Oberhausener CDU wirft Koalition Industriefeindlichkeit vor

Hier wird noch anständig körperlich und hart gearbeitet: Der Tradtionsbetrieb Fitscher Guss sitzt an der Paul-Reusch-Straße quasi mitten in der Oberhausener Innenstadt – und erweitert den Standort mit einer Lagerhalle.
Hier wird noch anständig körperlich und hart gearbeitet: Der Tradtionsbetrieb Fitscher Guss sitzt an der Paul-Reusch-Straße quasi mitten in der Oberhausener Innenstadt – und erweitert den Standort mit einer Lagerhalle.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die CDU meint, die Koalition wolle kein störendes Gewerbe in Oberhausen mehr. Industrieareale würden nur noch für Wohnen, Grün und Büros frei gegeben.

Oberhausen.. Mitunter schlägt die politische Diskussion erstaunliche Kapriolen: Ausgerechnet der Oberhausener SPD, traditionsgemäß der Hort schweißträchtiger Arbeitsplätze harter Männer für Kohle und Stahl, wirft die CDU-Opposition nun vor, sich nicht genug um industrielle Kerne in der Stadt zu kümmern, geschweige denn, neue Industriebetriebe hierhin zu holen.

„Die Stadtspitze will offensichtlich weg vom Industriestandort, doch wir brauchen die handfesten Arbeitsplätze für die Menschen, die in den neuen Berufen einer Smart City keine Chance haben“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Daniel Schranz auf der Klausurtagung seiner Fraktion in Westerburg (Westerwald).

Investorenkonferenzen geplant

Wie kommt der CDU-Oberbürgermeister-Kandidat zu dieser erstaunlichen Behauptung? „Wenn die Stadtspitze, allen voran Planungs- und Umweltdezernentin Sabine Lauxen, Flächen plant, dann sollen da nur noch Grünes, Wohnen und nicht störendes Gewerbe hin.“ Selbst auf dem großen Areal der früheren Zeche Sterkrade sei das so. „Wenn man solche Flächen, also frühere hochindustrielle Gebiete, noch nicht einmal für echte Industrie öffnet, wo soll das denn sonst passieren?“

So gebe die Stadtspitze der Industrie keine Chance, in Oberhausen Industrie-Arbeitsplätze zu schaffen. Ohnehin sei seit Jahren zu beobachten, dass störendes Gewerbe immer mehr kostenträchtige Auflagen erhält. „Man will hier die Industrie nicht mehr, sondern lieber büroähnliche Gewerbenutzung wie im Gewerbegebiet Im Erlengrund“, sagt Schranz.

Die von der Ampelkoalition geplante Neuordnung der Wirtschaftsförderung habe zwar mit der Zusammenlegung von Wirtschaft und Tourismus die richtige Struktur, inhaltlich spiele aber die Industrie bei der geplanten intensiveren Firmenbetreuung in den von den Unternehmensberatern genannten Oberhausener Leitmärkten Freizeit, Konsum und Bauen kaum noch eine Rolle.

Schranz will Wirtschaft zur Chefsache machen

„Die Diskussion über die Reform der Wirtschaftsförderung bleibt auf halber Strecke stehen. Das ist jetzt wie Halma spielen, da werden nur Püppchen hin und her verschoben.“ Selbstbewusst kündigt Schranz an: „Nach der hoffentlich gewonnenen Oberbürgermeister-Wahl werde ich die Wirtschaft zur Chefsache machen. Dabei werde ich nicht wie der jetzige Oberbürgermeister die Unternehmen besuchen, um dort vor allem Spenden einzuwerben.“

Unter seiner Führung sollen erstmals in Oberhausen Investorenkonferenzen einberufen werden: Schranz will Projektentwickler, Investoren, Investmentfonds-Manager und Pensionskassen einladen, um für die Vorzüge von Investitionen hier zu werben. Andere Städte machten dies Oberhausen vor.