Erinnerungen an Styrums Tante-Emma-Laden

Ludwig Mandel vor dem langjährigen Ladenlokal des Tante-Emma-Ladens seiner verstorbenen Frau Ingrid.
Ludwig Mandel vor dem langjährigen Ladenlokal des Tante-Emma-Ladens seiner verstorbenen Frau Ingrid.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
33 Jahre, bis 1991, existierte an de r Lothringer Straße der kleine Laden von Ingrid Mandel. Bald gibt es einen Nachfolger

Oberhausen.. Wenn Bert Jurgeleit Anfang April seine Lottoannahmestelle um ein Lebensmittel-Angebot erweitert und im Hause Lothringer Straße 147 neu eröffnet, bekommt Styrum nach 25 Jahren Un­ter­brechung an dieser Stelle wieder einen Nahversorger. Denn 1991 schloss dort nach 33 Jahren das im Viertel hoch geschätzte Geschäft von Ingrid Mandel. Die alte Dame starb vor zwei Jahren. Aber ihr Witwer Ludwig Mandel erinnert sich zurück.

„Meine Frau wollte immer Verkäuferin mit eigenem Laden werden“, erzählt der heute 86-Jährige. 1956 haben die beiden geheiratet. Zwei Jahre später zogen sie nach Oberhausen und an der Lothringer Straße 147 eröffnete Ingrid Mandel ihren lange ersehnten „Tante-Emma-Laden“. Diese Bezeichnung habe sie nie als abwertend empfunden, berichtet Ludwig Mandel. Ein solches Geschäft zu führen, sei vielmehr ihr Ein und Alles gewesen. „Mit den Leuten reden, das war ihr Leben.“ Ihm selbst wäre es ja lästig gewesen sei, zum Beispiel einen Apfel wegen einer faulen Stelle umzutauschen. Aber Ludwig Mandel ging ohnehin seinem eigenen Beruf als Handelsvertreter nach. „Ich habe nur die Buchhaltung gemacht und die Ware ausgeliefert. Auch das gehörte damals dazu“, berichtet er.

Neuigkeiten aus dem Viertel

Für seine Frau habe der Tag um 5 Uhr früh auf dem Großmarkt begonnen. „Es kam ja, anders als heute, nichts in den Laden, was sie nicht vorher gesehen hatte.“ Man sei keiner Handelskette angeschlossen gewesen. „Wir konnten einkaufen, wo wir wollten.“

Ihr kleines Geschäft war Dreh- und Angelpunkt für alle, die Neuigkeiten aus dem Viertel erfahren wollten. Und Kochtipps. „Da kamen die Kundinnen zum Beispiel und fragten, wie man Stielmus kocht“, erinnert sich der Witwer. „Und dann nahm meine Frau sie mit in die Küche. Dort wurden für das Wochenende Kalte Büfetts für Festgesellschaften zubereitet. Und jeden Morgen wurden 15 Kilo Kartoffeln gekocht, um sie für den Kartoffelsalat oder den Heringsstipp zu pellen.“ Das gebe es ja alles nicht mehr. „Heute sind die Leute nur auf die Sonderangebote bedacht“, sagt Ludwig Mandel. Bedürftige hätten die Wurstecken kostenlos bekommen.

Den Lebensabend genossen

150 Quadratmeter groß war ihr Laden, anfangs aber nur 40. „Nebenan war noch ein Friseur“, erinnert sich der Witwer. Um 1970 herum erwarben die Eheleute dann das Haus. Ende der 70er Jahre wurde der Laden um eine Metzgerei erweitert, die schnell zum Hauptgeschäft wurde. 1983 wurde das 25-jährige Geschäftsjubiläum groß gefeiert. Acht Jahre später nahm Ingrid Mandel das Angebot von Kosmetikerin Petra Pfeiffer an, ihre Geschäftsräume zu übernehmen. Sie setzte sich mit Ende 50 zur Ruhe und verbrachte mit ihrem Mann ihren Lebensabend mit ausgedehnten Reisen nach Portugal.