Oberhausener Schützen mit Handicap brauchen ein Attest

Auch Sportschützen mit Behinderung wollen an Wettkämpfen teilnehmen – ohne Hürden.
Auch Sportschützen mit Behinderung wollen an Wettkämpfen teilnehmen – ohne Hürden.
Foto: Heinz Kunkel / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Schützen mit Behinderung brauchen neuerdings eine Klassifizierung vom Physiotherapeuten, um an Wettkämpfen teilzunehmen. Kosten: 30 Euro.

Oberhausen.. Inklusion ist ein sperriges Wort für eine eigentlich schöne Sache: das Miteinander von Menschen mit und ohne Handicap. Doch mancher Schritt hin zur Inklusion kann genau diese wiederum erschweren, wie ein aktuelles Beispiel aus dem Schützenwesen zeigt.

Unter Sportschützen sollte es gemeinsame reguläre Wettkämpfe geben und nicht mehr wie bisher getrennte Meisterschaften für Menschen mit Handicap und ohne Einschränkung. Ein guter Schritt, der für viele Oberhausener Schützen aber einen bitteren Nachgeschmack hat. Denn Schützen, die für ihren Sport auf ein Hilfsmittel zurückgreifen müssen, sollen sich nun erstmals klassifizieren lassen – gegen eine Gebühr von 30 Euro, die die Vereine tragen sollen.

Vorwurf der Geldmacherei

„Wir wollen Inklusion im Sport, das aber ist keine“, meint Immanuel Schuler. Der Borbecker ist nicht nur als Lokalpolitiker für die FDP vielen Oberhausenern bekannt, er ist seit Jahren aktiver Sportschütze. Wegen einer Erkrankung kann er seinen Sport allerdings nur im Sitzen ausüben. Damit er dennoch an regulären Meisterschaften teilnehmen konnte, reichte bisher ein ärztliches Attest, das sein Rückenleiden bescheinigte. Zum Jahresanfang aber schrieb ihn der Rheinische Schützenbund an, er möge sich klassifizieren lassen. Eine Physiotherapeutin würde dies übernehmen; mitzubringen seien Attest und andere Bescheinigungen.

„Wenn wir an dieser kostenpflichtigen Klassifizierung nicht teilnehmen, können ich und viele andere Schützen nun plötzlich nicht mehr an den Wettkämpfen teilnehmen, bei denen wir sonst immer dabei waren“, ärgert sich Schuler. „Was soll die Physiotherapeutin anderes feststellen als der Arzt, der ja bereits sein Attest ausgestellt hat?“ Die Klassifizierung sei überflüssig, meint Schuler. Er wirft den Dachverbänden der Sportschützen Geldmacherei vor. „Meine Konsequenz ist, dass ich an den Wettkämpfen nicht mehr teilnehme.“

Veränderung zum 1. März angekündigt

Corinna Rosenbaum, Geschäftsführerin des Rheinischen Schützenbundes, weist den Vorwurf der Geldmacherei zurück. Sie erläutert, dass Klassifizierer speziell ausgebildet seien. Auslagen wie Fahrtkosten werden ihnen bezahlt. Nach einer Vorgabe des Behindertensportverbandes habe der Rheinische Schützenbund für die Klassifizierung 30 Euro berechnet.

Doch der Ärger um die Klassifizierung ist dem Verband bekannt. Zum 1. März kündigt Corinna Rosenbaum deshalb sogar eine Veränderung an. „Uns ist klar, dass das sehr kurzfristig ist. Doch diese Dinge sind für uns auch neu. Wir haben aber eine Lösung gefunden, mit der wir unseren Sportlern ermöglichen wollen, an ihren Wettkämpfen teilzunehmen.“