Oberhausener fürchten um ihre Ersparnisse

Gewerbetreibende wie hier die Großhandlung von Wilhelm Wischermann in Sterk­rade hatten unter der Bankenkrise besonders zu leiden.repro:Christoph Wojtyczka
Gewerbetreibende wie hier die Großhandlung von Wilhelm Wischermann in Sterk­rade hatten unter der Bankenkrise besonders zu leiden.repro:Christoph Wojtyczka
Foto: Christoph Wojtyczka / Ruhrkontra
Was wir bereits wissen
Am 13. Juli 1931 bricht die zweitgrößte deutsche Bank zusammen. Regierung verhängt „Bankfeiertage“. Auch in Oberhausen geraten viele Bürger in Panik.

Oberhausen.. Menschen in Griechenland stehen Schlange vor Bankschaltern und Geldautomaten, weil sie vielleicht bald kein Geld mehr abheben können. Derartige Verhältnisse bei uns scheinen heute unvorstellbar. Aber vor 84 Jahren, im Juli 1931, stand Deutschland vor der gleichen Situation. Auch in Oberhausen schien die Lage damals verzweifelt zu sein. Das zeigt ein Blick in zwei Zeitungen der damaligen Zeit, den bürgerlichen General-Anzeiger (GA) und die katholische Ruhrwacht (RW). Beides waren eigenständige Tageszeitungen, die nur in Oberhausen erschienen.

Am Montag, 13. Juli 1931, verkündete der GA, die Darmstädter und Nationalbank (Danat-Bank) werde ihre Schalter an diesem Tag geschlossen halten. Die zweitgrößte deutsche Bank war pleite. Tags darauf, am Dienstag, 14. Juli, ordnete die Reichsregierung zwei Tage lang für alle Kreditin­stitute in Deutschland „Bankfeiertage“ an.

Die RW berichtete, in Oberhausen bestürmten Bürger die Geldinstitute, um Geld abzuheben. Auslöser sei der Zusammenbruch der Danat-Bank. Im GA war zu lesen, bei der Essener Sparkasse hätten 4664 Kunden am 13. Juli insgesamt eine Million Mark abgehoben. Ab dem Nachmittag habe das Institut die Auszahlung auf 50 Mark pro Kunden beschränkt. Auch die Sparkasse Groß-Oberhausen habe ihre Auszahlungen zurückgefahren.

Gleichzeitig berichtete das Blatt über eine lebhafte Kauftätigkeit in der Nachbarstadt. Die Leute hätten in der sinnlosesten Weise Waren zusammengekauft. Offenbar rechneten sie mit dem völligen Wertfall der Rentenmark. So hieß die deutsche Währung seit der Währungsreform von 1923, mit der sich der Staat auf Kosten seiner Bürger völlig entschuldet hatte. In der RW war von „Angstkäufen“ die Rede.

Immer mehr Arbeitslose

Das führte auch dazu, dass ein reger Geldtransfer in die Niederlande einsetzte. Scharf kritisierte der Kommentator des GA: „Mit Zorn wendet man sich von dem Bilde, dass die Hauptverkehrsstraße Köln - Emmerich - Holland gestern bot. Autos, deren Besitzer nur das Gebot der Selbsterhaltung in Form von Kapitalflucht kennen, fahren in langen Schlangen der holländischen Grenze zu.“ Dort konnten sie gegen hohe Abschläge ihr Geld in Fremdwährung tauschen.

Autos konnten sich damals nur Wohlhabende leisten. Die kleinen Leute hatten andere Sorgen. Sie verfügten nicht einmal über Konten. Ihre Löhne wurden bar ausgezahlt. Aber immer weniger Bergleute in Oberhausen hatten Arbeit. Ihre Anzahl sollte sich zwischen 1929 und 1932 von rund 18 000 auf noch rund 8000 mehr als halbieren. Im Gegensatz dazu verdoppelte sich die Zahl der Arbeitslosen zwischen 1930 und 1932 von rund 12 000 auf über 24 000.