Oberhausener Gastgeber gesucht

Sixten Kai Nielsen (Gründer des „Human Hotel“), Intendant Peter Carp, Katja Aßmann und  Kulturdezernent Apostolos Tsalastras im Gespräch.Foto:Edi Szekely
Sixten Kai Nielsen (Gründer des „Human Hotel“), Intendant Peter Carp, Katja Aßmann und Kulturdezernent Apostolos Tsalastras im Gespräch.Foto:Edi Szekely
Was wir bereits wissen
Die Stadt Oberhausen wird im Herbst zentraler Punkt des internationalen, dreijährigen Kunstprojekts „Actopolis“. Teilnehmer aus Südosteuropa wollen im September bei Privatleuten wohnen

Oberhausen.. Oberhausen will ein „Human Hotel“, ein menschliches Hotel, werden. Unsere Stadt will ein liebenswerter und neugieriger Gastgeber sein, wenn im Herbst rund 60 Künstler, Stadtplaner, Architekten oder Kuratoren herkommen, um über Stadtentwicklung und die Rolle der Kunst zu reden – und damit zu experimentieren. Actopolis heißt das Projekt, bei dem Oberhausen in den nächsten drei Jahren eine große Rolle spielen wird.

„Actopolis – Die Kunst zu handeln“ ist ein Aufruf zum Mitgestalten des urbanen Lebens und ist vom Goethe-Institut und den Urbanen Künsten Ruhr aus Gelsenkirchen ins Leben gerufen worden. Noch kommt Actopolis ein wenig abstrakt daher, bald schon aber will das Projekt konkret werden.

Gäste kommen am 25. September

Vom 25. bis 30. September kommen Gäste aus Ankara und Mardin, Athen, Belgrad, Bukarest, Sarajevo und Zagreb zu einem Herbstlabor nach Oberhausen. Hier wollen die Teilnehmer gemeinsam Ideen entwickeln, wie in Zukunft das Leben in der Stadt aussehen kann und welche Rolle die Kunst dabei spielen wird.

Katja Aßmann, die künstlerische Leiterin der Urbanen Künste Ruhr, musste nicht lang überlegen, wo ein kreativer Ort für einen solchen Ideenaustausch ist: Oberhausen. Hier gebe es eine lange Tradition, was die Themen Stadtentwicklung, Kultur und Kunst im öffentlichen Raum betrifft, bestätigt Kulturdezernent Apostolos Tsalastras und nannte als Beispiel die Initiative „Kunst im Turm“. Überhaupt sei der Oberhausener ein offener Mensch, das zeige die Gastfreundlichkeit bei dem internationalen Jugendaustausch Multi.

Und auch im Rahmen der Odyssee, dem Kunstprojekt im Kulturhauptstadtjahr, habe sich gezeigt, dass viele Oberhausener Gäste willkommen heißen, erinnert Peter Carp, Intendant des Theaters Oberhausen. Und so setzen die Actopolis-Macher auf die Gastfreundlichkeit der Oberhausener.

Teilnehmer lernen das Ruhrgebiet kennen

Dabei geht es nicht allein um ein Dach über den Kopf. Die Idee des „Human Hotel“ ist vielmehr, dass Gast und Gastgeber voneinander lernen, ihre Kulturen und Städteideen einander näher bringen, sich über Probleme und Perspektiven austauschen. Im Idealfall soll es nicht nur bei einem Besuch bleiben, sondern es sollen sich Beziehungen aufbauen, vielleicht sogar Freundschaften. Dabei ist es egal, ob man jung oder alt ist, ob man einen Job als Frisörin oder als Architekt hat, ob man künstlerisch veranlagt ist oder nicht.

Das „Human Hotel“ haben Martin Rosengaard, Sixten Kai Nielsen und William Rawlings 2009 zum UN-Klimagipfel in Kopenhagen gegründet, um Interessierten mit wenig Geld eine Teilnahme an dem Gipfel zu ermöglichen.

Die Actopolis-Teilnehmer werden im September zunächst Oberhausen und das Ruhrgebiet kennenlernen, dann mit der „Geheimagentur“, die bereits mehrfach im hiesigen Theater auftrat, eine Performance erarbeiten. Die soll – auch für die Gastgeber – im leerstehende Kaufhof in der Innenstadt stattfinden. Die Verhandlungen dazu laufen noch.

Während des Besuchs in Oberhausen sollen die Teilnehmer zudem Ideen für Projekte entwickeln, die 2016 in allen teilnehmenden Städten stattfinden sollen – mit gegenseitigen Besuchen. 2017 wird es schließlich eine Abschlussrunde geben. Wieder in Oberhausen, wieder mit vielen Gästen.