereits mehrfach geladen und nicht erschienen war. Die Tat sei zudem zweieinhalb Jahre her. Die Angeklagten – alle sind arbeitslos und leben von Hartz IV oder der Grundsicherung – hätten „problematische Lebensläufe“. Da könne man durchaus darüber nachdenken, das Verfahren einzustellen.

Doch darauf wollte sich Richter Andreas Kunze nicht einlassen: „Für eine Einstellung ist der Tatvorwurf zu schwer.“ Mindestens drei der Angeklagten sollen ihrem späteren Opfer aufgelauert haben. Grund sollen Streitigkeiten um Geld gewesen sein: Der Obdachlose habe mehrere Wochen in der Wohnung eines Mitangeklagten übernachten dürfen. Dafür sollte er nachträglich einen Mietanteil von 300 Euro zahlen. Weil er das Geld nicht aufbringen konnte, sollen ihn die Angeklagten in der besagten August-Nacht geschubst, getreten und mit einer Hartplastik-Flasche geschlagen haben. Dann haben sie ihn laut Staatsanwaltschaft zu einer Telefonzelle getrieben und ihn dort eingesperrt, damit er bei Verwandten anrufen und nach Geld fragen könne. Ein Angeklagter soll dem Opfer mit einem Messer in der Hand gedroht haben, es „abzustechen“.

In Unterwäsche in der Telefonzelle

Rund 15 Euro soll der Obdachlose seinen Angreifern angeboten haben. So viel Geld war in einer Spendenbüchse, mit der der junge Mann zuvor in der Innenstadt Passanten um Geld gebeten hatte. Für die Angeklagten war das laut Vernehmungsprotokoll „ja wohl ein schlechter Scherz“.

Aus Frust sollen sie den Obdachlosen dann gezwungen haben, Hemd und Hose auszuziehen. Für die Freundin eines Angeklagten zu viel: Sie rief die Polizei, die den jungen Mann aus der Telefonzelle befreite.

Wenn es nach Richter Kunze gegangen wäre, hätte er auch ohne die Aussage des Opfers ein Urteil gesprochen. Die Mitschriften der polizeilichen Vernehmungen reichten ihm aus. Doch die Anwälte, die ja auf eine Einstellung des Verfahrens gepocht hatten, wollen den Zeugen polizeilich vorführen lassen. Die Verhandlung soll am 27. Januar fortgesetzt werden.