Heirat
Oberhausener Schwulenpaar traut sich kirchlich
18.09.2009 | 19:12 Uhr 2009-09-18T19:12:00+0200Oberhausen. Vor Gott geben sich Frank und Frank Overmann das Ja-Wort. Pfarrer Helmut Müller kommt eigens einen Tag früher aus seinem Urlaub, um das Schwulenpaar selbst zu trauen. Für den Pfarrer ein Novum, für die Evangelische Kirche in Oberhausen wohl auch.
Wenn die Sopranistin am Samstagnachmittag in der Markuskirche im Oberhausener Osten das „Ave Maria” singt, dann wird es sein wie bei jeder Hochzeit: das Brautpaar und sicherlich auch etliche Gäste wischen sich gerührt über die Augen.
Es wird sein wie ein heiliger Moment und das ist es auch, nur etwas anders. Vor Gott geben sich Frank und Frank Overmann das Wort und Pfarrer Helmut Müller kommt eigens einen Tag früher aus seinem Urlaub, um das Schwulenpaar selbst zu trauen. Für den Pfarrer ein Novum, für die Evangelische Kirche in Oberhausen wohl auch.
Ein Zeichen setzen
„Wir möchten ein Zeichen setzen”, sagen die beiden Betreiber des „FuF” An- und Verkaufes an der Virchowstraße gegenüber ihrem Lieblingsitaliener „Elba”, „dass auch andere schwule Paare sich zu einem solchen Schritt trauen. Deswegen gehen wir auch an die Öffentlichkeit, wir leben unsere gleichgeschlechtliche Partnerschaft öffentlich.”
Wie viele andere Paare auch gehen sie Hand in Hand spazieren, küssen sich auf der Straße. Vorurteilsbehaftete Reaktionen würden immer seltener, stellen sie fest - mit einer Ausnahme: „Wir suchen schon länger nach einer größeren Wohnung, hören die Vermieter, dass zwei Männer einziehen wollen, winken sie ab.”
Für die Verwaltung sind Frank und Frank Overmann gelegentlich ein Buch mit sieben Siegeln. Gleichgeschlechtliche Ehen vor dem Standesamt hat es inzwischen schon mehr als 100 gegeben, aber Vor- und Zunahmen deckungsgleich überfordert die auf hetero gebügelte Bürokratie: Wahlbenachrichtigungen gehen an Frank Overmann senior und Frank Overmann junior.
Der „Senior” wird am 27. August 1965 in Alstaden geboren, besucht nach Abschluss der Hauptschule die Hans-Böckler-Schule, macht sein Fachabitur, absolviert eine kaufmännische Lehre in einem Alstadener Zubehörbetrieb für Dachdecker, bleibt dort als Angestellter, wird Geschäftsführer, übernimmt den Laden schließlich, bis es sich nicht mehr trägt.
"Wir haben die gleichen Interessen"
Der „Junior” ist ebenfalls gebürtiger Oberhausener, er wird morgen, am Tag der kirchlichen Trauung, 40. Hauptschule Lirich, zwei Jahre auf einem Essener Internat, dann eine Schreinerlehre, die er nach zwei Jahren wegen einer Allergie abbrechen muss. Frank Brauer, wie er da noch heißt, wird Maschinenführer in einem Betrieb für Bauelemente, ist später zwei Jahre als Kneipier selbstständig und nunmehr seit zehn Jahren im An- und Verkauf. Er war schon einmal verheiratet, als er in Lübbecke lebte, die Ehe wird geschieden, er kommt, seelisch einigermaßen zerstört, nach Oberhausen zurück - und lernt Frank Overmann 2006 auf einer Halloweenparty kennt. Dessen Mutter ist gerade gestorben, er ist fix und fertig. Und es ist wie bei vielen sich anbahnenden Partnerschaften. Frank sen. geht fortan in die Kneipen, in denen er Frank jun. vermutet, man richtet sich gegenseitig wieder auf, am 30. November 2006 sind die beiden ein Paar, ein Jahr später wird im Oberhausener Standesamt geheiratet, obwohl der ältere von beiden eigentlich nie eine feste Bindung hat eingehen wollen: „Jetzt sind wir jeden Tag 24 Stunden zusammen und streiten nie, haben uns abends immer noch etwas zu sagen auch nach neun Stunden im Laden. Wir haben die gleichen Interessen, die gleichen Hobbys.”
