Postkonzern zwingt Kaufmann aus Oberhausen in die Knie

Karsten Klinkenberg und seine Frau schließen ihr Geschäft in Osterfeld, in dem sie seit fünf Jahren auch Postgeschäfte übernehmen, zum 30. April.
Karsten Klinkenberg und seine Frau schließen ihr Geschäft in Osterfeld, in dem sie seit fünf Jahren auch Postgeschäfte übernehmen, zum 30. April.
Foto: Fabian Strauch Photography / WAZ
Was wir bereits wissen
Der Postkonzern ändert Praxis: Filialbetreiber aus Oberhausen-Osterfeld soll mehr auf Provisionsbasis arbeiten. „Das schaffen wir nicht“, sagt er – und schließt nun sein Geschäft. Am 30. April ist Schluss.

Oberhausen.. Die 62-jährige Osterfelderin bringt es auf den Punkt: „Das ist ja ein Mist“, sagt sie, als sie erfährt, dass die einzige Postfiliale im Osterfelder Zentrum schließt. Nur noch bis zum 30. April können sie und ihre 82-jährige Mutter zu Karsten Klinkenberg ins Schreibwarengeschäft an der Westfälischen Straße kommen, in dem man auch Geld abholen oder Briefmarken kaufen kann. „Fehlt die Post, ist das ein Schwachpunkt“, sagen die Frauen.

Den Ärger über die bevorstehende Schließung seines Ladens hat Klinkenberg abgeschüttelt. Seit Monaten streitet der Kaufmann mit dem Postkonzern über die Bedingungen, unter denen Klinkenberg in seinem Geschäft Postprodukte vertreibt. „Letztlich sitzt die Post am längeren Hebel“, meint Klinkenberg

Nach Telefonat kam die Kündigung

Vor Jahren hat die Post damit begonnen, Leistungen wie Bankgeschäfte, Brief- und Paketannahmen an Kaufleute vor Ort abzugeben. Diese Gewerbetreibenden erhielten dafür einen Pauschalbetrag und eine Provision. Klinkenberg und seine Frau wissen eine gute Bilanz vorzuweisen: In Osterfeld hätten sie seit der Filialübernahme 2009 ihre Provisionszahlungen um 60 bis 70 Prozent gesteigert. So viele neue Konten seien bei ihnen eröffnet worden, dass die Filiale gar als Premiumpartner gelte. „Wir haben bis zu 400 Kunden am Tag.“ Die Firma hat zwei Mitarbeiter.

Umso überraschender war für Klinkenberg deshalb die Ankündigung des Postkonzerns, er solle einen neuen Vertrag unterschreiben. Fixe Zuschüsse sollten darin um 80 Prozent gekürzt werden, der Kaufmann sollte mehr Leistungen auf Provisionsbasis erbringen. „Meine Frau und ich hätten im Monat 3300 Euro weniger, das Geld, von dem wir im Monat leben. Das geht nicht“, sagt der 52-Jährige. Am Telefon habe er einer Post-Mitarbeiterin dies gesagt. Kurz darauf sei die Kündigung des Geschäftsverhältnisses gekommen.

Interessenverband kritisiert Praxis

Kein Einzelfall: Schon im Herbst hat der Postagenturnehmerverband (PAGD), in dem die Postfilial-Betreiber organisiert sind, gewarnt, die Post ziehe ihren Partnern die Daumenschrauben an: „Mit den neuen Verträgen werden die wirtschaftlichen Risiken des Filialbetriebs in bisher nicht dagewesenem Umfang an die Unternehmer ausgelagert und gleichzeitig die ohnehin schon wenig auskömmliche Vergütung reduziert“, meinte damals PAGD-Vorstand Carsten Kaps. Die Kritik: Das Postgeschäft werde in den neuen Verträgen nur noch als eine Art Marketingmaßnahme der Läden dargestellt. Dabei sei es in der Praxis schnell das Kerngeschäft, das mit erheblichen Kosten und Risiken verbunden sei.

Die Post sieht dies naturgemäß anders. „Wer viel leistet, viel verkauft, wird am Gewinn beteiligt“, sagt ein Konzernsprecher. Denn mit den neuen Verträgen seien die Provisionen etwa im Paketbereich erhöht worden. „Der Paketmarkt boomt, davon profitieren unsere Partner.“ Die meisten Filialbetreiber hätten die neuen Verträge unterzeichnet. Nach einem Nachfolger in Osterfeld werde gesucht.

Klinkenberg ist froh, sich schon vor zwei Jahren ein zweites Standbein aufgebaut zu haben, das er nun weiterverfolgt: Mit der „Steinpflege Niederrhein“ reinigt und veredelt er Natur- und Betonsteine.