Oberhausener Handwerksbetriebe suchen verzweifelt nach Lehrlingen

Viele Betriebe in Oberhausen finden keinen geeigneten Azubi. Das soll sich künftig ändern.
Viele Betriebe in Oberhausen finden keinen geeigneten Azubi. Das soll sich künftig ändern.
Foto: Bernd Wüstneck
Was wir bereits wissen
Handwerksbetriebe finden oft keine geeigneten Auszubildenden. Probleme gibt es auch bei der Firmennachfolge, wenn ein Inhaber in den Ruhestand geht. Um dieser "besorgniserregenden" Entwicklung gegenzusteuern, sollen etwa Meisterberufe künftig aufgewertet werden.

Oberhausen.. Die Handwerkerschaft in Oberhausen hat zunehmend Probleme damit, geeignete Lehrlinge zu finden. Aktuell sind in der Stadt noch 18 Stellen in Handwerksbetrieben nicht besetzt, im gesamten Kammerbezirk Düsseldorf, zu dem Oberhausen gehört, sind derzeit sogar noch 645 Ausbildungsplätze zu vergeben – das sind doppelt so viele wie noch vor einem Jahr.

„Von vielen Betrieben bekomme ich die Rückmeldung, dass sie gerne Lehrlinge einstellen würden, aber keine geeigneten Kandidaten finden“, so Barbara Pezzei, die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Mülheim-Oberhausen. „Zudem wird es für viele Handwerker, die in naher Zukunft in den Ruhestand gehen wollen, schwierig, einen Nachfolger aufzutreiben, der das Geschäft weiterführen soll.“

Aufwertung der Handwerksberufe

So seien derzeit rund 9000 Betriebsinhaber im Bezirk Düsseldorf auf der Suche nach einem geeigneten Kandidaten für den Chefsessel. „Und dieses Problem wird sich in Zukunft noch weiter verstärken“, ist Pezzei überzeugt. Denn der Altersschnitt der Firmeninhaber sei relativ hoch. „Auch in Oberhausen gibt es Betriebe, in denen die Inhaber keinen Nachfolger finden. Das kann im Einzelfall den Bestand gefährden.“

Pezzei plädiert deswegen dafür, die Handwerksberufe attraktiver zu machen. „Wenn die duale Ausbildung oder der Meisterberuf gegenüber einem Studium aufgewertet würden, wäre das sicherlich ein erster Schritt.“

20 Prozent der freien Plätze unbesetzt

Darauf, dass sich ein ähnliches Bild auch in anderen Branchen vor Ort zeigt, weist der Hauptgeschäftsführer des hiesigen Unternehmerverbandes, Wolfgang Schmitz, hin: „In den Branchen, die unserem Unternehmerverband angehören, können unterm Strich rund 20 Prozent der freien Ausbildungsplätze nicht besetzt werden.“ Dies sei das Ergebnis der jüngsten Ausbildungsumfrage des Verbandes. Zu den Branchen zählen vor allem die Metall- und Elektroindustrie, aber auch der Industrieservice und soziale Dienstleister.

Die Entwicklung sei besorgniserregend, weil gleichzeitig eine zunehmende Fachkräftelücke sichtbar werde. „Jedes vierte Unternehmen gibt an, Stellen gar nicht oder nur mit Zeitverzug besetzen zu können. Auf mittlere Sicht rechnen sogar zwei Drittel aller Unternehmen mit Problemen bei der Fachkräftegewinnung“, erläutert Schmitz.

Eine Aufwertung der Ausbildungsberufe sei notwendig. „Die berufliche Bildung steht einer akademischen Ausbildung um nichts nach. Zu viele junge Leute sehen ihre Chancen nur in einem Studium“, erklärt Schmitz. Aktuell gehen über die Hälfte eines Schülerjahrgangs zur Universität oder Fachhochschule. „Hier müssen wir gegensteuern und den Wert der Ausbildung unterstreichen.“