Oberhausener Schulpsychologe gibt Tipps für die Nachprüfung

Der Schulpsychologe Dr. Karl Landscheidt hat einen passenden Vergleich für gefährdete Schüler: „Ein Sportler verzichtet auch nicht mehrere Tage auf das Training“.
Der Schulpsychologe Dr. Karl Landscheidt hat einen passenden Vergleich für gefährdete Schüler: „Ein Sportler verzichtet auch nicht mehrere Tage auf das Training“.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Einige Schüler müssen am Ende der Sommerferien in eine Nachprüfung. Schulpsychologe Dr. Karl Landscheidt aus Oberhausen gibt Tipps zum Lernen.

Oberhausen.. Der Countdown läuft. In zwei Tagen schreiten die Klassenlehrer wieder durch die Reihen und legen ihren Schülern ein wichtiges Dokument auf den Tisch. Die Zeugnisvergabe läutet die Sommerferien ein. Dann sehen die Schüler die Leistungen der vergangenen Monate Schwarz auf Weiß.

Wer mit guten Noten den Heimweg antritt, hat sechseinhalb Wochen ohne Sorgen vor sich – zumindest in Bezug auf die Schule. Allerdings wird wieder eine kleine Gruppe von Kindern und Jugendlichen das Klassenziel verfehlen. Sie müssen eine Ehrenrunde drehen oder haben am Ende der Ferien die Chance, die Versetzung im zweiten Anlauf zu schaffen.

Rat zur täglichen Übungsstunde

Nun stellen sich Schüler häufig die Frage, wie eine sinnvolle Vorbereitung auf die Nachprüfung aussieht. Dr. Karl Landscheidt rät zur täglichen Übungsstunde. „Es bringt nichts, wochenlang gar nichts zu machen und dann kurz vor dem Prüfungstermin zu versuchen, das Versäumte nachzuholen“, sagt der Diplom-Psychologe von der Schulberatungsstelle Oberhausen. Landscheidt hat auch einen passenden Vergleich parat. „Ein Sportler verzichtet auch nicht mehrere Tage auf das Training und will dann alles durch längere Einheiten aufholen. Es muss eine systematische Vorbereitung sein“, sagt er.

Erika Ilgen von der Friedrich-Ebert-Realschule warnt derweil vor einer Belastung in den Ferien. Wer eine Lern- und Förderempfehlung bekommen hat, soll die Zeit schon nutzen. „Aber bitte nicht bereits am ersten Ferientag! Jedes Kind hat erstmal Anspruch darauf, sich vom Schulstress zu erholen“, sagt die Rektorin.

Ilgen und ihre Kollegen raten Schülern auch mal, auf eine Nachprüfung zu verzichten. „So ein Schritt sollte gut überlegt sein. Manchmal erklären wir, dass die Wiederholung des Schuljahres die bessere Alternative ist“, sagt Ilgen.

Unterstützung von außen

Die meisten Schüler entschieden sich aber für die Nachprüfung. Nicht selten holen sie sich Unterstützung von außen. Dr. Karl Landscheidt warnt aber davor, kommerzielle Nachhilfeangebote als die Lösung aller Probleme zu betrachten. „Dort gibt es ja meistens keine täglichen Übungsstunden und die sind in meinen Augen nur zielführend“, sagt der Experte.

Es gibt auch Fälle, in denen sich der Vater oder die Mutter als Nachhilfelehrer anbieten. Für den Schulpsychologen ist das jedoch nicht der Königsweg. „Die Leistung muss am Ende immer noch der Einzelne erbringen. Da ist der gute Wille der Eltern nicht ausschlaggebend“, sagt Landscheidt.

Ein Großteil der Schüler erbringt auch die geforderten Leistungen. „Wir sollten nicht vergessen, dass die gefährdete Versetzung die absolute Ausnahme ist“, sagt Direktorin Erika Ilgen. Auch die Friedrich-Ebert-Realschule entlässt die meisten Schüler am Freitag in sorgenfreie Ferien.