Oberhausener Kinder treiben es bunt

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Was wir bereits wissen
Im Kurs für Vorschulkinder der Malschule Oberhausen lassen schon die Kleinsten ihrer Fantasie freien Lauf. Jede Woche gibt es ein neues Thema. Neue Kurse beginnen jetzt

Rundungen und Spiralen zieren die einst schwarze Pappe. Grün, Lila Blau, Gelb und Silber leuchten auf dem schwarzen Hintergrund. Die Formen auf dem Papier dürfen alles sein – außer gerade und eckig. Selbst Friedensreich Hundertwasser hat das schon so gemacht. Und auf genau dessen Spuren haben sich die jungen Teilnehmer des Malkurses der Malschule Oberhausen diese Woche begeben. Schwarze Pappe und unzählige bunte Wachsmalstifte liegen auf dem Tisch. Mehr brauchen die kleinen Künstler im Alter von vier und acht Jahren für ihr Kunstwerk nicht. Auch keine Vorlage vom berühmten Künstler selbst. Stattdessen erzählen die Kursleiterinnen Anne Peters und Ulrike Spliethoff von Hundertwassers Leben und seiner Denkweise.

Abgucken beim Nachbarn

Dann legen die Kinder los. „Charlotte ist heute besonders großzügig“, sagt Anne Peters lächelnd. Der Kreis, den die Vierjährige gemalt hat, nimmt das halbe Blatt Papier ein.

„Soll ich lieber Gelb oder Orange nehmen?“, „Welche Farbe passt jetzt gut?“. Bei so vielen Farben fällt die Auswahl manchmal ganz schön schwer. Zum Glück gibt es die beiden Kursleiterinnen, die gerne eine intensive Farbberatung geben. Doch Anne Peters weiß: „Die Kinder können sich meist selber am besten helfen.“ Da wird beim Nachbarn geschaut oder sich gegenseitig beraten. Und trotzdem sehen sie alle verschieden aus. Die fünfjährige Lina stellt fest: „Egal wie man die Bilder später dreht, sie sind immer richtig.“ Ein „Ich kann das nicht“ hört man zwischen den ganzen Fragen nicht. Denn Peters und Spliethoff nehmen sich für jeden der Kinder Zeit. „Die Kleineren brauchen meist noch ein bisschen Hilfe. Dafür ist es immer wieder toll zu sehen, was sie dann in einer Stunde so hinzaubern“, sagt Peters.

„Wir haben schon oft mit den Wachsmalstiften gemalt, deswegen sind die schon so klein“, erklärt Isabell (5). Das Malen mit den Wachsmalstiften kann ganz schön anstrengend sein, finden die sechsjährige Mascha und die siebenjährige Alyssa. Schließlich muss man sehr feste aufdrücken, damit die Farben besonders schön auf dem schwarzen Hintergrund zu sehen sind. Die sechsjährige Frederike sitzt mit überschlagenen Beinen auf dem Stuhl und betrachtet ihr Kunstwerk. „Ich bin fertig.“, sagt sie zufrieden. „Was fällt euch bei dem Bild auf?“ fragt Peters. Frederike schaut sie mit großen Augen an. „Noch zu viel schwarz vom Hintergrund zu sehen“, sind sich die Kinder einig. Also muss die kleine Künstlerin wohl noch mal ran. Doch das Papier ist nicht das einzige, was Farbe abbekommt. Die Hand der achtjährigen Henriette ist blau, grün und gelb.

Kein Bild ist fertig bis der Künstler nicht seine Initialen auf sein Bild gesetzt hat. „Vorne natürlich“, erinnert Peters die Kinder. Groß und jeder Buchstabe in einer anderen Farbe oder klein und schwarz in die Ecke des Bildes – wie es sich für einen großen Künstler gehört hat jedes Kind seine eigene Signatur. Lasse, vier Jahre alt, hat heute das erste Mal alleine sein Bild unterschrieben. Das muss natürlich gebührend gefeiert werden – mit Gummibärchen. Dann ist die Stunde auch schon vorbei. Zusammengerollt nehmen die Teilnehmer ihre Kunstwerke mit nach Hause. „Sie sind immer sehr stolz auf ihre Sachen. Zuhause werden die meisten Bilder dann in der Küche oder im Wohnzimmer aufgehängt.“, weiß Ulrike Spliethoff.

Beim nächsten Mal wird es ein anderes Thema geben. „Es hat bei uns in den ganzen Jahren nie eine Wiederholung gegeben. Auch wenn wir das gleiche Material benutzen, wird es hier nie langweilig“, sagt Spliethoff. Anne Peters schaut ein wenig traurig. „Ich würde die Bilder am liebsten immer selber behalten.“