„Null Chancen“ ohne Deutsch

Die Teilnehmer im Deutschkurs von Lehrerin Evgeniya Popova sind hochmotiviert.
Die Teilnehmer im Deutschkurs von Lehrerin Evgeniya Popova sind hochmotiviert.
Foto: Fabian Strauch
Intensiv-Sprachkurs endet, weil die Förderung ausläuft. Flüchtlinge möchten aber weiterlernen: Nun werden Sponsoren für die Fortführung gesucht.

Oberhausen..  Sie kommen aus Afghanistan, Syrien, Tschetschenien, China, Albanien, der Mongolei oder der Ukraine, dem Iran oder vom Kosovo – und wollen vor allem eines ganz dringend: Deutsch lernen. Um sich wenigstens etwas verständlich machen zu können, im Alltag klarzukommen und ein bisschen am Leben drumherum teilnehmen zu können. Anspruch auf einen Deutschkurs haben die Flüchtlinge nicht, da sie allesamt noch im Anerkennungsverfahren stecken. Umso froher sind sie, dass sie trotzdem den Intensivkurs besuchen können, den die Ruhrwerkstatt seit Mitte Mai in einem Gemeinderaum von St. Theresia vom Kinde Jesu anbietet. Doch der endet bald, denn die Fördergelder dafür sind aufgebraucht. Jetzt machen sich die Teilnehmer Sorgen, dass es für sie nicht weitergeht – und hoffen auf mögliche Sponsoren.

Gruppe ist hochmotiviert

Zum Hintergrund: Die Asyl-Anerkennungsverfahren ziehen sich oft monatelang hin. Flüchtlinge haben in dieser Zeit keinen Anspruch auf Deutschunterricht, der Bedarf ist aber da. Deshalb hat das Land NRW dafür zusätzliches Geld bereitgestellt. 500 000 Euro gab’s für Deutschkurse im ganzen Land, wovon 260 000 Euro auf freie Träger der Weiterbildung entfallen. Für die Durchführung eines dieser Kurse hatte sich die Ruhrwerkstatt beworben und den Zuschlag bekommen, erzählt Ralf Langnese, Leiter der Weiterbildung bei der Ruhrwerkstatt. Um zu starten, hat sich das Bildungswerk der Ruhrwerkstatt mit den in der Flüchtlingsarbeit aktiven Ehrenamtlern von „Bunter Oberhausener Norden“ (BON) in Verbindung gesetzt. BON organisierte dann die Räumlichkeiten, die die Gemeinde kostenfrei zur Verfügung stellt. So weit, so gut.

Doch jetzt ist das Geld für die bewilligten Stunden aufgebraucht, der Kurs endet regulär in dieser Woche. „Aber die Teilnehmer möchten unbedingt weitermachen“, erzählt Sigrid Culemann, die bei BON und im Flüchtlingsrat aktiv ist: „Sie wären sogar bereit, von ihrem bisschen Geld etwas abzugeben, damit die Dozentin weiter bezahlt werden kann.“

Weil sich die Gruppe so motiviert zeigt, hat sich die Ruhrwerkstatt entschlossen, für eine kurze Überbrückungszeit den Kurs weiterzuführen: „Einfach, weil wir das für ganz wichtig halten“, betont Ralf Langnese, der hofft, dass sich bald eine Lösung findet, um den Deutschunterricht für die Flüchtlinge weiterzuführen – ganz unabhängig davon, wer dann unterrichtet. „In dem Kurs sitzen zum Beispiel Ingenieure, die null Chancen haben, hier klarzukommen, wenn sie kein Deutsch können.“

Jetzt hoffen alle darauf, dass sich Sponsoren finden, damit’s irgendwie weitergehen kann – wenn nicht mit einer anerkannten Lehrerin für Integrationskurse, dann möglicherweise mit einer anderen Honorarkraft.