Oberhausener Gemeinde plant Gebetsruf „Allāhu akbar“

Die Baustelle der künftigen Ayasofya Moschee in Lirich an der Duisburger Straße.
Die Baustelle der künftigen Ayasofya Moschee in Lirich an der Duisburger Straße.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Vom Minarett der neuen Moschee soll der Muezzin die Gläubigen rufen. Gleichstellung des islamischen Vereins mit christlichen Kirchen angestrebt.

Oberhausen.. Wenn die neue Moschee an der Duisburger Straße endgültig fertiggestellt ist, soll nach Willen der Liricher Türkisch-Islamischen Gemeinde regelmäßig vom 18 Meter hohen Minarett der Gebetsruf des Muezzin erschallen. Das wäre ein Novum auf dem Oberhausener Stadtgebiet.

Der Muezzin, der Ausrufer der Gemeinde, fordert normalerweise auf Arabisch fünf Mal am Tag die gläubigen Muslime zum Gebet in der Moschee auf – mit den Sätzen Allāhu akbar (Gott ist groß) und Hayya alā l-falāh (Eilt zur Seligkeit).

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Ganz so häufig soll in Lirich der Muezzin-Ruf nicht erschallen. „Wir wollen das zunächst mit dem Umfeld abstimmen. Vor allem für unser Hauptgebet am Freitag wollen wir es aber“, sagt Genç Ali Alican, der Vorsitzende der zu Ditib gehörenden Liricher islamischen Gemeinde. Seine Begründung: Schließlich dürften die christlichen Kirchen auch ihre Glocken läuten.

Bau geht langsam voran

Bereits seit 2012 errichtet die Türkisch-Islamische Gemeinde mit Hilfe von Spenden an der Duisburger Straße ihr neues Gotteshaus. Im nächsten Jahr rechnet sie mit ihrer offiziellen Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts durch das Land NRW. Sie wäre dann den christlichen Kirchen gleichgestellt – nach Ansicht des Vorsitzenden Alican ein guter Zeitpunkt, um erstmals in Oberhausen öffentlich zum Gebet aufzurufen. 2013 wurde in Hessen die erste islamische Gemeinde als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt.

„Der Rohbau unserer Moschee wird in diesem Jahr fertig“, kündigt er an. 1,2 Millionen Euro hat die 278 Mitglieder der Gemeinde allein der Rohbau gekostet. Am Ende rechnet der Vorsitzende mit Baukosten von zwei Millionen Euro.

Dann können sich im Gebetsraum bis zu 600 Gläubige auf zwei Ebenen versammeln. Die drei vorhandenen Gemeinderäume sollen noch um sechs bis sieben Räume erweitert werden. Darin bietet die Gemeinde schon heute Hausaufgabenbetreuung und muttersprachlichen Unterricht an: Sie wollen nach eigenen Angaben dafür sorgen, dass die hier lebenden Muslime die türkische Sprache nicht vergessen.

Längst hat das Dach der Moschee seine drei Kuppeln bekommen. Die größte hat einen Durchmesser von acht Metern und ist vier Meter hoch. Zur Zeit feilt die Gemeinde an der inneren Ausgestaltung.

Die Tage, an denen in der Moschee auf Türkisch gepredigt wurde, sind gezählt. „Mittlerweile studieren bereits die ersten deutschen Abiturienten türkischer Herkunft in der Türkei islamische Religionslehre“, sagt Alican. Sobald die Gemeinde von Ditib einen Iman mit dieser Ausbildung bekomme, werde in der Moschee auf Deutsch gepredigt. Das sei auch für die Gläubigen aus anderen Ländern, aus Marokko zum Beispiel, am einfachsten.

Der Bau geht bisher noch langsam voran, weil sich die Gemeinde bei der Finanzierung der Moschee bisher an das Koran-Prinzip hielt, keine Schulden zu machen und keine Kreditzinsen zu zahlen. Beim Innenausbau will der Vorsitzende aber davon abgehen. „Die heutigen Zinsen sind doch bloß noch eine Art Bearbeitungsgebühren“, sagt er.