Vorrang für die kräftigsten Bäume in Sterkrade

Stadtförster Jürgen Halm (vorne) führte rund 30 interessierte Bürger in den Sterkrader Wald.
Stadtförster Jürgen Halm (vorne) führte rund 30 interessierte Bürger in den Sterkrader Wald.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Zwar verzichtet die Stadt Oberhausen in diesem Jahr auf die Hälfte ihrer Holzernte. Trotzdem gibt es Fällarbeiten. Ihren Sinn erläuterten die Forstexperten jetzt im Sterkrader Wald.

Oberhausen.. Nach Sturm Ela im vergangenen Sommer verzichtet die Stadt Oberhausen 2015 auf etwa die Hälfte ihrer jährlichen Holzernte. Nur noch 875 statt sonst 1600 Festmeter Holz sollen geschlagen werden. Denn der Sturm hat schon 700 Festmeter Holz betroffen. Weil es zuletzt bei Bürgern Irritationen über die Durchforstungsarbeiten gab (wir berichteten), erläuterte Stadtförster Jürgen Halm Interessierten am Mittwoch die Arbeiten am Beispiel einer von insgesamt vier vorgesehenen Stellen im Sterkrader Wald.

Rund 30 Bürger, darunter auch Lokalpolitiker und Naturschützer, waren an die nördliche Jägerstraße gekommen. Mit den Forstfachleuten der Stadt führten sie eine unaufgeregte Diskussion.

Die Jägerstraße ist an dieser Stelle durch einen Waldstreifen von der Autobahn 2 getrennt. Mitten durch ihn verläuft die Schneise einer Gasleitung. Und den Baumbestand zwischen der Jägerstraße und dieser Schneise will die Stadt Oberhausen bis Ende Februar durchforsten lassen.

65 Jahre alter Baumbestand

„Hier stehen ungefähr 660 Festmeter Holz“, sagte Stadtförster Halm. 150 davon, also fast ein Viertel, sollen geschlagen werden. Das sei aber unbedenklich, weil die Fläche nur alle zehn Jahre durchforstet werde, die Natur also Zeit habe nachzuwachsen.

Gefällt werde auch nicht in erster Linie, um aus dem Verkauf des Holzes Einnahmen zu erzielen, sondern um den kräftigsten der dort ums Jahr 1950 angepflanzten Roteichen ein langes Leben, noch 100 bis 150 Jahre, zu ermöglichen.

Gelbe Markierung

Die Bäume, die fallen sollen, sind gelb markiert. Ein Pfeil zeigt dabei an, dass dazu eine so genannte Rückegasse angelegt wird. Dies ist eine Schneise für ein Spezialfahrzeug mit Greifer.

An einem der 20 Meter hohen Bäume erläuterte Jürgen Halm, die Krone sei zu klein, um ein kräftiges Wachstum zu ermöglichen. Umgekehrt schränke der Baum durch seine Nähe zu einem kräftigeren Nachbarn dessen Entwicklungschancen ein. Auf einen zukunftsträchtigen Baum kämen ein bis zwei so genannte Bedränger.

Totholz bleibt stehen

Was denn mit abgestorbenen Bäumen passiere, wollte eine Teilnehmerin wissen. „Sie bleiben wegen ihrer Funktion als Nist- und Brutplatz stehen, wenn davon keine Gefahr ausgeht“, so Halm.

Die Anwohner der vom Autobahnlärm geplagten Jägerstraße warnte der Förster vor, auch direkt an der Straße würden Bäume gefällt, um später einen Waldrand anzulegen. Hubert Filarsky, Mitglied des Landschaftsbeirats, gab den Hinweis, Sträucher seien für den Lärmschutz viel wirkungsvoller als die hohen Bäume.