Oberhausener fürchten Flüchtlingsheim auf dem Tackenberg

Die Nachbarn der Tackenbergschule ärgern sich über die Informationspolitik der Stadt.
Die Nachbarn der Tackenbergschule ärgern sich über die Informationspolitik der Stadt.
Foto: Kerstin Bögeholz / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
In der Tackenbergschule will Oberhausen Flüchtlinge unterbringen. Einige Nachbarn beschweren sich über mangelnde Information und fürchten sich.

Oberhausen.. Fröstelnd stehen etwa 20 Nachbarn auf der Tackenbergstraße vor ihren Häusern. Eine Polizeistreife ist aufgefahren. Jemand hatte im Internet zu einer Demonstration gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in der Tackenbergschule aufgerufen, dann aber wieder einen Rückzieher gemacht, weil die Demo weder beantragt noch genehmigt war. Die Linkspartei hatte prompt zur Gegen-Demo aufgerufen. Aber es sind am späten Sonntagnachmittag nur die Nachbarn, die wissen wollen, was sich denn nun abspielt. Und dabei wird ziemlich viel Unmut über die Stadt und die Flüchtlingspolitik laut.

Dass sie erst vor wenigen Tagen erfahren haben, dass in der ehemaligen Schule für sechs Monate Asylbewerber untergebracht werden, weil andere Unterbringungsmöglichkeiten erschöpft sind, das ärgert die Anwohner auf dem Tackenberg. „So geht man doch mit Nachbarn nicht um“, beschwert sich ein Mann. Er hätte eine rechtzeitige Bürgerinformation erwartet.

Aufklärung erst auf Nachfrage

„Die Stadt verkauft uns für dumm“, bringt es eine Nachbarin auf den Punkt. Denn die Handwerker und Transporteure seien heimlich von hinten an die Schule herangefahren. „Erst haben wir gedacht, es hat etwas mit dem Stadtarchiv zu tun, das nach Lirich umgezogen ist“, erzählt der Mann. Erst auf Nachfrage habe man dann erfahren, dass die Räume für die Aufnahme der Flüchtlinge hergerichtet würden.

„Da ist es ja kein Wunder, wenn die Flüchtlinge gleich mit Unmut empfangen werden, den eigentlich die Verantwortlichen der Stadt verdient haben“, sagt die Frau, die wie die anderen anonym bleiben will.

Skeptisch gegenüber Beweggründen

Denn unter Flüchtlingen verstehen einige Nachbarn nicht in erster Linie Opfer von Krieg und Gewalt. „Gegen solche Flüchtlinge sind wir nicht“, erklärt eine andere Frau. Andere nicken zustimmend. Nur sei fraglich, ob die wirklichen Kriegsopfer überhaupt bis nach Deutschland durchkämen. „Aber die aus dem Kosovo, die haben hier nichts zu suchen“, fährt die Frau fort. Man könne doch nicht alle Menschen hier aufnehmen. Das sei doch keine Lösung des Problems, ist sich die kleine Gruppe, die vor einem Haus zusammensteht, einig. Man müsse den Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen hierher kämen, in ihren Herkunftsländern helfen.

Und dann geht die Angst um, die künftigen neuen Nachbarn könnten in der Umgebung auf Diebstahls-Tour gehen. „Wer sich strafbar macht, muss sofort abgeschoben werden“, fordert ein junger Mann. Aber das alles ziehe sich halt endlos hin.

Über die Runden kommen

Die Diskussion auf dem Schulhof zwischen den Nachbarn geht weiter. „Wenn ich schon hier zu Gast bin, muss ich mich auch benehmen“, sagt ein älterer Herr, der an Krücken geht und selbst vor 47 Jahren aus Slowenien nach Deutschland gekommen ist. Er kenne die Roma vom Balkan, sagt er. Sie seien nicht gewohnt, einer geregelten Arbeit nachzugehen.

„Wir waren damals auch zu viert in einem Raum im Wohnheim untergebracht“, sagt der Slowene. „Da kam aber keine Putzkolonne. Und einen Deutschkurs hat uns auch niemand bezahlt.“ Es könne doch nicht sein, dass man nach jahrzehntelanger Ar­beit hier mit seiner kleinen Rente so gerade über die Runden komme, den Flüchtlingen aber alles auf Kosten der Steuerzahler bezahlt werde. Sagt er und humpelt davon.

Polizei hatte Schule im Blick

Eine kleine Gruppe von Nachbarn, die sich zum Foto für die WAZ auf den Schulhof der Tackenbergschule begeben hatte und eine Gruppe junger Männer, die von einem benachbarten Imbiss kam und über den Schulhof ging, wurden am späten Sonntagnachmittag noch von der Polizei auf dem Schulhof angesprochen und vorübergehend dort festgehalten.

Polizeisprecher Axel Deitermann teilte dazu auf Nachfrage nur mit, man habe angesichts des Demo-Aufrufs, auch wenn er zurückgezogen worden sei, die noch nicht mit Flüchtlingen bezogene Schule am Sonntag verstärkt im Blick gehabt. Bei den jungen Männern habe es sich um eine Gruppe von Hobbyfußballern gehandelt, die dort gespielt hätten.