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Oberhausen-Biefang - ein kämpferisches Viertel

15.03.2012 | 15:15 Uhr
Jan (7), mit (v.l.) Marlene Haselmeyer, Wolfgang Kemkes, Günter Jurzik, Dr. Jörg Schröer, Karin Starosta und Ute Weyen.Foto: Ulla Emig

Oberhausen.  Biefang glänzt mit engagierten Bürgern, Vereinskultur und viel Natur. Man vermisst den Einzelhandel.

Von wegen Augen zu und durch – auch wenn auf der Kurfürstenstraße zum Ärger der Biefanger ganz schön gebrettert wird und die Autobahn das Viertel unschön teilt. „Wir sind der Westwall zu Duisburg“, scherzt der Vorsitzende der Biefanger Interessengemeinschaft (BIG) Helmut Starosta. Aber nicht nur deshalb lohnt sich das Anhalten in Oberhausens zweitältestem Stadtteil.

Der Frosch ist das Wappenzeichen des über 730 Jahre alten Viertels, denn früher umgrenzten der Mühlen-, Fünn-, Venn- und Röttgersbach in allen vier Himmelsrichtungen das Gebiet – damals eine Sumpflandschaft, in die angeblich hin und wieder Ganoven gejagt wurden. Wer auf dem Weg nach Holten durchkam ohne im Morast zu versinken, war rehabilitiert.

Veedel setzt zu großen Sprüngen an

Biefang hat damit aber nicht nur quasi Leichen im Keller. Der grüne Hüpfer deutet vielmehr an, dass das Veedel heutzutage zu großen Sprüngen ansetzt. Einer der wohl bedeutendsten wird die Renaturierung der Emscher sein, die Biefang durchfließt. „Wenn sie beendet ist“, sagt Marlene Haselmeyer (BIG) und deutet auf das grüne Umland hinter der Wohnsiedlung an der Goerdelerstraße, „wird das eine wunderschöne Wanderstrecke nach Holten werden.“ Wenn es nur schon so weit wäre.

Denn zuvor müssen für die Renaturierung über 1,3 Millionen Kubikmeter Erde ausgehoben und abtransportiert werden. Mit 200 LKW am Tag rechnet die BIG und ist nicht nur über den Lärm im Stadtteil besorgt, sondern auch über die möglichen Auswirkungen: Staus, kaputter Straßenbelag, und den schmalen Kreisverkehr am Rathenau Platz – wo das Wappentier „Frobie“ noch sein Königreich überblickt – wird man womöglich für diese Maßnahme umbauen müssen.

Mehr Leben ins Viertel

„Wenn man für den Abtransport einen Ersatzweg schafft, der entlang der Emscher führt“, so Helmut Starosta, das wäre für die rund 3000 Biefanger erträglicher.

Der Rathenau-Platz ist aber nicht nur Zentrum des Verkehrs, sondern auch Herz der Gemeinde. Engagiert versucht die BIG hier mehr Leben ins Viertel zu bringen. Ein Nikolausmarkt findet alljährlich hier statt. Im Gemeindehaus der ev. Kirche gegenüber gibt es ein Café, Frauenhilfe und Yoga. Das Verhältnis von Katholiken und Evangelen im Veedel ist „etwa fifty-fifty“, schätzt Marlene Haselmeyer.

Vereinskultur hat in Biefang hohen Stellenwert: Der Turnverein Biefang wird 100 Jahre alt. Das wird in einer Festwoche um den 24.6. gefeiert. Der TV Biefang umfasst 600 Mitglieder.

Ältestes Haus des Stadtteil steht seit 1731

Ein Stück weiter an der Ecke Dienststraße und Kolkmannstraße steht das älteste Haus im Stadtteil. 1731 wurde es erbaut und ist in Privatbesitz, bedauert die BIG. Denn das Haus, in dem früher „Mimis Bude“ war und wo Bonbons und Brötchen verkauft wurden, hat seinen Glanz stark eingebüßt. „Als Haus für Heimatkunde wäre es ideal“, meint Helmut Starosta.

Oberhausens Stadtteile in Bildern

Auch wenn die Zeiten für den Einzelhandel in Biefang vorbei sind – Bäcker und Co konnten sich nicht mehr halten – ist man auf das Gewerbegebiet „Im Erlengrund“ umso stolzer. „Das wird häufig den Holtenern zugeschrieben“, korrigiert Starosta, „es liegt aber in Biefang.“ Großen Wert legen die engagierten Biefanger darauf schon allein deshalb, weil sie vor etwa zwölf Jahren eine Steinbrechanlage an dieser Stelle verhindert haben, erzählt BIG-Sprecherin Ute Weyen. Jetzt hinge nur noch „das Schreckgespenst“ der ThyssenKrupp MetalServ GmbH, Logistik-und Service-Center Rohre über Biefang.

"Eine Sanierung wäre wohl zu teuer"

Lange Zeit hieß es, der Thyssen -Standort in Ratingen würde nach Oberhausen verlegt. „Damit würde der Stadtteil durch 1000 zusätzliche LKW am Tag belastet werden“, vermutet Weyen. Wenn auch ein Gutachten und die Wirtschaftskrise bislang dagegen sprachen, so die BIG-Frau, vom Tisch sei das Thema aber noch nicht. Das gilt ebenso für die verbretterten Häuser an der Edmundstraße, sagt Hartmut Starosta. Die inzwischen heruntergekommenen Gebäude, in denen einmal Einwanderer aus Ost-Europa untergebracht waren, sollen der Stadt gehören und sind ein Ärger für die Anwohner. „Eine Sanierung wäre wohl zu teuer“, glaubt Starosta, einen Investor fand man bisher nicht. „Wir würden es begrüßen, wenn sich hier etwas tun würde.“

Dennis Vollmer

Kommentare
30.12.2014
23:45
Oberhausen-Biefang - ein kämpferisches Viertel
von Coll | #2

Arbeitsplätze als "Schreckgespenst", die engagierten Helden.

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Oberhausen-Biefang - ein kämpferisches Viertel
Oberhausen-Biefang - ein kämpferisches Viertel
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2012-03-15 15:15
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