Oberhausener hält seit 50 Jahren seiner Arbeit die Treue

Herbert Behmer in einer der Ausstellungsküchen im Ladenlokal. Zweimal im Jahr werden dort drei bis acht Küchen ausgetauscht.
Herbert Behmer in einer der Ausstellungsküchen im Ladenlokal. Zweimal im Jahr werden dort drei bis acht Küchen ausgetauscht.
Foto: Fabian Strauch
Was wir bereits wissen
Herbert Behmer ist seit einem halben Jahrhundert in ein und dem selben Betrieb tätig. Küchen Horstmann ist in Oberhausen-Sterkrade eine Institution.

Oberhausen.. Ein halbes Jahrhundert ein und dem selben Unternehmen treu zu bleiben – heute alles andere als selbstverständlich, in einer Arbeitswelt, die immer schnelllebiger wird. Jobwechsel sind an der Tagesordnung, sein gesamtes Arbeitsleben an einer Stelle zu verbringen eher selten. Herbert Behmer hat genau das am 1. April jedoch geschafft. Von der Lehre bis zum heutigen Tag arbeitet der Oberhausener bei Küchen Horstmann (ehemals Möbel Horstmann). Und ans Aufhören denkt der 64-Jährige noch nicht. „Wann ich ganz aussteige, lasse ich offen. Noch gibt es Kunden, die nach mir fragen“, sagt er grinsend.

1965 fing Behmer seine Lehre zum Einzelhandelskaufmann bei Möbel Horstmann an. „Schon während der Ausbildung war ich stark in die unternehmerischen Geschicke des Betriebs eingebunden. Mein Chef Peter Horstmann war viel mit Verbandsarbeit beschäftigt.“ Im Möbelgeschäft gab es damals noch alle Einrichtungsgegenstände zu kaufen. Zum reinen Küchenfachmarkt wurde der Betrieb erst 1979. „In dem Bereich haben wir einfach am meisten Umsatz gemacht.“

Entwurf am PC

Die Nachfrage sei nach wie vor groß – 2014 war das Rekordjahr. Was für Küchen heute verkauft werden, hätte sich hingegen grundlegend geändert. „Vor zwanzig Jahren war alles im Eiche-Rustikal-Stil“, erinnert sich Behmer. „Es ging mehr um Masse statt Klasse. Dann wurden die Ansprüche komplexer, die Küche zum Treffpunkt in den Häusern oder Wohnungen.“ Heute gingen selbst ältere Kunden mit einer knallroten Küche nach Hause. „Bei manchen ist die Küche auch zu einer Art Statussymbol geworden.“

Ebenso hat sich die Art der Arbeit verändert. „Heute entwerfen wir alles am PC, können den Kunden genau zeigen, wie die Küchen aussehen werden.“ Früher hätte Behmer eine Küche mit wenigen Strichen plastisch skizzieren können. „Wenn die Vorstellungskraft der Kunden nicht reichte, musste halt auch mal ein Wachsmalstift herhalten.“ Vor 25 Jahre ist dann das erste System für den PC auf den Markt gekommen: „Genial einfach – einfach genial“. „Das war grafisch ganz in Ordnung, aber kaufmännisch eine reine Katastrophe.“

Sohn übernahm Ruder 2013

Das Geschäft ist seit jeher ein familiengeführtes Unternehmen. Bevor Behmer in einem fließenden Übergang den Laden vor etwa 20 Jahren komplett übernahm, waren drei Generationen der Familie Horstmann verantwortlich. Heute ist die zweite Generation Behmer am Steuer. Herbert Behmers Sohn Mario ist seit 2013 Geschäftsführer. Der 37-Jährige war eigentlich auf dem Weg in die Medizin. Hatte eine abgeschlossene Ausbildung zum Pfleger und stand vorm Abschluss seines Medizinstudiums. Jedoch machte sich der Vater Gedanken über seine Nachfolge. „Ich hatte niemanden so richtig im Blick. Mario sollte zumindest alle Geschäftspartner kennenlernen, Vollmachten haben, damit die Geschäfte hätten weiterlaufen können, wäre ich einmal krank geworden.“

Der Filius blieb hängen. Herbert Behmer selber kümmert sich jetzt in erster Linie um das Rechnungswesen. Aber auch die Arbeit am Kunden er nicht missen. „Viele Stammkunden haben bei mir schon mehr als eine Küche gekauft. Auch ganze Familien kommen zu uns.“ Etwa alle 15 Jahre wird im Schnitt eine Küche erneuert. Herbert Behmer ist für die langjährigen Kunden ein Fixpunkt. Auch Ehefrau Christa arbeitet mit. Sie ist für die Deko des dreistöckigen Ladenlokals zuständig, sucht die passenden Tapeten zu den Küchen aus.

„Ich wünsche mir, dass ich mein Arbeitsleben in Ruhe und mit Gelassenheit ausklingen lassen kann“, sagt Behmer. Dann, so hätte er seiner Frau versprochen, will er auch anfangen, die eigene Küche zu Hause mehr zu nutzen. Lachend sagt er: „Bislang habe ich Küchen nur verkauft, weniger benutzt.“ Und das seit 50 Jahren.