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Osterfeld heizt lieber mit Wasser

05.07.2012 | 14:00 Uhr
Osterfeld heizt lieber mit Wasser
Die Gräben für die Leitungen zur Fernwärme sind 1,40 Meter breit - wie man hier in Duisburg sieht.Foto: WAZ FotoPool

Oberhausen.   Aufgrund der hohen Nachfrage baut die EVO das Fernwärmenetz aus. Ab heute an der Gildenstraße, 2013 bis zur Bottroper Straße.

Die Osterfelder Innenstadt ist dieser Tage eine Baustelle für sich: Während die WBO an der Vestischen Straße ihre Kanäle saniert, wird am heutigen Donnerstag eine Baugrube an der Gildenstraße aufgetan. Denn die Energieversorgung Oberhausen (EVO) baut aufgrund der hohen Nachfrage ihr Fernwärmenetz aus. Straßen werden nach Angaben der Verwaltung allerdings nicht gesperrt.

2009 hatte die EVO damit begonnen, Osterfeld als letztes Zentrum in Oberhausen an das Fernwärmenetz anzuschließen . Bei diesem Prinzip wird Wasser durch die Abwärme in Heizkraftwerken aufgeheizt und über gut isolierte dicke Leitungen in Haushalte gepumpt. Dort kann man das Wasser nutzen, um Räume zu heizen oder etwa Badewasser zu erwärmen.

Insgesamt über 12 Millionen Euro hatte die EVO bisher in dieses Mammutprojekt in Osterfeld investiert, aktuell sind dort über 2000 Haushalte an diese umweltverträgliche Energieversorgung angeschlossen. 210 Haushalte sind allein seit Januar dazu gekommen.

Investition: eine halbe Million Euro

Für weitere 500.000 Euro soll das Netz nun an der Gildenstraße ausgebaut werden. Geplant ist in zwei Bauabschnitten insgesamt knapp einen Kilometer neue Leitungen zu verlegen – 470 Meter die Fußgängerzone hinauf und 470 Meter hinunter.

Los gehen die Arbeiten an der Gildenstraße auf Höhe der Eisdiele. Rund 215 Meter Leitungen werden bis zur Kettlerstraße verlegt, wo bereits ein Netzanschluss aus vorigen Baumaßnahmen liegt. Auch ein kleiner Teil der Bergstraße kommt ans Netz. Knapp fünf Wochen dauern diese Arbeiten. Weder die Bergstraße noch die Gildenstraße sollen während der Arbeiten gesperrt werden.

Rund 1,40 Meter sind die Baugräben breit, in denen die EVO-Fachleute die isolierten Stahlrohre verlegt. Die Rohre haben eine Lebensdauer von rund 50 Jahren und unterliegen besonderen Sicherheitsstandards. Sie zu verlegen, sei besonders aufwendig, gibt Bernd Homberg, Technischer Vorstand der EVO an. „Das Wasser wird mit einem Druck von 10 bar hindurchgepumpt, da sind die Anforderungen hoch.“ Deshalb wird die Baustelle länger offen liegen als man das regulär gewohnt ist.

2013 will die EVO auch an der Fußgängerzone bis zur Bottroper Straße über 255 Meter weitere Leitungen verlegen. Unter anderem können die Mieter des Mehrfamilienhauses, das die Gemeinnützige Wohnungsbau eG an der Bottroper Straße derzeit saniert, ans Fernwärmenetz angeschlossen werden.

Das Interesse an Fernwärme, so Homberg, steige zunehmend: Schon jetzt liegen Bestellungen für einen Netzanschluss an der Gildenstraße vor, so dass 20 Haushalte künftig mit Fernwärme versorgt werden. Die EVO geht sogar davon aus, in den kommenden zehn Jahren bis zu 70 Prozent aller Haushalte in Osterfeld an ihr Fernwärmenetz angeschlossen zu haben.

Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Pflugbeil (SPD) begrüßt diese Entwicklung als einen wichtigen Schritt zu einer umweltverträglichen Energienutzung. „Es gibt kaum eine effizientere Form als Fernwärme.“

Markt findet regulär statt

Mit Skepsis erwarten die Marktleute in Osterfeld, wie ihr Geschäft von den Baustellen in der Innenstadt beeinträchtigt wird. Denn während die Energieversorgung Oberhausen das Fernwärmenetz an der Gildenstraße ausbaut, beginnen in der kommenden Woche ebenfalls die Arbeiten an dem Eckhaus Gildenstraße und Marktplatz. Das Haus wird entkernt und bis auf die unterste Etage abgerissen (wir berichteten).

In der Zeit während der Arbeiten am Fernwärmenetz soll der Markt regulär und so ungestört wie möglich stattfinden. Allerdings sind die Stände neu angeordnet - Markthändler von der Gildenstraße stehen nun konzentriert auf dem Marktplatz. Auch stehen wohl weniger Händler in Osterfeld: „Der Anteil der Textilhändler wird zurückgefahren“, sagt Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Pflugbeil. Die vielen Verkäufer zumeist günstiger Kleidung waren in der Vergangenheit mehrfach kritisiert worden.

Besonders problematisch, so wird befürchtet, gestaltet sich der Marktverkauf wohl im kommenden Jahr. 2013 soll der Osterfelder Marktplatz unterkellert werden. Dort soll eine Tiefgarage für den Neubau des Eckhauses angelegt werden. Der Markt wird in dieser Zeit an einen anderen Ort innerhalb der Osterfelder Innenstadt verlegt.

Besonders die Zeit während der Arbeiten an der Tiefgarage 2013 wollen Politik, Verwaltung und die Händler dazu nutzen, das Konzept des Osterfelder Wochenmarkts neu aufzustellen. Das sei dringend notwendig, sagte auch Dirk Grünewald bei der Jubiläumsfeier des Osterfelder Bürgerrings, die kürzlich im Pfarrheim von St. Pankratius stattgefunden hatte. „Der Markt ist eine wichtige Kontaktbörse im Stadtteil, aber leider nicht mehr der Anziehungspunkt , der er einmal war.“

Stephanie Weltmann


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