Oberhausener Hilfsorganisation steht gut da

Ankunft von Kindern aus Angola im Mai am Flughafen in Düsseldorf.
Ankunft von Kindern aus Angola im Mai am Flughafen in Düsseldorf.
Foto: Torsten Silz
Was wir bereits wissen
2015 stiegen die Einnahmen um 14 Prozent. 293 Kinder konnten zur Behandlung nach Deutschland geholt werden

Oberhausen..  Im kommenden Jahr wird die Hilfsorganisation Friedensdorf International in Schmachtendorf 50 Jahre alt. Kein Grund zum Feiern, wie Leiter Thomas Jacobs findet. Einen Grund zur Freude gab es für ihn jedoch bei der Vorstellung der Bilanz für das vergangene Jahr: Die Hilfseinrichtung für Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten konnte auf ei­nen treuen Kreis von Unterstützern bauen und weitere medizinische Projekte in Partnerländern verwirklichen. Ihre Einnahmen stiegen um rund eine Million Euro. „Das ist ein erfreulicher Jahresabschluss“, resümiert Jacobs. Er interpretiert das als Anerkennung für die kontinuierliche Arbeit der vergangenen Jahre. In mehreren Ländern hat das Friedensdorf feste Strukturen aufgebaut, weitere Gesundheitsstationen und Hilfs­projek­te in Leben gerufen. Ein ebenso wichtiges Einsatzfeld ist die Einzelfallhilfe: 293 Kinder aus acht Nationen wurden 2015 nach Deutschland geholt, in Krankenhäusern behandelt und im Oberhausener Dorf weiterbetreut. 344 Mädchen und Jungen kehrten nach Abschluss der Behandlung in ihre Familien zurück.

Gleichzeitig lagen zum Jahresende Anfragen für 835 Kinder aus 20 Ländern vor. Eine Reihe von ihnen kann in den Heimatländern durch Friedensdorf-Projekte versorgt werden, so in Usbekistan, wo seit 2015 auch Kinder mit Herzfehlern operiert werden können. Die Haupteinsatzländer für die Einzelfallhilfe sind Afghanistan, Angola, Tadschikistan, Usbekistan oder Kirgistan. Auch die letzten 23 Kinder aus dem Gaza-Einsatz 2014 kehrten im vergangenen Jahr nach Hause zurück.

Dennoch wurden 2015 insgesamt 100 Kinder weniger in der Einrichtung aufgenommen als noch im Vorjahr. Das liege zum Teil daran, dass die Verweildauer in den Krankenhäusern immer kürzer und die Nachbetreuung im Friedensdorf länger und pflegerisch aufwendiger werde, erklärte Jacobs. Zusätzlich werde die Einzelfallhilfe durch strengere Visa-Regularien erschwert. So müssten Kinder ab zwölf Jahren bei der Beantragung in der deutschen Vertretung persönlich erscheinen, was bei schweren Verletzungen schwierig sei. In Afghanistan sei das persönliche Erscheinen zudem durch die Sicherheitslage erschwert: „Die können nicht so einfach zur Botschaft kommen“. Im Schnitt bleiben die Kinder rund sechs Monate zur Behandlung, die Verweildauer in den Hospitälern sank von 35 auf 32 Tage. 177 Kliniken unterstützen das Friedensdorf mit 293 Freibetten.

Die Projekte zur Verbesserung der medizinischen Struktur in den Einsatzländern wurden 2015 weiter ausgebaut. Allein in Kambodscha entstanden drei neue Basisgesundheitsstationen, Nummer 26 und 27 sind im Bau oder in Planung. Für die Projektarbeit konnten 2015 rund 1,4 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden (2014: 950 000 Eu­ro). Wie gut die Einrichtungen angenommen werden, zeigt das Beispiel der Ende 2014 fertiggestellten Entbindungs- und Kinderklinik in Rameas Hek (Kambodscha): 500 Kinder erblickten 2015 das Licht der Welt, 800 Mädchen und Jungen wurden stationär behandelt. Jacobs: „Darauf sind wir sehr stolz“.

114 Tonnen Hilfsgüter geliefert

Zudem lieferte die Organisation 114 Tonnen Hilfsgüter - von medizinischem Material bis zu Lebensmitteln - in die Partnerländer. Gut entwickelt hat sich auch die Friedensdorf-Gemeinschaftsstiftung, deren Erträge in verschiedene Projekte wie eine Blinden- und Behindertenschule sowie ein Zirkusprojekt in Kambodscha flossen oder in Lippen-Kiefer-Gaumenspalten- und Or­thopädie-Projekte in Usbekistan.

Für 2016 hat sich das Friedensdorf wieder vier Schwerpunkteinsätze in Angola und Afghanistan (mit Kaukasus und Zentralasien) vorgenommen. Thomas Jacobs dankte allen Spendern, Helfern, Un­terstützern und Partnern und hofft, dass die finanzielle Basis der Organisation weiterhin stabil bleibt: „Das gibt uns Planungssicherheit“, sagte er.