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Vondern, Insel zwischen Autobahn 42 und Güterzügen

20.03.2012 | 12:00 Uhr
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Wilhelm Schmitz, 1. Vorsitzender des Fördervereins Burg Vondern, mit dem Schlüssel zur alten Burg Vondern.Foto: Ulla Emig

Oberhausen. Das Besondere des Stadtteils wird mit einem Blick auf den Stadtplan oder vom Gasometer runter sofort deutlich: Vondern ist eine Insel, gelegen zwischen Rhein-Herne-Kanal , Emscher und Autobahn 42 einerseits und dem Güterbahnhof Osterfeld Süd andererseits.

Der Weg in die ehemalige Bergarbeitersiedlung führt von der Osterfelder Straße in die Arminstraße, lang gezogene Hauptschlagader Vonderns. Im östlichen Teil kann der Stadtteil unter dem Emscherschnellweg über die Breilstraße oder in Richtung Bottrop über die Brahm-kampstraße verlassen werden.

Diese eingekeilte Lage zwischen den viel befahrenen Verkehrswegen A 42 und Rangierbahnhof beschreibt zugleich die Vorzüge und Nachteile Vonderns: „Wir würden viel mehr Beachtung finden“, ist sich Wilhelm Schmitz über einen Nachteil sicher. Schmitz ist Vorsitzender des Förderkreises der Burg Vondern und hat mit seiner Einschätzung sicher recht. Ein solches denkmalgeschütztes Kleinod wie die Wasserburg Vondern ist andernorts ein wahrer Touristenmagnet mit Gastronomie.

Was nicht heißen soll, dass auf Burg Vondern nichts los ist: Der Förderverein vermietet die neu angebaute Remise, das Gewölbe im Keller oder die erste Etage für private Feiern, das Trauzimmer wird über zwanzigmal im Jahr für Eheschließungen im ritterlichen Rahmen genutzt, erzählt Reinhard Lerch, ebenfalls im Vorstand des Förderkreises und zuständig für die Vermietungen. Dazu kommen die Führungen, die Sonntagsmatineen, historische Feste. . . Leben ist in dem alten Gemäuer, das 1982 vom Förderkreis in einem desolaten Zustand übernommen wurde.

Großes Zusammengehörigkeitsgefühl

Stadtteilrundgang Vondern

„Um es baulich zu erhalten und der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen“, beschreibt Wilhelm Schmitz die Ziele des Vereins. „Wir belasten den Etat der Stadt nicht“, betont der ehemalige Stadtkämmerer. Darauf sind Schmitz, Lerch und die Mitstreiter des Kreises stolz: Mit den Einnahmen aus den Vermietungen, den Beiträgen der Mitglieder, mit Spenden und Zuschüssen der NRW-Stiftung pflegen sie die Burg, die damit zum Herzstück Vonderns geworden ist.

Was nicht selbstverständlich war, immerhin sollte der „Ostfriesenspieß“, die Autobahn 31, mal über das Gelände der Burg führen, die dafür weichen sollte. Das Schicksal blieb „dem ältesten Bauwerk Oberhausens“ (Schmitz) erspart. Jetzt würde sich der Förderkreis über den Lückenschluss der Lärmschutzwand an der A 42 freuen, denn das der bisher fehlt, beinträchtige die Veranstaltungen im Burghof doch sehr.

Apropos Insellage und die Vorzüge des Stadtteils: Reinhard Lerch, ehemaliger Abteilungssteiger und Bergingenieur, hat 40 Jahre in der Angestelltensiedlung jenseits von Burg Vondern gewohnt: „Das Zusammengehörigkeitsgefühl war immer sehr groß“, sagt Lerch, meint aber festzustellen, das dies in den letzten Jahren abgenommen hat. Trotz des Rauschens der Autobahn und der lärmigen Güterzüge: Das Wohnen hier hat Charakter, die zwischen 1907 und 1913 im Auftrag der Gutehoffnungshütte erbaute Bergarbeitersiedlung wurde an das Konzept der Gartenstadt angelehnt, Düsselbachweg und Glückaufstraße kommen geschwungen daher.

Sturm auf die Burg Vondern

Vondern in Zahlen

Aber genau das, was die Planer der Siedlung damals mit bedachten, wird heute von Reinhard Lerch und den Bewohnern, die ihre Häuser von der Thyssen AG kauften, vermisst: eine öffentliche Infrastruktur. Zwar fährt ein Bus, der 957er, im 20-Minuten-Takt durch Vondern und es gibt eine Haltestelle direkt an der Burg, aber „es fehlen Einkaufsmöglichkeiten, Kneipen, öffentliche Versammlungsorte, Kindergärten“, sagt Reinhard Lerch. Denn die Verkaufsanstalt der GHH, ein wunderschönes Gebäude, und das Möhringsche Kinderhaus, später ein Bürgerhaus, werden längst nicht mehr in ihrer eigentlichen Bestimmung, sondern privat genutzt.

Vondern erfasst das Statistikamt der Stadt im Sozialraum Osterfeld-Süd. Die Ortsteile haben eine deutlich ausgewogenere Altersstruktur als anderswo im Norden und sind beliebtes Zuzugsgebiet: Jeder Fünfte ist ein Kind oder Jugendlicher (bis 17 Jahre), 18- bis 24-Jährige machen etwa neun Prozent der Bevölkerung aus, nur 14,6 Prozent sind 65 Jahre alt oder älter.

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Osterfeld-Süd und Vondern haben die geringste Bevölkerungsdichte im Oberhausener Norden, die Arbeitslosenquote ist mit 7,7 Prozent zwar eine der höchsten im Norden - sie liegt aber unter der Oberhausener Quote von 8,6 Prozent. Die Mehrzahl der Anwohner (rund 40 Prozent) gehören keiner christlichen Konfession an.

Andrea Rickers

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