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Oberhausener Handwerk ist besorgt über Sparpläne der Stadt

14.06.2013 | 10:00 Uhr
Oberhausener Handwerk ist besorgt über Sparpläne der Stadt
Mittelständische Handwerksbetriebe sorgen sich, dass sie keine faire Chance auf städtische Aufträge mehr haben.Foto: Özcan

Oberhausen.  Das Oberhausener Handwerk sorgt sich um Arbeitsplätze und ihren Fortbestand. Grund dafür ist der Sparkurs der Stadt. Der Etat für Sanierungen sinkt und Aufträge sollen zu größeren Paketen zusammengeschnürt und europaweit ausgeschrieben werden. Dabei könnten lokale Firmen auf der Strecke bleiben.

Das Oberhausener Handwerk zeigt sich über den drastischen Sparkurs der Stadt in den nächsten zehn Jahren äußerst besorgt: Es sinkt nicht nur der Etat für Reparaturen an öffentlichen Gebäuden um einige Millionen Euro im Jahr, sondern die Stadt überlegt sogar, mehrere Aufträge zu dicken Paketen zu schnüren und über ihre Tochter „Oberhausener Gebäudemanagement“ (OGM) europaweit auszuschreiben.

Die Gutachter der renommierten Unternehmensberatung „Ernst & Young“, die die OGM von Kopf bis Fuß untersuchten, hatten dies empfohlen: Aufträge zusammenfassen, Bieterkreis ausweiten.

Keine Bürgschaft für große Aufträge

„Dabei bleiben viele lokale Firmen auf der Strecke, den europaweiten Wettbewerb können die kleinen Betriebe nicht packen, weil sie für so große Ausschreibungen nicht die notwendige Bürgschaft von der Bank erhalten“, sagt Ralf Geese, Obermeister der Baugewerks-Innung. „Wir haben keine Angst vor Konkurrenz, aber wir wollen fairen Wettbewerb. Sonst sind unzählige sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in Gefahr“, sagt Kreishandwerksmeister Jörg Bischoff.

Immerhin sieht aber „Ernst & Young“ bei Wartungsverträgen, Gebäudesanierung und -unterhalt ein Einsparpotenzial von bis zu 15 Prozent, wenn man Aufträge zu großen Paketen bündelt und den Ausschreibungsradius ausweitet.

„Auswärtige sind nach dem Auftrag weg"

Die Spitze des örtlichen Handwerks hält das für eine Milchmädchen-Rechnung. „Für die gesamte Stadt ist das am Ende gar nicht billiger, sondern teurer. Das hat man bereits in Mülheim erfahren“, sagt Bischoff. Als Vorteile, einheimische Handwerker einzubinden, wertet Bischoff die Nähe des Handwerks vor Ort für schnelle Dienstleistungen, das stärkere Bemühen um Qualität derjenigen, die in der Stadt ihren guten Ruf halten wollen, die hohe Zahl an Ausbildungsplätzen und die große Zahl an tariflich bezahlter Beschäftigter. „Auswärtige sind nach dem Auftrag weg, kommen nicht wieder. Sie zahlen hier keine Steuern, schaffen keine Jobs.“

Bei EU-weiten Ausschreibungen bestehe die Gefahr, dass nur Generalunternehmer zum Zuge kommen, die mit Sub-Sub-Firmen Billiglöhner Arbeiten verrichten lassen. „Werden örtliche Handwerker nicht beschäftigt, wird der Stadt massiv Kaufkraft entzogen“, sagt Geese. Barbara Pezzei, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, appelliert an die gesellschaftliche Verantwortung der Stadtoberen. „Man kann nicht nur die OGM ansehen, sondern muss die Folgekosten beachten.“ In Mülheim und Oberhausen arbeiteten 2500 Handwerksbetriebe mit 25 000 Arbeitsplätzen.

Peter Szymaniak


Kommentare
17.06.2013
12:56
Oberhausener Handwerk ist besorgt über Sparpläne der Stadt
von ellerw1 | #11

Was spricht dagegen sich an internationale oder nationale Ausschreibungen zu beteiligen? Flatulenz drauf, wenn eine Oberhausener Malerfirma in Flensburg eine Grundschule bepinselt und eine Flenzburger Malerfirma in Oberhausen ein Einkaufstempel.

17.06.2013
12:17
Städte, die Pleite sind ...
von Tanoebel | #10

..... wie zB Oberhausen können eben keine Aufträge mehr vergeben - auch wenn das zur Erhaltung der mittlerweile maroden Bausubstanz öffentlicher Gebäude und der Infrastruktur dringend erforderlich wäre.

Dadurch werden Handwerksunternehmen und der Mittelstand Umsatzeinbussen erleiden, was Arbeitsplatzverluste, weniger Steuer- und Sozialabgaben und den Verlust von Ausbildungsplätzen bedeuten wird.

Aber - das kann man ja sicher mit "Fachkräften aus dem Ausland" , die ab 2014 ungehindert aus Osteuropa nach Deutschland kommen werden - bestimmt - "ausgleichen" - oder?

