Sterkrade ist ein Stadtteil mit Licht und Schatten

Geschäftsmann Manfred Assmacher beleuchtet die guten und negativen Seiten Sterkrades.
Geschäftsmann Manfred Assmacher beleuchtet die guten und negativen Seiten Sterkrades.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Bei einem Rundgang durch Sterkrade zeigt sich die City mal von ihrer schlechten, mal von ihrer guten Seite. Licht und Schatten eines Ortsteils.

Oberhausen.. Ein Rundgang durch Sterkrade: Licht und Schatten. Und ein unschöner „Roter Faden“: Leerstände. Manfred Assmacher kennt sich in dem Ortsteil aus wie kein Zweiter. Seit Jahrzehnten betreibt er gemeinsam mit seiner Frau an der Steinbrinkstraße das Modehaus Assmacher. Und obwohl er Sterkrade verbunden ist, will Assmacher es nicht schön reden. „Der Stadtteil wird oft beschönigt“, so die Aussage des rührigen Kaufmanns.

Wie leer gefegt

Früher Nachmittag in Sterkrade: „Fällt Ihnen was auf“, fragt Assmacher und zeigt ausladend über Straßenschluchten, die beinahe wie leer gefegt wirken. Nur vereinzelte Passanten eilen über die Straßen. „Von den 22 000 bis 25 000 Besuchern, die täglich an der Marktstraße gezählt werden, haben wir hier vielleicht zwei Prozent“, sagt der Geschäftsmann. Um sich dann über die Aussage des Bezirksbürgermeisters Dieter Janßen zu echauffieren: „Er spricht von drei Prozent Geschäftsleerständen, da hat er wohl eine Null vergessen.“

Wie zum Beweis hebt Assmacher beim Rundgang durch die Sterkrader City immer wieder die Hand: „Da, das ist wieder einer von den drei Prozent Leerständen“, zeigt er auf trostlose Häuserfassaden, blinde Fensterscheiben. Den Faden zurrt er bereits in Nachbarschaft zu seinem Ladenlokal fest.

„Dieses Reformhaus existiert schon seit zehn Jahren nicht mehr, aber die Reklame, die gibt es immer noch“, empört er sich. Schräg gegenüber müsste das Gästehaus der GHH belebt werden. Dann kommt wieder Licht ins Bild: „Auf dem Gelände der Neuapostolischen Kirche ist ein sehr schönes Restaurant entstanden“, schwärmt er von den „Jahreszeiten“, dass man dort richtig gut essen könne.

Schmuddelruine Ecke Steinbrink-/Bahnhofstraße

Einen gewaltigen Schatten wirft dagegen das Gebäude an der Ecke Steinbrink-/Bahnhofstraße, in dem einst Kick untergebracht war. Jetzt eine Schmuddelruine. „Wenn ich mir das so ansehe, bin ich mit Michael Groschek einer Meinung.“ Der amtierende NRW-SPD-Generalsekretär und künftige Oberhausener SPD-Vorsitzende hatte vorgeschlagen, Immobilienbesitzer, die sich um ihre Häuser nicht kümmern und sie einfach leer stehen lassen, durch den Staat zu enteignen.

Direkt von der Kick-Ruine fällt der Blick auf den Center Point, dieses „potthässliche, sogar bedrohlich aussehende Ding“, für dessen Abriss Assmacher am liebsten selbst den Hammer schwingen würde. Um dann richtig zu stellen: „Noch heute wird mir vorgeworfen, ich wäre schuld an diesem Ding, das stimmt nicht, wir hatten hier ein gläsernes Café geplant.“

Glücksfall Ärztehaus

Das Ärztehaus in Nachbarschaft zum Technischen Rathaus nennt Assmacher dagegen wieder einen Glücksfall. „Das bringt uns auch sehr viele Leute aus anderen Städten.“ Johanniter Krankenhaus, St.-Clemens-Hospital: „Wenn alles so gut wäre, wie die medizinische Versorgung, hätten wir kein Problem in Sterkrade.“ Gut sei auch das Bekleidungsgeschäft Lantermann mit seinem Vollsortiment: „Ich bin jeden Tag, wenn ich hier vorbei gehe, froh, dass es das Geschäft noch gibt.“Auf die vielen Spielhallen könnte er jedoch verzichten.

Die nächsten Leerstände warten an der Finanzstraße und der Brandenburger Straße. „Das sind auch welche von den drei Prozent“, sagt Assmacher immer wieder. Ein Sterkrade-Running-Gag.

Idee einer Straßenbahn bis Schmachtendorf

Und hätte doch Dreschers Idee, die Straßenbahn, die in Sterkrade endet, bis Schmachtendorf weiter zu führen, Anklang gefunden. „Das wäre ein Kaufkraft-Zielgruppen-Austausch geworden“, ist Assmacher überzeugt. Wäre in dem einen Fall. Geworden ist beziehungsweise gemausert habe sich dagegen die untere Bahnhofstraße.

Spezial „Dank der Initiative des Metzgermeisters Kürten“, lobt Assmacher die Ecke mit Eventhotel, Eisdiele oder Friseur mit Café. Aber diese Passage an der Bahnhofstraße dagegen, die gar nicht auffällt, wenn man nicht weiß, dass sie da ist, für die braucht man schon wieder einiges an rotem Zwirn.

Branchenmist statt Branchenmix

Manfred Assmacher kritisiert die Expansion des Centro. Mit dem Centro habe der Niedergang des gepflegten Einzelhandels in den gewachsenen Stadtteilen begonnen. „Die Ansiedlung von Billigläden hat aus dem Branchenmix einen Branchenmist gemacht“, sagt der Geschäftsmann. Er fordert einen Mini-Einzelhandels-Masterplan für den Stadtteil. Außerdem: einen täglichen Frischemarkt gegenüber dem Technischen Rathaus, Parkbuchten in „überdimensionierten Fußgängerbereichen“, eine bessere Anbindung des Sterkrader Tores an den Innenstadtbereich, einheitliche Ladenöffnungszeiten.

Assmacher: „Es gibt hier noch Geschäftsleute, die ihre Läden mittags von 13 bis 15 Uhr schließen oder samstags schon um 14 Uhr.“ Wichtig ist Assmacher jüngere Zielgruppen zu bewerben, da diese zu fast 100 Prozent abwanderten. Geschäfte, die Assmacher in Sterkrade fehlen: ein Delikatessen-Laden, ein Lederwarenfachgeschäft, ein Süßwaren- und Obstgeschäft. „Und warum gibt es hier keine Nordsee“, fragt er.

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