Ob Wehling antritt, werden wir sehen
30.05.2007 | 10:35 Uhr 2007-05-30T10:35:26+0200INTERVIEW. Schranz glaubt noch nicht an neue Kandidatur. Angriffe auf SPD. Ab heute Klausurtagung der CDU am Comer See.
22 Tagesordnungspunkte nimmt die CDU heute mit in ihre Klausurtagung nach Cadenabbia, die NRZ ist auf Einladung mit dabei. Vorab stellte sich Franktions-Chef Daniel Schranz gestern im Interview, in dem er nicht nur erklären musste, warum es die Partei an den Comer See zog, sondern auch über Einsichten, Aussichten und Ansichten sprach.
NRZ: Herr Schranz, viele Oberhausener glauben, Sie seien schon mit Anzug und Krawatte auf die Welt gekommen, weil man Sie noch nie in einem anderen Aufzug gesehen hat..?
Daniel Schranz: Da ist sicherlich etwas dran, weil ich im politischen Alltag und in meinem Beruf als Prokurist so auftrete. Da gibt es sicherlich einen Dresscode. Privat oder mit meinen Kindern trage ich aber auch Jeans und T-Shirt.
NRZ: Politische Botschaften werden immer mehr durch Personen und deren Image transportiert. Glauben Sie nicht, dass deshalb auch diese scheinbare Nebensächlichkeiten an Gewicht gewinnen kann?
Schranz: Korrektheit ist auch eine politische Botschaft. Nicht alle Stadtverordneten müssen so rumlaufen wie ich, aber die Spitzen der Stadt sollten dies schon tun.
NRZ: Die Frage bleibt dennoch, ob Sie mit Ihrem Image und Ihrer Ausstrahlung unkonventionelle junge Wähler begeistern können?
Schranz: Ich glaube nicht, dass das eine das andere ausschließt. Es gibt auch viele junge Menschen, die Konventionen unterworfen sind.
NRZ: Oder basteln Sie schon an Ihrer Zukunft als Landtagsabgeordneter?
Schranz: Das hat damit nichts zu tun. Ich halte mich nicht für jemanden, der unbedingt höhere Aufgaben haben muss. Die Frage, ob meine Zukunft im Landtag liegt, kann allein der Wähler im Jahre 2010 beantworten.
NRZ: Ein Jahr zuvor stehen die Wahlen zum Oberbürgermeister an.
Schranz: Den CDU-Kanditaten werden wir frühestens Ende 2008 bekannt geben.
NRZ: Ist es nicht egal, wer als chancenloser Feldfüller gegen Klaus Wehling antritt?
Schranz: Da kann ich Ihnen nicht folgen. Zugeben, beim letzten Mal bekamen wir nur knapp 33 Prozent, das ist kein Ergebniss, das zufrieden stellt. Aber wer weiß, wie die Situation 2009 ist? Wer weiß denn überhaupt, wer für die SPD ins Rennen geht? Und wer weiß, wie die Stimmung sein wird, wenn die Hiobsbotschaften - Stichwort Stahlwerksgelände - noch zahlreicher werden?
NRZ: Für die SPD hat Wehling bereits seine Kandidatur angekündigt.
Schranz: Na und. Das gleiche Spiel hatten wir auch mit Drescher, der sogar schon nominiert war. Bei Klaus Wehling stellt sich zudem die Frage nach dem Generationswechsel. Am Ende seiner zweiten Amtszeit wäre Wehling 68 oder 69 Jahre alt. Ob die SPD das will. . . ?
NRZ: Warum sollen die Oberhausener denn überhaupt CDU wählen?
Schranz: Weil wir personell und inhaltlich gut aufgestellt sind, weil wir den Generationswechsel geschafft haben, den die SPD immer noch scheut, und weil wir versuchen, Oberhausens Zukunft zu gestalten.
NRZ: Darüber werden Sie sicher auch am Comer See reden, hätten Sie das nicht auch im Sauerland tun können?
Schranz: Wir wohnen im Haus, in dem Konrad Adenauer immer seinen Urlaub verlebte, das er manchmal als Ersatzkanzerlamt umfunktionierte, und von wo aus er wochenlang Politik machte. Ich finde es nicht verkehrt, dass man als CDU eine solche Stätte mal besucht. Deswegen kann man das den Leuten auch zumuten.
NRZ: Welchen Leute kann man was zumuten?
Schranz: Ich meine unsere Leuten, die eine weite Anreise haben und die Öffentlichkeit.
NRZ: Dort könnte die Wirkung dennoch fatal sein.
Schranz: Wir machen keine Lustreise. Wir arbeiten und informieren uns. Zum Beispiel beim deutschen Generalkonsul, der uns besucht und uns hoffentlich erklären kann, warum die Lombardei wirtschaftlich so stark ist, und warum es so wenig Arbeitslose gibt.
NRZ: Trotzdem stellt sich die Frage nach den Kosten.
Schranz: Diese Reise ist die absolute Ausnahme, trotzdem kostet sie nicht mehr, sondern weniger als unsere üblichen Klausurtagungen.
NRZ: Erwarten Sie, dass wir das glauben?
Schranz: Ich kann das erklären. Unsere Stadtverordneten haben pro Monat ein Sitzungsgeld von 16,50 Euro in die Kasse gezahlt. Dann wird das Haus in Cadenabbia von der Konrad Adenauer-Stiftung betrieben, wir wohnen also billiger als im Hotel, und schließlich wird auch der Flug über die Stiftung abgerechnet, die über günstige Gruppentarife verfügt.
NRZ: Was werden sie bei Ihrer Tagung abarbeiten?
Schranz: Eine ganze Menge. Wir haben 22 Punkte, ganz oben stehen Strukturwandel und Stadtteile sowie Sicherheit und Ordnung.
NRZ: In diese CDU-Domäne ist die SPD längst eingebrochen.
Schranz: Was wir schon 2004 angestoßen haben, hat der Oberbürgermeister jetzt als neu vorgestellt. Wir fragen aber, warum die SPD so stark hinter Wehlings Ankündigungen zurück bleibt. Wo ist die Umsetzung? Wenn es heißt, Platzverweise gebe die kommunalrechtliche Ordnung nicht her, dann muss man diese Ordnung eben ändern. Wenn es heißt, Alkoholkonsum kann man nicht einschränken, dann frage ich: Warum nicht? Man muss es nur wollen.
NRZ: Wie wollen Sie denn dafür sorgen, dass Ihr Parteifreund Rüttgers den Emscher Sportpark nicht verhindert?
Schranz: Diese Sorge habe ich nicht. Es ist eine grandiose Verdrehung der Tatsachen, wie schon bei der Ripshorster Brücke immer auf die Landesregierung loszugehen. SPD und Verwaltung haben den Sportpark doch sträflich vernachlässigt. Statt die Chance zu sehen, hat man immer nur Probleme gesucht. Warum geht es nicht? Woher will die Emschergenossenschaft das Geld nehmen? Und so weiter. In Wirklichkeit ist das eine Riesenchance, mit der man offensiver und kooperativer umgehen muss.. (Foto: Özcan)

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