16.06.2013
23:07
Oberhausener Handwerk ist besorgt über Sparpläne der Stadt
von Karlot | #9

@donelvis

Blödsinn! Der Einsatz in Afghanistan kostete bislang etwa 20 Mrd.Euro, knapp 2 Mrd. je Jahr.
Im übrigen: das Geld, das für Afghanistan ausgegeben wird, landet zum Großteil als Umsatz in der deutschen Wirtschaft.

16.06.2013
23:04
Oberhausener Handwerk ist besorgt über Sparpläne der Stadt
von Karlot | #8

Spart der Staat (oder eben eine Kommune), dann fallen eben andernort Einnahmen weg, die nicht ohne weiteres ersetzt werden können (manche Dienstleistungen oder Verkäufe werden eben nur von Institutionen wie dem Staat etc. nachgefragt).

Wohin Sparen führt, sieht man an Griechenland, Spanien, Portugal etc. Die Wirtschaft bricht ein, die Steuereinnahmen sinken und die Schulden steigen, obwohl sie ja eigentlich sinken sollten.

16.06.2013
16:48
Oberhausener Handwerk ist besorgt über Sparpläne der Stadt
von Samenschock | #7

richtig so! einfach mal die Preise senken, Jungs. Es kann nicht angehen, daß ein Spanplattenschrauber seinen Lehrling schickt und dafür 60-80 € die Stunde abrechnet. Anfahrt selbstverständlich extra. Werkzeug vergessen - wieder hin- und Rückfahrt. Selbstverständlich alles bezahlt.

Leute, die drei Jahre die Werkstatt gefegt haben (verbreiteter Standard im Handwerk) dürfen einfach keine Künstlerlöhne verlangen.

16.06.2013
16:29
Oberhausener Handwerk ist besorgt über Sparpläne der Stadt
von ortskundiger | #6

Ach,ganze einfach.Alle kündigen und nur noch mit Leihkeulen zusammenarbeiten.Die kann man nach dem Auftrag nicht mehr weiterbeschäftigen.Asi oder? Funktioniert aber.Prikär Beschäftigungen sind doch sogar in Mülheim bei der Stadt gang und gebe.Armes Deutschland

16.06.2013
16:21
Oberhausener Handwerk ist besorgt über Sparpläne der Stadt
von scouti | #5

Was ist mit Arbeitsgemeinschaften (AG) der Handwerksbetriebe ? So können auch kleinere Handwerker mit anderen gemeinsam als AG größere Aufträge annehmen und brauchen den Markt nicht den Markt größeren Anbietern überlassen.

16.06.2013
16:14
Oberhausener Handwerk ist besorgt über Sparpläne der Stadt
von guincho | #4

...die Dummbeutel scheinen tatsächlich zu glauben, dass europaweite Ausschreibungen, speziell von Bauleistungen, Geld sparen. Das Gegenteil ist der Fall. Nachbesserungen und Nachträge sind fast immer zu erwarten und da wird dann kräftig zugeschlagen. Allein schon die räumliche Entfernung wird zu immensen Zusatzkosten führen. Bei Mängeln sind die Herrschaften weg vom Fenster und die Kosten trägt der Steuerzahler.

Na ja , wenn Bürokraten versuchen Geld zu sparen wirds teuer....;-)

16.06.2013
16:12
Das öffentliche Ausschreibungsrecht muss dringend geändert werden.
von meigustu | #3

Steuerrückflüsse in die Kommune sowie die Ersparnisse durch vermiedene oder gesunkene Arbeitslosigkeit muss auf den Endpreis angerechnet werden.

Zuhause gäbe es was mit den Nudelholz wenn der arbeitslose Mann seiner Frau sagen würde sie möge bitte Tapezieren und Wasserhahn reparieren zu einem Paket zusammenfassen und einen Hausmeisterdienst damit beauftragen.

14.06.2013
20:53
Oberhausener Handwerk ist besorgt über Sparpläne der Stadt
von donelvis | #2

Wählt weiter die SPD/Grünen oder auch die CDU/FDP! Egal. Beide Kombinationen werden schon dafür sorgen, dass es mit Oberhausen weiter bergab geht. Wenn das Tal erreicht ist, fangen die Regierenden noch an zu buddeln!
Unser Land hat genug Geld. Es fließt aber leider nur nach Afghanistan (bis heute ca. 70 Milliarden nur für den dortigen Bundeswehreinsatz!), in Bankenrettungen (hunderte Milliarden), in ein Berliner Schloss (ca. 500 Millionen), in Form von Subventionen von Arbeitsplätzen, weil nur wenige Unternehmer anständige Löhne zahlen (Arbeitnehmer müssen dann mit Hartz 4 aufstocken), und und und....
Manche werden sagen: "Was hat den Kommunalpolitik mit Bundespolitik zu tun?" Die Antwort sollte jeder kennen.

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