Oberhausener Parteien büßen Mitglieder ein

Selbst im Wahlkampfjahr mit lokalen Themen konnten die Parteien ihre Mitgliederzahl nicht steigern.
Selbst im Wahlkampfjahr mit lokalen Themen konnten die Parteien ihre Mitgliederzahl nicht steigern.
Foto: Ulla Emig / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Nur noch 1,81 Prozent der wahlberechtigten Bürger sind dabei. Trend selbst im Wahljahr nicht gestoppt. Auf der Suche nach jungen Bürgern.

Oberhausen.. In Oberhausen engagieren sich immer weniger Menschen in Parteien: Nur noch 1,81 Prozent der 165 000 wahlberechtigten Bürger in der Stadt sind Mitglied in einer der sechs im Rat vertretenen Parteien. Diesen schon seit den 70er Jahren anhaltenden Trend konnten die hiesigen Parteien trotz der NRW-Ratswahlen im Mai 2014 auch im vergangenen Jahr nicht stoppen. Dabei bieten gerade hitzige politische Auseinandersetzungen in Wahljahren für Parteien gute Gelegenheiten, neue engagierte Bürger für sich zu gewinnen.

Doch SPD, CDU, Grüne, Linke, FDP und BOB kommen derzeit zusammen nur noch auf 3003 Mitglieder – das sind 65 weniger als noch vor einem Jahr, ein Minus von 2,11 Prozent. Auch in ganz NRW melden alle Landtagsparteien Rückgänge im Jahr 2014.

Weder politisch noch inhaltlich motiviert

Die Parteiaustritte sind nach Angaben aller Parteiorganisationen meist weder politisch noch inhaltlich motiviert. „Es ist schwer, die Zahlen zu halten, da die Mitglieder immer älter werden und versterben“, sagt CDU-Geschäftsführer Christian Benter. Die beiden großen Parteien, SPD wie CDU, verlieren in Oberhausen am stärksten, die Mitgliederzahlen der kleineren verharren auf niedrigem Niveau – mit etwa hundert Leuten.

Die Oberhausener Parteien versuchen, junge Bürger zur aktiven Teilnahme am politischen Prozess zu begeistern. Eine Übersicht.

SPD: Frischer Wind durch Akademie

SPD-Parteivize Elia Albrecht-Mainz nennt die Altersstruktur in der SPD „schwierig“, doch sie sieht die Jusos vor Ort als Pfund der Sozialdemokraten. „2013 gab es die Kommunale Akademie, die junge Leute für Politik interessieren sollte.“ Daraus seien Arbeitsgruppen entstanden, in denen die jungen Leute frische Ideen entwickeln: Wie kann man SPD-Veranstaltungen vor Ort modern umsetzen?

CDU: Persönliche Ansprache

Neue Mitglieder sofort lang zu binden sei schwer, gibt CDU-Ratsherr Benter zu. Die Christdemokraten setzen daher auf Projektarbeiten. „Bei niederschwelligen Angeboten sollen die Themen aus der Bürgerschaft kommen.“ Anschließender Beitritt erwünscht. Wer sich einmal für die CDU interessiert, soll persönlich angesprochen werden.

Linke: Inhalte sollen überzeugen

Linken-Parteichef Jens Carstensen will durch Inhalte junge Mitglieder werben: „Wir hinterfragen die Verfilzung der führenden Parteien und der Wirtschaft.“ In der Flüchtlingsfrage fordert er Lösungen und den Abschiebungs-Stopp. Um für die Inhalte der Linken zu begeistern, gebe es oft Versammlungen: „Was will die Linke?“

Grüne: Diskussion beim Frühstück

„Wir wollen unsere Organisation Grüne Jugend wieder aktivieren, um junge Menschen auch außerhalb der Mitgliedschaft einzubinden“, sagt Vorstandssprecher Sebastian Girrullis. Thematisch will man mit Forderungen nach flächendeckender Kinder- und Jugendarbeit sowie Klimaschutz vor Ort punkten. Ein regelmäßiges Frühstück für Diskussionen dient als niederschwelliges Angebot.

FDP: Mund-Propaganda

FDP-Vorsitzende Regina Boos spricht von vielen jungen Menschen, die den Liberalen beitreten würden. „Die sind durch Mund-Propaganda die besten Multiplikatoren für unsere Inhalte“, sagt Boos. Besondere Maßnahmen zur Mitgliedergewinnung gebe es nicht. Boos setzt auf die Zugkraft des „liberalen Lebensgefühls“: Man nimmt sein Leben selbst in die Hand und gestaltet es.

Bürgerbündnis BOB: Mitmachen

Die beitragsfreie Wählergemeinschaft des Bündnisses ist das Pendant zur Mitgliederstruktur der Parteien. Vorsitzender Udo Sommer glaubt, dass genügend Menschen unzufrieden mit den Parteien sind und BOB zuliefen. „Außerdem ist es bei uns sehr einfach mitzuwirken. Das wollen die Bürger.“ Die Arbeitskreise von BOB orientieren sich thematisch an den Rats-Ausschüssen.