Die Katholische Kirche nicht gefragt
Natürlich ist auch für Frank und Frank Overmann, die seit Juni 2007 ihr Geschäft an der Virchowstraße haben, die kirchliche Trauung der Höhepunkt ihrer bisherigen Partnerschaft und für beide war es im Vorfeld auch keine Frage, dass sie sich vor Gott das Ja-Wort geben, wenn die Kirche es mitmacht. Bei der Katholischen - der „Senior” ist katholisch - haben sie erst gar nicht gefragt, das haben sie für aussichtslos gehalten angesichts der Haltung des Papstes zur Homosexualität. In ihrer Markuskirchengemeinde - alle zwei Wochen gehen sie sonntags dort zum Gottesdienst - sind sie mit offenen Armen empfangen worden; „Wir lieben diese Gemeinde und ihren Pfarrer.”

16:33
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21:48
Ich selbst arbeite als Hochzeitsfotograf und würde zu gerne mal eine homosexuelle Hochzeit fotografieren (auch wenn ich selbst heterosexuell bin ;-)). :-)
Nichts ist schlimmer als Intoleranz!
15:21
zu Eintrag 51 und 52
Gott schuf den Menschen als Mann und Frau. Wenn im Regelfall die erotische Anziehung zwischen Mann und Frau besteht, ist das gut, weil nur dadurch das biologische Leben weitergegeben werden kann. Da keine Regel ohne Ausnahmen ist, ist es in diesem Fall die Ausnahme, dass eine erotische Anziehung eben nicht zwischen Mann und Frau besteht, sondern zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern. Warum das so ist, darauf wissen wir nach dem derzeitigen Stand der Forschung keine Antwort.
Homosexuelle Menschen können keinen andersgeschlechtlichen Partner lieben, dennoch ist die Liebe, die sie erleben, für sie nicht weniger wertvoll - und nicht verwerflicher -, als die Liebe, die heterosexuelle Menschen erleben. Homosexuelle Menschen sind sicher nicht dazu verdammt, zölibatär leben zu müssen, wohl aber sollten wir uns als homo- wie als heterosexuelle Christen in gleicher Weise verpflichtet fühlen, unser Leben und unsere Liebe in gegenseitiger Verantwortlichkeit zu gestalten.
Das steht nicht explizit in der Bibel, die den homosexuellen Menschen an sich nicht thematisiert oder kennt, ist für mich aber die logische Konsequenz aus dem, was dort zu Liebe und Sexualität gesagt wird.
Nicht ein Leben in gegenseitiger Liebe und Verantwortung wird verurteilt, sondern das ungezügelte Begehren, das keine Schranken kennt.
20:55
Ich frag mich nur, warum jede Hochzeit von Frank mit einer kompletten Titelseite im Lokalteil quittiert wird.
Als er vor ein paar Jahren Sven ehelichte, war das auch ein Topthema im WAZ Lokalteil
14:07
@Holz-Auge: Und ich könnte kotzen, wenn ich solche Kommentare wie deine lese ... Du entscheidest also, was normal ist und was nicht? Ahja. Verkriech dich doch einfach wieder in dein gutbürgerliches Spießertum und pass bloß auf, dass du nicht offen für anders gesinnte Menschen bist!! Könnte ja weh tun!! Armselig ...
10:07
Alles Gute für Frank und Frank! Homophobiker wird es wohl leider immer geben. Viele Menschen sind eben zu unterbelichtet, um über den Tellerrand zu schauen.
10:05
Alles Gute für Frank und Frank! Homophobiker wird es wohl leider immer geben. Viele Menschen sind eben zu unterbelichtet, um über den Tellerrand zu schauen.
15:55
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14:54
Warum wurde nicht vor Beginn des Trauung Marianne Rosenbergs Schlager Er steht vor der Tür auf der Orgel gespielt, während ein Partner auf den anderen am Altar wartete. Wo doch schon der Kneipenschlager ein Stern, der Deinen Namen trägt in der Kirchenzeremonie Platz fand.
11:15
Spannend wer alles urplötzlich seinen Glauben an Gott gefunden hat :). Und wahrscheinlich das letzte mal eine Kirche von innen gesehen hat als entweder Oma Lisbeth gestorben ist oder mal wieder Weihnachten vor der Tür stand. Von meiner Seite her dem Paar alles Gute. Und mit Gottes Kraft werdet ihr den Weg auch meistern.